Robotik-Studie: 70% der Entwickler klagen über Zertifizierungschaos
04.06.2026 - 09:21:37 | boerse-global.deEine aktuelle Studie zeigt: Rund 70 Prozent der deutschen Robotik-Entwickler klagen über Verzögerungen durch komplexe Zertifizierungsprozesse. Die Untersuchung des Technologieunternehmens BlackBerry QNX, veröffentlicht Ende Mai, offenbart grundlegende Probleme in der Branche.
Software wird zum Innovationskiller
Die Ergebnisse sind alarmierend: Während nur 16 Prozent der Entwickler die Hardware als größtes Hindernis nennen, sehen 27 Prozent die Software-Architektur als Hauptproblem. Dabei erwarten 85 Prozent der Fachleute, dass Software in den nächsten drei bis fünf Jahren eine deutlich größere Rolle in Robotersystemen spielen wird.
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Die technischen Anforderungen sind hoch. Rund 95 Prozent der Entwickler bestehen auf deterministischer Echtzeit-Ausführung, 92 Prozent betrachten Echtzeit-Verhalten als Grundvoraussetzung. Derzeit setzen 91 Prozent auf General Purpose Operating Systems (GPOS) für sicherheitskritische Aufgaben – doch 86 Prozent zeigen sich offen für spezialisiertere Systeme.
Zeitdruck gefährdet Sicherheit
Der Druck, Produkte schnell auf den Markt zu bringen, kollidiert zunehmend mit Sicherheitszielen. Die Studie belegt: 79 Prozent der Entwickler geben zu, dass Zeit- und Budgetzwänge zu Kompromissen bei sicherheitskritischen Aspekten führen. Besonders brisant: 85 Prozent aller Robotersysteme sind für den Einsatz in unmittelbarer Nähe von Menschen ausgelegt.
Trotz dieser Herausforderungen setzt die Branche stark auf Physical AI – künstliche Intelligenz, die mit der physischen Welt interagiert. Rund 89 Prozent der Entwickler sehen darin einen entscheidenden Faktor für die Zukunft. Allerdings fühlen sich nur 29 Prozent sehr zuversichtlich, dass ihre Systeme in Echtzeit sichere Entscheidungen treffen können.
Neue Regularien erschweren Entwicklung
Das regulatorische Umfeld in Europa wird immer komplexer. Der EU AI Act verschiebt die Compliance-Frist für Hochrisiko-Systeme auf Dezember 2027, regulierte Produkte müssen erst bis August 2028 zertifiziert sein. Branchenexperten warnen: Verzögerungen bei verbindlichen Standards könnten die Kosten für Unternehmen weiter in die Höhe treiben.
In Deutschland sorgt zudem das KRITIS-Rahmengesetz für neue Hürden. Seit dem 17. März 2026 müssen Betreiber kritischer Infrastrukturen – darunter Energie, Transport und IT – umfassende Resilienz-Maßnahmen umsetzen. Das Gesetz gilt für Einrichtungen, die mindestens 500.000 Menschen versorgen, und räumt Betriebsräten Mitbestimmungsrechte bei Krisenmanagement-Maßnahmen ein.
Technische Lösungen für die Mensch-Roboter-Kollaboration
Neue Technologien versprechen Abhilfe. Das Unternehmen Sensory Robotics hat sein SR-1-System mit UL-1740-Zertifizierung vorgestellt. Es nutzt 3D-Vision und Sensoren, um in Echtzeit Sicherheitszonen zu schaffen – und könnte Sicherheitskäfige in der Industrie überflüssig machen. Toyota, Caterpillar und das US-Verteidigungsministerium haben bereits Interesse signalisiert.
Auch auf der Hardware-Seite tut sich etwas. Infineon hat sein hardwarebasiertes Root-of-Trust in die NVIDIA Jetson Thor Plattform integriert und bietet damit quantenresistente Sicherheit. Ziel ist die Erfüllung des EU Cyber Resilience Act und des EU AI Act. Infineon schätzt den Halbleiteranteil eines einzelnen humanoiden Roboters derzeit auf rund 500 Euro.
Pilotprojekte und Umweltschutz
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Während die industrielle Zertifizierung eine Herausforderung bleibt, schreiten spezialisierte Anwendungen voran. In Duisburg demonstrierten Vodafone, Accenture und SAP auf der Hannover Messe 2026 den Einsatz humanoider Roboter in der Lagerlogistik. Die Roboter führen Inspektionen durch und identifizieren Sicherheitsrisiken.
Im Baugewerbe startet im Oktober 2026 das EU-finanzierte HARPA-Forschungsprojekt mit vier Millionen Euro. Ziel ist der Einsatz von Drohnen zur automatisierten Montage – fliegende Roboter sollen Bauteile mit einem Gewicht von bis zu 100 Kilogramm positionieren.
Im Verbraucherbereich sorgen Umweltaspekte für neue Regeln. Mehrere deutsche Gemeinden, darunter Gilching, haben Kampagnen gestartet, um den nächtlichen Einsatz von Mährobotern einzuschränken. Grund: Der Schutz von Igeln, die seit Oktober 2024 als potenziell gefährdet gelten. Ähnliche Einschränkungen gibt es bereits in Köln und Mainz.
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