Roboter-Industrie vor Massenproduktion: Tesla und Figure AI treiben den Wandel
23.05.2026 - 14:17:16 | boerse-global.de
Die globale Robotik-Branche erlebt einen historischen Wendepunkt – weg vom Prototyp, hin zur Serienfertigung.
Am heutigen Samstag markiert die Vorstellung des Figure 03 den vorläufigen Höhepunkt einer Woche, die die Branche grundlegend verändert. Tesla hatte bereits am Donnerstag die Produktion seiner letzten Model S und Model X eingestellt, um die Fertigung auf den humanoider Roboter Optimus umzurüsten. Parallel dazu sammelte das KI-Startup Hark, gegründet vom Figure-AI-Schöpfer Brett Adcock, beeindruckende 700 Millionen Euro in einer Series-A-Finanzierungsrunde ein.
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Tesla verabschiedet sich von der Ära Model S und X
Am 21. Mai lieferte Tesla die letzten 250 Signature-Edition-Modelle des Model S und Model X im Werk Fremont aus. Nach 14 Jahren Produktion räumt der Elektroautopionier die Bänder, um Platz für die Massenfertigung des Optimus-Roboters und des neuen Cybercab zu schaffen. Der Hochlauf ist für Juli und August 2026 geplant.
Ein am selben Tag veröffentlichtes Video zeigt Fortschritte: Der Optimus kann inzwischen ungesteuerte Wasserflaschen-Übergaben an Menschen durchführen. Die dritte Hardware-Generation verfügt über Hände mit 22 Freiheitsgraden und 50 Aktuatoren. Branchenbeobachter merken jedoch an, dass der Roboter in aktiven Fabrikumgebungen noch nicht wirklich „nützliche Arbeit" verrichtet.
Figure AI liefert den Beweis der Ausdauer
Während Tesla die Fabriken umbaut, demonstriert Figure AI die Ausdauer seiner Hardware auf beeindruckende Weise. Seit Mitte Mai sortieren die Roboter mit den internen Namen Jim, Bob und Frank autonom Pakete im Hauptquartier in San Jose. Bis zum 22. Mai hatten sie über 200 Stunden ununterbrochen im Einsatz verbracht und mehr als 250.000 Pakete fehlerfrei verarbeitet.
Am heutigen Samstag enthüllte das Unternehmen offiziell den Figure 03. Das Modell kommt mit einem flexiblen Stoffbezug, einer waschbaren Hülle und integrierten Kameras in jeder Handfläche. Die Fingerspitzen können bereits einen Druck von drei Gramm wahrnehmen – angetrieben vom hauseigenen Helix-KI-System. Für die Produktion hat Figure die BotQ-Fabrik errichtet, die zunächst 12.000 Einheiten pro Jahr fertigen soll. In vier Jahren will das Unternehmen auf 100.000 Einheiten hochfahren.
Hark: 700 Millionen für die nächste KI-Generation
Die Finanzierungswelle hinter diesen Technologien zeigt sich besonders deutlich bei Hark. Brett Adcock, der Gründer von Figure AI, hatte das Unternehmen Ende 2025 mit 100 Millionen Euro Eigenkapital gestartet. Nun kündigte Hark am 21. Mai eine Series-A-Runde über 700 Millionen Euro an. Die Bewertung liegt bei sechs Milliarden Euro.
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Angeführt wurde die Runde von Parkway Venture Capital, beteiligt sind auch Nvidia, AMD Ventures und Salesforce Ventures. Hark arbeitet an personalisierten KI-Systemen und spezialisierter Hardware. Das Unternehmen hat kürzlich Designer von führenden Konsumelektronik-Herstellern abgeworben, um die Designabteilung zu leiten.
China baut seine Position aus
Die Kommerzialisierung beschränkt sich längst nicht mehr auf das Silicon Valley. In China eröffnete Zhiyuan Robotics am 22. Mai ein großes Fertigungswerk im Bezirk Pidu von Chengdu. Die Anlage wird zum Hauptproduktionsstandort für das Modell Expedition A3 – ein 1,73 Meter großer Roboter mit 55 Kilogramm Gewicht. Das Werk soll jährlich mehrere tausend Einheiten für Industrie, Einzelhandel und Haushalte produzieren.
Branchenanalysten von Dongwu Securities vergleichen die aktuelle Phase der humanoiden Robotik mit der Elektroauto-Industrie im Jahr 2014. Sie prognostizieren einen zehnjährigen Wachstumszyklus.
