Roboter in der Fertigung: Leju und Zhaofeng melden 98 Prozent Erfolgsquote
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deAktuelle Branchenberichte verzeichnen einen deutlichen Strategiewechsel bei Roboterherstellern: Unternehmen bewegen sich weg von unterhaltungsorientierten Demonstrationen hin zu wettbewerbsfähigen, flottenfähigen Lösungen für die industrielle Infrastruktur.
Während auf Messen wie der World Robot Conference in Peking im August noch Show-Einlagen wie ein Roboter-Kampf von ENGINEAI oder ein Sprungroboter von Unitree zu sehen waren, verlagert sich der Schwerpunkt im Sektor zunehmend auf den realen industriellen Dauereinsatz.
Realeinsatz in der industriellen Fertigung
In der Automobil- und Zulieferindustrie laufen bereits großangelegte Pilot- und Serienprojekte. Seit dem 15. Oktober 2026 setzen Leju Robotics und Zhaofeng 15 humanoide Systeme an 15 Beladestationen einer Teilelinie in Hangzhou ein. Laut Unternehmensangaben bearbeiten die Einheiten über zehn Komponententypen mit Innendurchmessern von 80 bis 120 Millimetern bei einer Erfolgsquote von 98 Prozent.
Der Arbeitszyklus liegt bei unter 40 Sekunden, verglichen mit rund 15 Sekunden bei einer Fachkraft. Nach Zhaofeng-Angaben lief das System über zwei Monate ohne Ausfall über rund 1.000 Betriebsstunden und fertigte mehr als 60.000 Teile, wobei die Daten in das OpenLET-Projekt der OpenAtom Foundation fließen.
Wer die aktuelle Entwicklung in der Robotik und den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion verfolgt, sollte die wirtschaftlichen Folgen für den Aktienmarkt kennen. Dieser kostenlose Report beleuchtet die Unternehmen, die von den massiven Investitionen in die nächste industrielle Revolution profitieren könnten. Robotik und KI: Profiteure der neuen Industrieära entdecken
Auch in westlichen Werken verdichten sich die Einsätze. Im Siemens-Werk Erlangen bewegt ein humanoider Radroboter namens HMND 01 Alpha etwa 60 Behälter pro Stunde über mehr als acht Stunden Laufzeit mit über 90 Prozent Erfolg.
Figure AI schloss einen zehnmonatigen Testlauf bei BMW im US-Werk Spartanburg ab, während Hexagon AEON im BMW-Werk Leipzig geprüft wird. Agility Robotics betreibt das Modell Digit bei GXO Logistics in Georgia unter einem mehrjährigen Dienstleistungsvertrag.
Hyundai und Boston Dynamics peilen für das Modell Atlas langfristig 25.000 Einheiten im globalen Werksnetz an und testen derzeit unter anderem bei BMW, Toyota und GXO Logistics. Das britische Unternehmen Humanoid vereinbarte einen gestaffelten Einsatz mit Schaeffler in deutschen Werken vor Ende 2026.
Logistiklösungen und Komponentenfertigung
Spezialisierte Automationskonzerne passen parallel ihre Infrastruktur an. ABB Robotics stellte am 15. Oktober 2026 eine bildbasierte Lösung namens Fashion Inductor für die Modelogistik vor, die laut Hersteller den Inbetriebnahmeaufwand um bis zu 75 Prozent verringert, bis zu 1.300 Artikel pro Stunde und Zelle handhabt und eine Genauigkeit von über 99,5 Prozent bietet.
Hesai brachte am 14. Oktober 2026 seine Kosmo-Plattform auf den Markt, bestehend aus der Kamera Kosmo One und einer Cloud-Einheit, für die bereits Aufträge von Galbot vorliegen.
Der technologische Umbruch in der Industrie wird durch Milliarden-Investitionen in Robotik und KI massiv beschleunigt. Erfahren Sie in dieser Analyse, welche Firmen die industrielle Revolution 2026 wirklich vorantreiben und wie sich der Markt dadurch verändert. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen
In der Zulieferkette baut LinkerBot seine Produktion aus: Das Unternehmen deckt laut Branchenanalysen über 80 Prozent der weltweit installierten Roboterhände ab und plant eine verdopplung der Monatskapazität auf 10.000 Einheiten. Dennoch mahnen Marktbeobachter zur Vorsicht.
Alex Zhou von LinkerBot verwies darauf, dass von den rund 20.000 weltweit im Vorjahr installierten Humanoiden nur wenige Tausend dauerhaft im Einsatz stünden. Zudem prognostiziert das Marktforschungsinstitut Gartner, dass bis 2028 weniger als 100 Unternehmen über die Pilotphase hinauskommen und unter 20 Firmen eine Vollproduktion erreichen werden.
Globale Marktanteile und wirtschaftliche Hürden
Die Fertigungskapazitäten verschieben sich derweil regional. Nach Angaben des Internationalen Verbands für Robotik entfielen im Jahr 2025 mit 354.000 Installationen 59 Prozent aller weltweiten Industrieroboter auf China, verglichen mit 38.500 in den USA und unter 25.000 in Deutschland.
Im Segment humanoider Roboter entfielen laut IDC im ersten Halbjahr 2026 rund 77,9 Prozent der knapp 25.000 weltweit ausgelieferten Einheiten auf China. Das Land verfolgt das Ziel, bis Ende 2026 rund 10.000 humanoide Systeme in der Industrie einzusetzen.
Trotz hoher Wachstumsraten bleibt die Wirtschaftlichkeit eine Kernaufgabe. Ein Ende September veröffentlichter Bericht von Anthropic ergab, dass Roboter aktuell für lediglich 0,3 Prozent der analysierten physischen Aufgaben in den USA kostenkonkurrenzfähig sind.
Während Software- und Basismodelle vor allem in den USA entwickelt werden, liegt der Kostenvorteil bei der Hardware-Skalierung vor allem bei asiatischen Anbietern, wodurch sich der Wettbewerb zwischen technologischem Vorsprung und industrieller Flottenintegration weiter zuspitzt.
