Robotik-Boom: Startups sichern sich Milliarden für Physical AI
05.06.2026 - 03:11:15 | boerse-global.de
Gleich mehrere Unternehmen sicherten sich in den vergangenen Tagen Finanzspritzen in Milliardenhöhe – und treiben damit die Entwicklung sogenannter „Physical AI" massiv voran.
Rekordsummen für humanoide Roboter
Vor allem US-Startups stehen im Fokus der Investoren. Apptronik stockte seine Series-A-Finanzierung um 520 Millionen Euro auf und kommt nun auf ein Gesamtkapital von über 935 Millionen Euro. Das Unternehmen testet seinen humanoiden Roboter „Apollo" bereits in Pilotprojekten bei Mercedes-Benz und dem Logistikkonzern GXO.
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Nur einen Tag später legte Generalist AI nach: 400 Millionen Euro sammelte das Startup ein, angeführt von Radical Ventures. Mit dabei: NVIDIA und die Investmentfirma von Jeff Bezos. Das Geld fließt in die Entwicklung von „Physical AGI" – künstlicher Intelligenz, die nicht nur denkt, sondern auch handelt.
Chinesische Konkurrenz drängt auf den Markt
Doch die USA sind nicht allein. Der chinesische Hersteller Spirit AI aus Hangzhou sicherte sich umgerechnet 222 Millionen Euro in einer Series-A+-Runde. Es ist bereits die vierte Finanzierungsrunde binnen drei Monaten – die Bewertung des Startups liegt inzwischen bei über 1,4 Milliarden Euro. Partner sind unter anderem Bosch, JD.com und CATL.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: China dominiert die Produktion. Rund 85 Prozent aller neuen humanoiden Roboter wurden 2025 dort installiert. Die Herstellungskosten liegen bei umgerechnet etwa 50.000 Euro pro Einheit – nur halb so viel wie bei vielen westlichen Wettbewerbern.
Deutsche Beteiligung: Merantix schließt Rekordfonds
Auch Europa mischt mit. Die deutsche VC-Firma Merantix Capital schloss ihren bislang größten Fonds über 103 Millionen Euro. Das Geld ist für junge KI-Startups in Europa bestimmt – ein klares Signal, dass der alte Kontinent nicht abgehängt werden will.
Weitere Finanzierungsrunden:
- Mecka AI (60 Millionen Euro): Training von Robotern mit Körpersensordaten – die Trainingszeit soll sich um bis zu 70 Prozent verkürzen.
- Shifters (10,2 Millionen Euro): Autonome Bodenroboter für Verteidigung und kritische Infrastruktur.
- Bluedot Robotics (Indien): Start der Massenproduktion humanoider Roboter in Bangalore zum Zielpreis von rund 5.000 Euro pro Einheit.
Prognosen: Vom Milliarden- zum Billionenmarkt
Die Finanzwelt ist optimistisch. Barclays prognostiziert, dass der Markt für humanoide Roboter von aktuell zwei bis drei Milliarden Euro auf umgerechnet 200 Milliarden Euro im Jahr 2035 wachsen könnte. Analysten von Wedbush sprechen sogar von Billionen-Potenzial innerhalb des nächsten Jahrzehnts.
Auf der Computex 2026 in Taipeh bezeichneten Top-Manager von NVIDIA, Qualcomm, ABB Robotics und NXP die Robotik als „Chance einer Generation". SoftBank-CEO Masayoshi Son erklärte, das nächste Billionen-Dollar-Unternehmen werde mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Bereich Physical AI kommen.
Technische Durchbrüche: Neue Roboter und KI-Modelle
Nicht nur das Geld fließt – auch die Technik macht Sprünge. Unitree präsentierte den H2 Plus, einen humanoiden Roboter auf Basis von NVIDIA Isaac GR00T. Mit 1,80 Metern Größe und 75 Freiheitsgraden soll er bis Ende 2026 verfügbar sein.
Forscher von NVIDIA stellten gleich drei bahnbrechende Arbeiten auf der CVPR-Konferenz vor:
- GraspGen-X: Ein KI-Modell, das Objekte ohne vorheriges Training greifen kann – trainiert auf zwei Milliarden Simulationen.
- LCDrive: Ein Modell für autonome Fahrzeuge, das den Rechenaufwand drastisch reduziert.
- NitroGen: Eine KI für Spiele und Interaktionen mit 52 Prozent besserer Leistung als bisherige Verfahren.
Neue Forschungshubs in Asien
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Die Hong Kong University of Science and Technology eröffnete gemeinsam mit CalmCar das „Physical AI Innovation Center". Schwerpunkte: Chips, Basismodelle und Sicherheit für autonomes Fahren und intelligente Fertigung.
In Singapur entstand ein von NVIDIA beschleunigtes Trainingslabor für humanoide Roboter. Ziel ist die Entwicklung von „Mensch-Roboter-Kooperationsmodellen" für den kommerziellen Einsatz.
Die Botschaft der Branche ist klar: Die Zukunft der Arbeit hat begonnen – und sie wird robotisch sein.
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