Indien bringt günstige Alternative auf den Markt
Am heutigen Samstag startete das indische Startup Saheli Robotics die Vorbestellungen für seinen humanoiden Roboter „Saheli-1". Mit einem Preis von umgerechnet rund 17.000 Euro soll das Modell etwa 40 Prozent günstiger sein als internationale Konkurrenzprodukte. Der Saheli-1 bietet 26 Freiheitsgrade, eine Akkulaufzeit von acht Stunden und eine eigene KI namens Arya, die Hindi und Englisch unterstützt. Das Unternehmen plant Servicenetze in Pune und Hyderabad.
Europa setzt auf Partnerschaften
In Europa treiben spezialisierte Partnerschaften die industrielle Skalierung voran. Das britische Startup Humanoid hat kürzlich Vereinbarungen mit großen deutschen Industrieunternehmen abgeschlossen. Ein Pilotprojekt bei Bosch in Bühl zeigte, dass der Roboter HMND 01 autonom Kartons transportieren kann. Daraus entstand eine Kooperation für Produktionsskalierung und Lieferkettenunterstützung in Europa.
Zudem sicherte sich Humanoid einen mehrjährigen Vertrag mit Schaeffler. Bis 2032 sollen mehrere tausend radgetriebene Einheiten im Schaeffler-Netzwerk eingesetzt werden. Im Gegenzug liefert Schaeffler mehr als 50 Prozent der Gelenkaktuatoren für die Roboterplattformen bis 2031.
Marktprognosen und technische Entwicklung
Laut IDC wird der globale Markt für intelligente Roboterhardware 2026 rund 30 Milliarden Euro erreichen. Allein der chinesische Markt soll mehr als elf Milliarden Euro ausmachen. Die Anwendungen reichen von schwerer Industriearbeit bis zu Haushaltsaufgaben.
In Griechenland stellte Axl Imperial mit „MARK One" den ersten industriellen humanoiden Roboter des Landes vor. Er ist für Palettierung und Qualitätskontrolle ausgelegt und soll im Sommer 2026 in der KAFEA-TERRA-Kaffeefabrik in Betrieb gehen. Auf der Verbraucherseite hat GigaBrain das Haushaltsmodell Shiguang S1 vorgestellt. Der in Wuhan enthüllte Roboter kann kochen, Kleidung falten und bei der Altenpflege helfen.
Technische Hürden bleiben bestehen
Trotz der rasanten Fortschritte bleiben technische Herausforderungen. Figure AIs Livestream zeigte Roboter, die Pakete fast in menschlicher Geschwindigkeit sortierten – 2,83 Sekunden pro Paket gegenüber 2,79 Sekunden bei einem menschlichen Arbeiter. Dennoch bleiben Forscher vorsichtig. Experten des Massachusetts Institute of Technology weisen darauf hin, dass vielen aktuellen Modellen noch die hochentwickelten taktilen Sensoren für komplexe Manipulationen fehlen.
Die Unternehmen versuchen, diese Hürden durch vielfältige Trainingsmethoden zu überwinden. Die Plattform Instawork begann im Mai 2026, Mitarbeiter zu bezahlen, die Videos von Haushaltsaufgaben aufnehmen. So entsteht ein riesiger Datensatz für das Training von Robotern wie dem Tesla Optimus und 1X‘ Novo.
Ausblick: Vom Labor in den Alltag
Mit dem Hochlauf der Massenproduktion in der zweiten Jahreshälfte 2026 bewegt sich die Branche auf ein serviceorientiertes Geschäftsmodell zu. Viele Hersteller testen „Robot-as-a-Service"-Modelle (RaaS), die Flottenmanagement, Wartung und Support für Unternehmenskunden umfassen.
Der Shanghai Humanoid Robot Innovation Incubator plant, in der zweiten Jahreshälfte 2026 ein Büro in Singapur zu eröffnen. Ziel ist es, chinesische Hersteller mit südostasiatischen Anwendungen im Gesundheitswesen und Bildungsbereich zu verbinden.
In der Open-Source-Community versuchen Projekte wie Hugging Faces LeRobot, die Technologie zu demokratisieren. Sie veröffentlichen 3D-druckbare humanoide Designs für rund 2.500 Euro. Während sich das Projekt derzeit auf die Fortbewegung des Unterkörpers konzentriert, strebt es ein reproduzierbares Ökosystem für Forscher und Hobbyisten an.
Während etablierte Automobilgiganten wie die Hyundai Motor Group den Einsatz von tausenden Industrierobotern bis 2028 planen, werden die nächsten zwei Jahre zeigen, welche Plattformen den Sprung vom kontrollierten Laborerfolg zu zuverlässigen Alltagswerkzeugen in Fabriken und Haushalten schaffen.
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