Robotik-Branche, Massenproduktion

Robotik-Branche startet in die Massenproduktion

01.05.2026 - 19:39:22 | boerse-global.de

Hersteller wie 1X und Figure beginnen mit der Massenproduktion humanoider Roboter. Erste Praxistests laufen in Japan und den VAE.

Robotik-Branche startet in die Massenproduktion - Foto: über boerse-global.de
Robotik-Branche startet in die Massenproduktion - Foto: über boerse-global.de

Gleichzeitig beginnen erste öffentliche Tests in Flughäfen und Behörden. Der Sektor bewegt sich rasant in Richtung kommerzieller Realität.

Fabriken laufen auf Hochtouren

Am 30. April eröffnete 1X Technologies, ein von OpenAI unterstützetes Unternehmen, eine 5.400 Quadratmeter große Fabrik in Hayward, Kalifornien. Das Ziel: 10.000 Einheiten des humanoiden Modells „Neo“ im ersten Betriebsjahr. Langfristig sollen bis Ende 2027 sogar 100.000 Stück produziert werden. Die ersten Auslieferungen für den Heimgebrauch sind für Ende 2026 geplant.

Noch ehrgeiziger ist Figure: Dessen „BotQ“-Anlage in Kalifornien erreicht bereits eine Produktionsrate von einem Roboter pro Stunde – eine 24-fache Steigerung innerhalb von vier Monaten. Zuvor lag die Rate bei einem Stück pro Tag. Insgesamt hat Figure bereits über 350 Exemplare des Modells „Figure 03“ ausgeliefert und peilt eine Jahresproduktion von 12.000 Einheiten an. Zur Unterstützung wurde das KI-Modell „Helix S0“ mit verbesserter visueller Wahrnehmung aktualisiert.

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Die wirtschaftliche Basis der Branche ist solide. Teradyne Robotics, Mutterkonzern von Universal Robots und MiR, meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 91 Millionen Euro – das vierte Wachstumsquartal in Folge. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2025 waren es noch 69 Millionen Euro. KI-bezogene Erlöse machen inzwischen rund 15 Prozent des Quartalsumsatzes aus, getrieben von starker Nachfrage aus der Elektronikfertigung, der Halbleiterindustrie und dem E-Commerce. Allerdings läuft in Deutschland ein Rechtsstreit mit Elite Robots wegen mutmaßlicher Software-Patentverletzungen.

Roboter im öffentlichen Dienst

Auch außerhalb der Fabrikhallen halten humanoide Roboter Einzug. Japan Airlines testet ab Mai 2026 Einheiten von Unitree für Gepäckabfertigung und Kabinenreinigung am Flughafen Tokio-Haneda. Der zweijährige Versuch, durchgeführt mit der GMO Internet Group, reagiert auf den akuten Arbeitskräftemangel in Japans alternder Gesellschaft. Die aktuellen Modelle schaffen zwar nur zwei bis drei Stunden pro Akkuladung – doch genau das soll der Praxistest zeigen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate setzen ab Mai 2026 auf ein KI- und Robotiksystem zur Prüfung von Arbeitserlaubnis-Anträgen. Das System bewertet Kandidaten nach Erfahrung, Ausbildung und Fähigkeiten. Ziel der Regierung: 50 Prozent aller Verwaltungsprozesse sollen innerhalb von zwei Jahren KI-gesteuert ablaufen.

Im Dienstleistungssektor bringt Elite Robots am 30. April den „RoboBarista“ auf den Markt – eine vollautonome Station, die 60 Tassen Kaffee pro Stunde zubereitet und über zehn Getränkevarianten bietet. Vorführungen sind auf Messen in Italien, Taiwan und Belgien geplant. In China bietet X Square Robot humanoide Reinigungsdienste an – zunächst in Shenzhen, seit dem 21. April auch in Peking. Ein menschlicher Operator übernimmt komplexe Aufgaben, der Roboter die Basisarbeit. Kostenpunkt: 149 Yuan (rund 19 Euro) für drei Stunden. Das Unternehmen will bis Jahresende 1.000 Einheiten im Einsatz haben.

