Robotik-Boom, Rheinmetall

Robotik-Boom: Rheinmetall investiert 500–600 Mio. Euro in Kroatien

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 07:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Rheinmetall investiert bis zu 600 Mio. Euro in kroatische Robotik. Neura Robotics sammelt 1,4 Mrd. USD ein. Europa rüstet massiv auf autonome Systeme um.

Rheinmetall und DOK-ING: Milliarden-Joint-Venture für unbemannte Fahrzeuge
Modernes unbemanntes Bodenfahrzeug mit europäischen Verteidigungsmarkierungen in einer Hightech-Fertigungshalle, im Hintergrund Roboterarme. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rheinmetall und DOK-ING gründen Joint Venture für unbemannte Fahrzeuge – Milliarden-Finanzierungsrunden treiben die Robotik-Industrie an.

Die europäische Verteidigungs- und Robotikbranche erlebt einen beispiellosen Kapitalzufluss. Gleich mehrere Großprojekte und Rekordfinanzierungen am vergangenen Wochenende zeigen: Der Kontinent rüstet massiv auf autonome Technologien um.

Rheinmetall geht mit Kroaten in die Offensive

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und die kroatische Firma DOK-ING haben am Samstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens bekanntgegeben. Die neue Firma Rheinmetall Unmanned Vehicles soll unbemannte Bodenfahrzeuge für den europäischen Verteidigungsmarkt entwickeln. Rheinmetall hält 51 Prozent der Anteile – eine Übernahme, die bereits Anfang des Jahres eingeleitet wurde.

Die Pläne sind ambitioniert: Rheinmetall kündigte Investitionen zwischen 500 und 600 Millionen Euro in Kroatien für die nächsten fünf Jahre an. Rund 1.000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Das passt in ein größeres Bild: Erst am Vortag hatte der Panzerbauer KNDS einen Rahmenvertrag mit Exail über die Lieferung von K-Ster-Minenräumsprengköpfen unterzeichnet. KNDS erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro – ein geplanter Börsengang verzögert sich jedoch wegen unterschiedlicher Bewertungsvorstellungen.

Rekordsummen für Robotik-Startups

Die Investitionswelle in europäische Robotik-Startups erreicht im Sommer 2026 neue Höhen. Allen voran das Münchner Unternehmen Quantum Systems: Am 2. Juli sicherte es sich in einer Series-D-Runde 1,2 Milliarden US-Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro). Die Runde wurde von Blackstone, Airbus und Advent angeführt. Das Unternehmen, das 2025 einen Gewinn erzielte und 300 Millionen Euro Umsatz verbuchte, eröffnet nun ein neues Büro im estnischen Tallinn – nach der Übernahme der Analyse-Softwarefirma SensusQ.

Noch größer ist der Deal im Bereich humanoider Roboter: Neura Robotics sammelt in einer Series-C-Runde unter Führung von Tether bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) ein. Die im Juni angekündigte Transaktion gehört zu den größten privaten Investitionen der Branche überhaupt.

Doch die Mittel konzentrieren sich stark: Laut Branchendaten entfielen im ersten Halbjahr 2026 48 Prozent aller Investitionen auf die fünf größten Finanzierungsrunden.

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Auch kleinere Firmen profitieren. Die schwedische Cognibotics, ein Spin-off der Universität Lund, erhielt am 10. Juli 6,5 Millionen Euro aus dem EIC Accelerator. Das Geld fließt in die Industrialisierung des HKM1800-Roboters, der für Hochgeschwindigkeits-Logistikaufgaben entwickelt wurde.

Regierungen treiben Entwicklung voran

Europäische Regierungen setzen zunehmend auf günstige und autonome Verteidigungslösungen. Das britische Verteidigungsministerium vergab am Samstag 3,16 Millionen Pfund (rund 3,7 Millionen Euro) an drei kleine und mittlere Unternehmen für die Entwicklung kostengünstiger Drohnen-Abfangjäger. Großbritannien ist das erste von fünf Partnerländern – darunter Deutschland und Frankreich –, das Aufträge in diesem Kooperationsprogramm vergibt.

Am selben Tag bestätigte Deutschland die Finanzierung von 50.000 Shrike-FPV-Drohnen für die Ukraine im Wert von rund 90 Millionen Euro. Das passt zu einem allgemeinen Trend: Thales hat angekündigt, die Investitionen 2026 auf bis zu 850 Millionen Euro zu erhöhen, um die Produktion von Munition und Radarsystemen zu vervierfachen.

Ukraine als Testlabor für autonome Systeme

Die Ukraine bleibt der zentrale Erprobungsort für diese Technologien. Das Verteidigungscluster Brave1 eröffnete am Samstag ein spezielles Förderprogramm für Kampf-Humanoide – das erste staatliche Programm weltweit, das Humanoide als eigenständige Verteidigungskategorie behandelt.

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Aktuell dominieren noch Ketten- und Radfahrzeuge das Schlachtfeld: 1.028 Bodenfahrzeuge wurden bis Mitte 2026 an die ukrainischen Streitkräfte ausgeliefert. Doch Quantum Systems treibt die Tests voran: Im Rahmen eines neuen Millionenvertrags, unterzeichnet in Kiew, werden autonome Daimler Truck Zetros und MANDRILL-Bodenfahrzeuge unter Frontbedingungen getestet.

Auch Südeuropa rüstet auf: Griechenland startete am Freitag drei Förderprogramme im Gesamtvolumen von 220 Millionen Euro. Davon sind 80 Millionen Euro speziell für kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Robotik, Drohnen und Dual-Use-Technologien reserviert.

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