Roboter-Logistik, Pakete

Roboter-Logistik: 250.000 Pakete ohne Ausfallzeiten in 200 Stunden

27.05.2026 - 07:10:32 | boerse-global.de

Figure AI und Catalyst Brands starten ersten großflächigen Einsatz humanoider Roboter in der US-Einzelhandelslogistik.

Roboter-Logistik: 250.000 Pakete ohne Ausfallzeiten in 200 Stunden - Foto: über boerse-global.de
Roboter-Logistik: 250.000 Pakete ohne Ausfallzeiten in 200 Stunden - Foto: über boerse-global.de

Erstmals kommen humanoide Roboter in großem Stil in der US-Einzelhandelslogistik zum Einsatz.

Der Technologiekonzern Figure AI und der Einzelhandelsriese Catalyst Brands haben am Montag eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben. Ziel ist der Einsatz humanoider Roboter in der Logistik – ein Schritt, der die Automatisierung des Einzelhandels grundlegend verändern könnte. Die Maschinen sollen zunächst in einem großen Distributionszentrum in Reno, Nevada, zum Einsatz kommen und dort Waren für bekannte Marken wie JCPenney, Aéropostale, Brooks Brothers, Eddie Bauer, Lucky Brand und Nautica sortieren und verpacken.

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Ein Meilenstein für die Branche

Die Vereinbarung ist die erste kommerzielle Nutzung der Figure-Technologie im Portfolio von Brookfield, einer der größten Investmentfirmen der Welt. Brookfield hält 50 Prozent an Catalyst Brands, das mit rund 9 Milliarden Euro Jahresumsatz und 60.000 Mitarbeitern in 1.800 Filialen zu den Schwergewichten des US-Einzelhandels zählt.

Die Roboter sollen gezielt körperlich anstrengende und monotone Aufgaben übernehmen. „Wir wollen unsere Mitarbeiter entlasten, nicht ersetzen", betont Marc Rosen, CEO von Catalyst Brands. Die Automatisierung ziele darauf ab, die Belegschaft zu stärken, indem sie sich auf wertschöpfendere Tätigkeiten konzentrieren könne.

Roboter bestehen Härtetest

Der kommerziellen Vereinbarung gingen beeindruckende technische Tests voraus. Am 22. Mai 2026 beendete Figure AI einen 200-stündigen Dauer-Livestream mit seinen Figure-03-Modellen. Drei Roboter – von Zuschauern liebevoll „Bob", „Jim" und „Rose" getauft – verarbeiteten dabei rund 250.000 Pakete ohne einen einzigen Hardwareausfall.

Die Maschinen sortierten im Schnitt 1.248 Pakete pro Stunde – und kamen damit der menschlichen Leistung von 1.292 Paketen pro Stunde bemerkenswert nahe. Über einen Zeitraum von zehn Stunden sortierten die Roboter 12.732 Pakete, der menschliche Benchmark lag bei 12.924.

Angetrieben werden die Roboter vom KI-System Helix-02, das ihnen erlaubt, komplexe Umgebungen eigenständig zu navigieren und Objekte unterschiedlicher Größe zu handhaben.

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Wirtschaftlichkeit als Trumpf

Der Figure 03 ist mit 173 Zentimetern Größe und 61 Kilogramm Gewicht bewusst menschenähnlich gestaltet. Das erlaubt den Einsatz in bestehenden Lagerhallen ohne kostspielige Umbauten. „Der humanoide Formfaktor ermöglicht es den Maschinen, in der vorhandenen Infrastruktur zu arbeiten", erklärt Brett Adcock, CEO von Figure AI.

Der Preis pro Einheit liegt bei umgerechnet rund 22.000 Euro – ein Niveau, das für Großabnehmer wie Catalyst Brands eine schnelle Amortisation verspricht. Angesichts hoher Fluktuation in der Lagerlogistik könnte sich die Investition bereits nach wenigen Jahren rechnen.

Kapital für die Expansion

Die Entwicklung des Figure 03 wurde durch massive Finanzspritzen ermöglicht. 2024 sammelte Figure AI 675 Millionen Euro in einer Series-B-Runde ein, mit namhaften Investoren wie OpenAI, Microsoft, Nvidia und Jeff Bezos. Die jüngste Series-C-Runde bewertete das Unternehmen mit rund 39 Milliarden Euro – genug, um Großaufträge wie den mit Catalyst Brands zu stemmen.

Wettlauf um die Lagerhallen

Der Markt für humanoide Robotik im Einzelhandel wird zunehmend zum Schlachtfeld der Technologiegiganten. Tesla treibt die Entwicklung seines Optimus-Roboters voran, Boston Dynamics (Hyundai) zeigt mit Atlas beeindruckende Kraftleistungen. Auch Agility Robotics und Apptronik buhlen um Logistikaufträge.

Ob Figure AI sich durchsetzen kann, hängt nun von der Praxisbewährung ab. „Der Erfolg wird davon abhängen, ob die Roboter ihre Zuverlässigkeit auch im wilden Umfeld eines echten Distributionszentrums beweisen", so Branchenbeobachter.

Ausblick: Vom Pilotprojekt zum Standard

Sollte die erste Phase in Reno die Erwartungen erfüllen, könnte die Expansion auf weitere Catalyst-Standorte schnell folgen. Die gesammelten Daten würden dann in die Weiterentwicklung der Helix-02-KI einfließen – und die Fähigkeiten der Roboter über das reine Sortieren und Verpacken hinaus erweitern.

Für die deutsche Industrie ist die Entwicklung doppelt relevant: Zum einen als Blaupause für mögliche Anwendungen bei Logistikriesen wie DHL oder DB Schenker, zum anderen als Wettbewerbsimpuls für heimische Robotik-Unternehmen. Der Markt für humanoide Arbeitskräfte in der Logistik hat gerade erst begonnen, sich zu öffnen.

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