Autonome Logistik auf dem Vormarsch

Auch nicht-humanoide Systeme machen Fortschritte. Am 29. April absolvierte Bot Auto die erste vollständig autonome Frachtlieferung in Texas – ganz ohne Fahrer oder Remote-Operator an Bord. Die 370 Kilometer lange Strecke zwischen Houston und Dallas für Ryan Transportation zeigte deutliche Kostenvorteile: 1,73 Euro pro Kilometer für den autonomen Betrieb gegenüber 3,46 Euro für herkömmliche Fahrten.

Die Ladeinfrastruktur zieht nach. Rocsys sicherte sich 13 Millionen Euro in einer Series-A-Verlängerung für sein „M1“-System – ein schienengeführter Roboterarm, der bis zu zehn Robotaxis oder Nutzfahrzeuge autonom lädt. Die Erfolgsquote liegt bei über 99,9 Prozent. Pilotprojekte starten 2026, der breite Rollout in Europa und Nordamerika ist für 2027 geplant.

ABB Robotics präsentierte am 1. Mai die „PoWa“-Cobot-Familie mit Traglasten von 7 bis 30 Kilogramm und Geschwindigkeiten über fünf Meter pro Sekunde. Zeitgleich brachte ABB eine automatisierte Schleif- und Polierzelle auf den Markt – eine Antwort auf den weltweiten Mangel an Fachkräften in der Oberflächenbearbeitung. Epson erweiterte ebenfalls sein SCARA-Roboter-Portfolio um den LS50C mit 50 Kilogramm Traglast – der höchsten in seiner Klasse – und integrierter Sicherheitstechnik.

Milliardenmarkt in Sicht – aber Hürden bleiben

Eine Studie von Roland Berger vom 30. April prognostiziert dem Robotikmarkt bis 2035 ein Volumen zwischen 300 und 750 Milliarden Euro. Die Betriebskosten für Roboter könnten auf bis zu 1,80 Euro pro Stunde sinken – ein entscheidender Vorteil angesichts des weltweit schrumpfenden Arbeitskräftepotenzials bis 2050.

Doch der Weg ist steinig: Das Capgemini Research Institute fand heraus, dass zwar 79 Prozent der Unternehmen „Physical AI“ erforschen, aber weniger als fünf Prozent großflächig einsetzen. Zuverlässigkeit, Sicherheit und betriebliche Bereitschaft nennen Führungskräfte als größte Hürden. Immerhin: 60 Prozent der Führungsteams sehen Physical AI als entscheidenden Hebel für bisher unpraktikable Robotik-Anwendungen.

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Die Marktführerschaft liegt derzeit klar bei chinesischen Herstellern. Im ersten Quartal 2026 kamen rund 90 Prozent aller weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter aus China. AGIBOT hält mit 10.000 kumulierten Einheiten einen globalen Marktanteil von 38 Prozent. Unitree Robotics strebt einen Börsengang am STAR Market an, um 4,2 Milliarden Yuan (rund 540 Millionen Euro) einzunehmen. Nach einem Umsatzwachstum von über 330 Prozent im Jahr 2025 will das Unternehmen 2026 insgesamt 20.000 Einheiten ausliefern.

Ausblick: Vom Pilotprojekt zum Standard

Die kommenden 24 Monate werden zeigen, ob der Sprung von der Pilotphase zur flächendeckenden Integration gelingt. In Europa hat die SPRIND-Agentur den „Next Frontier AI Challenge“ mit einem Fördervolumen von 125 Millionen Euro ausgeschrieben. Ziel ist der Aufbau europäischer Labore für fortschrittliche KI-Architekturen. Bewerbungsschluss ist der 1. Juni 2026.

Bereits auf der Hannover Messe 2026 wurde deutlich: Große Konzerne wie Accenture, SAP und Vodafone testen humanoide Roboter in deutschen Lagern – für Sicherheitsinspektionen und Inventur. Die Systeme werden direkt in die Unternehmenssoftware integriert und liefern Echtzeitdaten über den Lagerzustand. Sinken die Produktionskosten weiter und verbessern sich die KI-Modelle, dürften autonome Systeme in öffentlichen und industriellen Räumen bald zum Alltag gehören.

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