Roboterflügel, Southampton

Roboterflügel aus Southampton: 87 Prozent weniger unerwünschter Auftrieb

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsteams testen kollisionsvermeidende Drohnen, adaptive Roboterflügel und autonome Systeme für maritime Überwachung und Industrieanlagen.

Autonome Roboter: Neue Systeme für Luft, Wasser und Gefahrenzonen
Eine weitläufige, zerklüftete Felslandschaft mit einem tief gelegenen Flussbecken unter natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Autonome Robotersysteme erschließen zunehmend anspruchsvolle Einsatzfelder in Luft, Wasser und auf schwierigem Terrain. Aktuelle Forschungsarbeiten und Praxistests verdeutlichen, wie die Kombination aus künstlicher Intelligenz, bio-inspirierten Konstruktionen und robuster Aktorik den Weg für Einsätze bei der Gefahrgutinspektion, im Katastrophenschutz und in der maritimen Überwachung ebnet.

Bio-inspirierte Konstruktionen und präzise Flugkorridore

In der Luftfahrtautonomie setzen Forschungsteams verstärkt auf adaptive Steuerungen und mechanische Vorbilder aus der Natur. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte ein Team um Erstautor Kota Kondo das System SANDO, dessen Ergebnisse im Fachjournal IEEE Transactions on Robotics dargelegt wurden.

Das System berechnet Flugkorridore anhand potenzieller künftiger Hindernisbewegungen und liefert eine mathematische Garantie zur Kollisionsvermeidung, solange eine angenommene Geschwindigkeits-Obergrenze nicht überschritten wird.

Neben Simulationserfolgen bewährte sich der Ansatz in zwölf realen Drohnenflügen ohne Zwischenfälle. Künftige Entwicklungsschritte zielen auf eine Verringerung der Rechenlast, die Koordination mehrerer Drohnen sowie Schnittstellen zu sprachgesteuerten Modellen ab.

Einen anderen physikalischen Ansatz verfolgt die Singapore University of Technology and Design (SUTD) mit dem Prototyp ALBATROSS. Das 1,107 Kilogramm schwere System, über das im Fachjournal Science Robotics berichtet wurde, verzichtet auf Flugmotoren sowie Landegestelle und steuert Manöver über lediglich drei Aktuatoren und drei Hauptsensoren.

Bei Tests wurde das Gerät aus 150 Metern Höhe von einer Trägerdrohne abgeworfen, ging nach rund 3 Sekunden in eine Ahornsamen-ähnliche Autorotation über und sank mit etwa 7,4 Metern pro Sekunde ab. Gegenüber einem Direktabwurf verringerte sich die Aufprallenergie um das 18,5-Fache, bevor sich das System in unter einer Sekunde aufrichtete.

Bei Tests auf einem Wasserreservoir nahe Singapur erreichte das Gerät unter Windkraft Geschwindigkeiten von bis zu 0,82 Metern pro Sekunde (rund 3 km/h). Nach einer dreistündigen autonomen Fahrt mit einem durchschnittlichen Energiebedarf von etwa 4 Watt verblieb die Hälfte der Hauptbatterie. Die Entwickler beziffern die Einsatzreichweite auf über 100 Kilometer.

Adaptive Mechanik und maritime Überwachung

Auch für Unterwasser- und Überwasseranwendungen gewinnen flexible Strukturen an Bedeutung. An der University of Southampton entwickelte ein Team um Erstautor Leo Micklem Roboterflügel mit sensorischer Eigenwahrnehmung.

Anzeige

Wer sich mit dem technologischen Fortschritt in der Industrie befasst, erkennt schnell das enorme Potenzial von Robotik und KI. Dieser kostenlose Report liefert konkrete Einblicke in jene Unternehmen, die von den Milliarden-Investitionen in diese Zukunftstechnologien am stärksten profitieren. Robotik- und KI-Profiteure jetzt entdecken

Wie eine Publikation im Fachjournal npj Robotics beschreibt, nutzt das System eine flexible Außenhaut mit flüssigmetallhaltigen Silikondrähten sowie hydraulische Röhren zur Anpassung von Wölbung und Steifigkeit.

In Versuchen reduzierte der Flügel unerwünschte Auftriebsimpulse im Vergleich zu starren Konstruktionen um 87 Prozent, reagierte bis zu viermal schneller und verbrauchte fünfmal weniger Energie als herkömmliche formverändernde Systeme.

Prof. Blair Thornton hob hervor, dass die Verbindung von kontinuierlicher Sensorik und adaptiven Reaktionen zentrale Vorteile biete, wenngleich die Integration in bestehende Unterwasserfahrzeuge noch aussteht.

Auf operativer Ebene lieferte das indische Unternehmen EyeROV am 7. Oktober 2026 zwei fernbediente Unterwasserfahrzeuge des Typs TROUT an die indische Marine aus.

Anzeige

Der technologische Umbruch betrifft nicht nur die Forschung, sondern verändert ganze Branchen und industrielle Strukturen grundlegend. Erfahren Sie in diesem aktuellen Report, welche Unternehmen die industrielle Revolution 2026 wirklich vorantreiben und wer hinter den Kulissen die Fäden zieht. Kostenlosen Report zur Industrie-Revolution herunterladen

Die Einheiten sind Teil einer Fünf-Systeme-Bestellung und für Tiefen von über 100 Metern (Standardbereich 100 bis 150 Meter) ausgelegt. Sie verfügen über Mikro-Schubvektorierung, Faseroptik-Telemetrie mit Latenzen unter 5 Millisekunden sowie Multibeam-Sonar. Laut Hersteller liegen die Kapitalkosten 40 bis 60 Prozent unter denen von Importgeräten.

Zeitgleich stellte das Unternehmen Exail mit Neptis ein autonomes marines Überwachungssystem vor, das auf der Oryx-Überwasserplattform basiert. Sébastien Grall von Exail betonte, dass autonome Systeme die operative Lage in der maritimen Überwachung grundlegend verändern.

Vierbeiner für Industrieanlagen und Gefahrenzonen

An Land rücken vierbeinige Plattformen für unwegsames Gelände in den Fokus. In Taiwan entwickelt das Forschungsinstitut ITRI im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Laufroboter für Brandstellen und Tunnel. Mittels Supercomputing und Omniverse-Simulationen erlernten die Systeme Fähigkeiten wie Treppensteigen und Balancieren innerhalb von drei Tagen, gestützt auf taktile und visuelle Daten.

Dass ähnliche Systeme bereits industriell erprobt werden, zeigte der Energiekonzern Petronas: Auf der Offshore-Plattform Dulang B, rund 170 Kilometer vor der malaysischen Küste, absolvierte der vierbeinige Roboter ANYmal C mehrwöchige Praxistests unter anspruchsvollen Witterungsbedingungen, um künftig Personaleinsätze in explosionsgefährdeten Bereichen zu reduzieren.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70294924 |