Robotik-Boom: Startups sammeln 23 Milliarden Euro in fünf Monaten
04.06.2026 - 15:39:40 | boerse-global.de
Schon in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 haben Startups aus dem Bereich mehr als 23 Milliarden Euro eingesammelt – und damit fast das gesamte Vorjahresvolumen von 26 Milliarden Euro erreicht. Auslöser des aktuellen Booms sind mehrere Milliarden-Finanzierungsrunden und die Zulassung des bislang größten Börsengangs der Branche in China.
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Unitree Robotics: Chinesischer Marktführer geht an die Börse
Am 1. Juni 2026 gab die Shanghaier Börse grünes Licht für den Börsengang von Unitree Robotics auf dem Technologie-Segment STAR Market. Der chinesische Hersteller, der zwischen 2023 und 2025 weltweit über 33.000 vierbeinige Roboter ausgeliefert hat, will umgerechnet rund 520 Millionen Euro einsammeln. Die Bewertung des Unternehmens liegt bei etwa 5,4 Milliarden Euro.
Interessant: Menschliche Roboter machen inzwischen über 51 Prozent des Unitree-Umsatzes aus. 2025 erwirtschaftete die Sparte 112 Millionen Euro – bei mehr als 5.500 ausgelieferten Einheiten. Zwar stieg der Gesamtumsatz im ersten Quartal 2026 um 68,5 Prozent, doch der Nettogewinn brach um 52,5 Prozent auf rund 5,2 Millionen Euro ein. Analysten der Barclays betonen: China dominiert die Branche mit 85 Prozent aller weltweit installierten humanoiden Roboter. Ein entscheidender Vorteil: Die Produktionskosten liegen mit umgerechnet etwa 46.000 Euro pro Einheit nur halb so hoch wie bei westlichen Herstellern.
SoftBank setzt auf europäische „Physical AI“
Der japanische Technologieinvestor SoftBank verhandelt derzeit über eine Beteiligung von 280 Millionen Euro an Agile Robots – Teil einer Finanzierungsrunde von insgesamt 745 Millionen Euro. Das Münchner Unternehmen, 2018 als Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt entstanden, wurde 2021 zum ersten deutschen Robotik-Einhorn. Mit über 3.200 Mitarbeitern erzielte Agile Robots 2024 rund 200 Millionen Euro Umsatz. Noch in diesem Jahr soll der humanoide Roboter „Agile ONE“ in Serie gehen.
Die geplante Investition reiht sich ein in SoftBanks Milliarden-Offensive: Erst im Oktober 2025 übernahm der Konzern die Robotik-Sparte von ABB für rund fünf Milliarden Euro. SoftBank-CEO Masayoshi Son ist überzeugt: Das nächste Billionen-Dollar-Unternehmen werde aus dem Bereich „Physical AI“ kommen – also Robotern, die eigenständig in der realen Welt agieren. Auch die europäische Investitionslandschaft zeigt Dynamik: Merantix Capital schloss am 4. Juni einen 103 Millionen Euro schweren Fonds für rund 40 frühe Industrie-KI- und Robotik-Startups.
Humanoide Roboter im Praxiseinsatz
Die kommerzielle Nutzung humanoider Roboter hat in den vergangenen Monaten konkrete Formen angenommen. Der Roboter „Digit“ von Agility Robotics arbeitet bereits in Lagern von Amazon, GXO und Mercado Libre. Figure AIs „Figure 02“ half kürzlich bei der Montage von über 30.000 Fahrzeugen in einem BMW-Werk in South Carolina. Erst Anfang dieser Woche bestätigte Figure AI zudem einen kommerziellen Vertrag mit Catalyst Brands, zu dem Marken wie JCPenney und Brooks Brothers gehören.
In den USA stockte Apptronik seine Serie-A-Finanzierung am 3. Juni um 484 Millionen Euro auf – insgesamt stehen nun über 870 Millionen Euro bereit. Das Unternehmen testet seinen Roboter „Apollo“ derzeit bei Mercedes-Benz. In Indien kündigte ein Konsortium um Crew Robotics und Astha Robotics am 4. Juni eine Finanzierungsrunde von 46,5 Millionen Euro an. Die indischen Startups wollen Modelle produzieren, die 30 Prozent günstiger sind als die globale Konkurrenz – mit einer Amortisationszeit von nur zwei Jahren für Fabrikbetreiber.
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Neue Anlagevehikel und optimistische Prognosen
Das institutionelle Interesse an der Branche schafft neue Finanzprodukte. Der KraneShares Global Humanoid Robotics and Physical AI Index ETF (KOID) – der erste seiner Art in den USA – verzeichnete in diesem Jahr bereits Zuflüsse von 83 Millionen Euro. Das verwaltete Vermögen liegt bei 224 Millionen Euro. Im Privatsektor hat Mechanism-Capital-Gründer Andrew Kang auf „RoboStrategy“ gesetzt – eine Firma, die kürzlich eine Kreditlinie von 1,86 Milliarden Euro für Investitionen in Robotik-Aktien und Physical-AI-Entwickler erhielt.
Die langfristigen Marktprognosen wurden kräftig nach oben korrigiert. Goldman Sachs rechnet für 2035 nun mit einem Marktvolumen von 35 Milliarden Euro für humanoid Roboter – das Sechsfache der bisherigen Schätzung. Barclays geht noch weiter: von aktuell zwei bis drei Milliarden Euro auf 186 Milliarden Euro bis 2035. Morgan Stanley wagt sogar den Blick bis 2050: Dann könnte der Gesamtmarkt fünf Billionen Euro erreichen. Die erste Welle der Robotik-Adoption erwarten die Analysten bis 2030 in Fertigung und Logistik – die zweite Welle in Dienstleistung und Gesundheitswesen.
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