Robotik-Boom, Humanoide

Robotik-Boom: 13.000 Humanoide 2025, doch Nachfrage bleibt schwach

08.06.2026 - 22:48:18 | boerse-global.de

Trotz Rekordproduktion humanoider Roboter bleibt die Nachfrage verhalten. Experten warnen vor Überkapazitäten und einer möglichen Blase.

Humanoid Robot Forum: Boom bei Kapazitäten, Flaute bei Nachfrage
Robotik-Boom - A humanoid robot in a factory, illustrating the challenges of widespread adoption despite production growth. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Robotik-Branche Ende Juni zum Humanoid Robot Forum auf der Automate 2026 in Chicago zusammenkommt, zeichnet sich ein deutliches Missverhältnis ab: Die Fertigungskapazitäten wachsen rasant – doch die Nachfrage hinkt hinterher.

Produktionsrekorde bei schwachem Absatz

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2025 wurden weltweit mehr als 13.000 humanoide Roboter ausgeliefert. Rund 85 Prozent davon stammen aus chinesischer Produktion. Allen voran die Unternehmen AGIBOT und Unitree, die jeweils über 5.000 Einheiten verschifften. Zum Vergleich: US-Konkurrenten wie Tesla oder Figure AI meldeten lediglich Lieferungen im niedrigen dreistelligen Bereich.

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Doch der Schein trügt. Analysten warnen: Die Nachfrage kann mit dem Produktionsboom nicht Schritt halten. Zwar schätzt Morgan Stanley das langfristige Marktpotenzial bis 2050 auf umgerechnet rund 4,6 Billionen Euro. Aktuell werden die Roboter jedoch überwiegend von staatlichen Unternehmen oder in internen Pilotprojekten eingesetzt. In China, wo über 140 Hersteller mehr als 330 Modelle auf den Markt gebracht haben, warnt die Regierung bereits vor einer möglichen Bubble. Unitree erzielte 2025 zwar einen Gewinn von umgerechnet rund 38 Millionen Euro – doch die allgemeine Zurückhaltung der Abnehmer bleibt spürbar.

Industrie testet – doch die Technik bremst

Große Industriekonzerne wie Airbus, BMW, Schaeffler und Siemens haben Pilotprojekte gestartet, um humanoide Roboter in der Fertigung zu testen. Der chinesische Autobauer BYD bestätigte ein vierjähriges internes Programm mit dem Codenamen „Yao-Shun-Yu". Bis Ende 2026 sollen 20.000 Einheiten in den eigenen Werken eingesetzt werden. Gleichzeitig entsteht in Xi'an ein neuer Industriepark mit einer geplanten Jahreskapazität von 50.000 Robotern.

Auch in Vietnam treibt die Vingroup die Entwicklung voran. Auf der ICRA 2026 in Wien präsentierte das Unternehmen Anfang Juni den Service-Roboter „Dyno" und den Industrie-Humanoiden „VR-H3".

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Doch der breite Einsatz stockt. Die aktuellen Modelle wiegen zwischen 70 und 90 Kilogramm – ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Zusammenarbeit mit Menschen. Hinzu kommen kurze Akkulaufzeiten und hohe Komponentenkosten. Ein Modell wie der MATRIX-3 kostet umgerechnet rund 92.000 Euro. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten auf hochspezifische Umgebungen ein.

Haushaltsroboter: Noch Lichtjahre entfernt

Noch schwieriger gestaltet sich der Sprung von der Fabrikhalle ins heimische Wohnzimmer. In Wuhan startete GigaAI einen Test mit 100 „SeeLight S1"-Humanoiden, die Frühstück zubereiten und Wäsche falten sollen. Die Roboter lernen Aufgaben zwar in weniger als einem Monat – doch das Tempo bleibt ernüchternd. Das Sortieren von Büchern dauert mehrere Minuten, das Falten eines einzigen Kleidungsstücks kann über zehn Minuten in Anspruch nehmen.

Ein ähnlicher Versuch in Shenzhen mit dem Quanta X1 Pro zeigte: Zwar können die Maschinen Möbel umstellen oder Kleidung falten. Für eine vollständige Reinigung des Haushalts ist jedoch oft menschliche Hilfe nötig. Branchenberater gehen davon aus, dass zuverlässige Haushaltshelfer frühestens in einem Jahrzehnt Realität werden. Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf „Embodied AI" – künstliche Intelligenz, die Navigation und Aufgabenausführung verbessern soll. Ein überarbeitetes Modell des SeeLight S2 mit kleinerem Gehäuse und besserer Akkulaufzeit wird für Ende 2026 erwartet.

Strengere Regeln für den Einsatz humanoider Roboter

Mit der wachsenden Verbreitung ziehen die Regulierungsbehörden nach. Indien veröffentlichte kürzlich nationale Sicherheitsrichtlinien: Humanoide Roboter mit einem Autonomiegrad über Stufe drei benötigen eine Pflichtzertifizierung. Hersteller müssen detaillierte Risikoberichte vorlegen und haften für Software- und Hardwarefehler.

In Europa stuft der EU AI Act humanoide Roboter als Hochrisikosysteme ein. Ein öffentliches Register für schwere Vorfälle mit diesen Maschinen soll 2027 in Betrieb gehen. Diese regulatorischen Hürden – kombiniert mit den hohen Einstiegspreisen – werden das Tempo der Marktdurchdringung maßgeblich bestimmen. Lag der Durchschnittspreis eines humanoiden Roboters 2025 noch bei umgerechnet rund 42.000 Euro, erwarten Analysten einen Rückgang auf etwa 19.500 Euro bis 2050 – sobald die Massenproduktion anläuft und die Hardwarekosten weiter sinken.

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