Robotik-Sicherheit, Shark-Saugroboter

Robotik-Sicherheit: 674.000 Shark-Saugroboter über ein Zertifikat hackbar

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 10:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Pentagon schließt 130 Hochschulen aus China, Russland und Iran von Forschungsgeldern aus. Parallel wachsen Sicherheitsbedenken bei Robotik und KI.

US-Verteidigungsministerium weitet Sperrliste für Hochschulen massiv aus
Roboterarm in einem modernen Forschungslabor, Symbol für fortschrittliche Technologie und nationale Sicherheitsbedenken. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das US-Verteidigungsministerium hat seine schwarze Liste ausländischer Hochschulen massiv erweitert. 130 Institutionen aus China, Russland und Iran sind nun von Pentagon-Forschungsgeldern ausgeschlossen.

Die Aktualisierung der sogenannten Section-1286-Liste erfolgte zwischen dem 23. und 25. Juli 2026. Sie betrifft vor allem die Bereiche Grundlagenforschung und Technologietransfer. Hintergrund sind wachsende Sicherheitsbedenken der US-Regierung.

Neue Namen auf der Sperrliste

Das Verbot stützt sich auf den National Defense Authorization Act (NDAA) aus dem Haushaltsjahr 2019. Es soll verhindern, dass US-Steuergelder in die Hände strategischer Konkurrenten gelangen. Pentagon-Staatssekretär Emil Michael betonte, der Schutz der Grundlagenforschung habe höchste Priorität.

Zu den neu gelisteten chinesischen Einrichtungen gehören die renommierten Universitäten Fudan und Shanghai Jiao Tong. Besonders stark fällt die Ausweitung auf Russland aus: 32 Hochschulen und Forschungsinstitute wurden neu aufgenommen. Darunter finden sich die Lomonossow-Universität Moskau, die Bauman-Universität, das Moskauer Institut für Physik und Technologie (MIPT), das Skoltech-Institut sowie das Kurchatow-Institut.

Für viele betroffene Einrichtungen kommt die Entscheidung nicht überraschend. Einige Universitätsverwaltungen bezeichneten den Schritt als symbolisch. Faktisch bedeutet die Listung jedoch das Aus für jede Pentagon-finanzierten Forschungskooperation. Die Liste wird mindestens einmal jährlich aktualisiert.

Humanoiden-Roboter im Visier des Kongresses

Parallel zur Verschärfung der Forschungsrestriktionen eskalierte die Debatte um humanoide Roboter. Im Juli 2026 stand der sogenannte GUARD Act im Kongress zur Anhörung. Politiker und Branchenvertreter warnten vor einer chinesischen Dominanz in der Robotik – ähnlich wie bei Drohnen.

Die Zahlen sind alarmierend: Der chinesische Hersteller Unitree liefert rund 74 Prozent aller humanoiden Roboter, die an US-Universitäten im Einsatz sind. 2025 verschiffte das Unternehmen über 5.500 Einheiten – das entspricht etwa 25 Prozent des Weltmarkts. Der Preis für das Einstiegsmodell G1 liegt bei umgerechnet rund 12.400 Euro.

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Der Chef von Agility Robotics sprach sich für Importverbote aus. Er verwies auf ausländische Subventionen und mögliche Cybersicherheitslücken. Andere Forscher hingegen warnten vor einem Bann. Sie argumentieren, dass die günstige Hardware für die Forschung unverzichtbar sei.

Sicherheitslücken bei Saugrobotern und KI-Systemen

Die Sicherheitslage bei vernetzten Robotern und KI-Systemen verschärft sich rasant. Das Cybersicherheitsunternehmen ESET hat seit Jahresbeginn 2026 rund 800.000 KI-Anwendungen gescannt – ein Anstieg um das Dreizehnfache. Seit März 2026 stufte ESET 25.000 davon als verdächtig ein.

Besonders brisant: Ein Sicherheitsforscher entdeckte eine Schwachstelle bei Shark-Saugrobotern. Ein einziges Zertifikat eines Geräts reichte aus, um auf rund 674.000 weitere Einheiten zuzugreifen. Möglich wurden dadurch Fernzugriffe und der Diebstahl sensibler Daten wie Grundrisse und WLAN-Passwörter.

Auch bei DJI-Romo-Saugrobotern klaffte eine Sicherheitslücke. Ein Forscher konnte über ungesicherte Server auf Live-Kamerabilder und Kartenmaterial zugreifen. Der Hersteller schloss das Leck im Februar 2026.

Roboter-Lehrerin Sally vorerst gestoppt

Die lokale Politik reagiert ebenfalls. Am 24. Juli 2026 setzte der Schulbezirk Salamanca City ein geplantes Programm mit der KI-Roboter-Lehrerin „Sally“ aus. Der New Yorker Bildungsbeauftragte hatte Bedenken wegen des Datenschutzes für Schüler angemeldet. Er forderte verbesserte Sicherheitsvereinbarungen, bevor der Roboter im Unterricht eingesetzt werden darf.

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Neue Sicherheitsstandards für die Robotik

Die Branche arbeitet unterdessen an strengeren Sicherheitsnormen. Auf der International Robotic Safety Conference Ende 2025 diskutierten Experten die Überarbeitung der ISO-10218-Norm. Künftig sollen traditionelle Kollaborationsmodi durch umfassende Risikobewertungen ersetzt werden. Neue Standards wie ISO 26058-1 und ISO 25785-1 adressieren die besonderen Anforderungen dynamisch stabiler Roboter.

In der Europäischen Union beschleunigt sich der Wandel zur Pflicht. Der Cyber Resilience Act, der AI Act und die Maschinenverordnung werden voraussichtlich bis 2027 verbindlich. Die Hersteller müssen dann deterministische Sicherheitskontrollen implementieren – getrennt von den KI-Ebenen. Nur so bleibt die physische Sicherheit gewahrt, selbst wenn das KI-Modell kompromittiert wird.

Trotz des wachsenden Regulierungsdrucks arbeiten Wissenschaft und Industrie weiter zusammen – wenn auch unter kontrollierten Bedingungen. NEURA Robotics errichtet derzeit zehn Trainingszentren, unter anderem an der RWTH Aachen und der TU München. Ziel ist die Weiterentwicklung der „physischen KI“ durch eine Kombination aus realem Training und Simulation.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) veröffentlichte unterdessen ein Positionspapier. Es bekennt sich zur sicherheitsrelevanten Forschung, etwa bei Drohnenabwehr und Infrastrukturschutz. Die Entwicklung konkreter Waffensysteme lehnt das KIT jedoch ab.

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