Roboter in der Arbeitswelt: Nur 0,3 Prozent der Aufgaben lohnen sich
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Trotz rascher technologischer Fortschritte scheitert der flächendeckende Einsatz von Robotern in der Arbeitswelt derzeit primär an den Kosten. Eine am 30. September 2026 veröffentlichte Untersuchung des KI-Unternehmens Anthropic zeigt eine deutliche Kluft zwischen technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit: Zwar könnten autonome physische Maschinen mit Umgebungswahrnehmung rein theoretisch 74 Prozent der physischen Arbeitsaufgaben in den USA bewältigen, was 34 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden entspricht. Allerdings ist der Einsatz von Robotern aktuell bei lediglich 0,3 Prozent dieser Aufgaben günstiger als menschliche Arbeitskraft.
Große Diskrepanz zwischen Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit
Für den Report mit dem Titel „What work can robots do?“ analysierten Russell Legate-Yang und Maxim Massenkoff ausschließlich US-Datenbestände. Die Datenbasis umfasst rund 900 Berufe und 19.000 Einzelaufgaben aus dem O*NET-Register des US-Arbeitsministeriums, Beschäftigungs- und Lohndaten des Bureau of Labor Statistics für das Jahr 2025, Arbeitgeber-Vergütungskosten aus dem Jahr 2026 sowie Erhebungen des American Community Survey aus den Jahren 2020 bis 2024. Die Auswertung und Bewertung der einzelnen Aufgaben erfolgte mithilfe des Modells Claude.
Gemessen an den Arbeitsstunden entfallen 54 Prozent auf kognitive oder zwischenmenschliche Tätigkeiten und 46 Prozent auf manuelle Aufgaben. Anthropic unterteilt die Einsatzumgebungen in vier Stufen:
- Kategorie E0 umfasst Aufgaben, die technisch nicht durch Roboter machbar sind (12 Prozent).
- Kategorie E1 beschreibt für Roboter konstruierte Umgebungen wie industrielle Fließbänder (23 Prozent).
- Kategorie E2 bezieht sich auf strukturierte menschliche Umgebungen wie Logistiklager (10 Prozent).
- Kategorie E3 betrifft unstrukturierte Bereiche wie Stadtstraßen (1 Prozent).
Zusammengenommen decken die automatisierbaren Stufen E1 bis E3 damit 34 Prozent aller Arbeitsstunden ab.
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Hohe Hürden bei Anschaffung und Manipulation
Dass die ökonomische Umsetzung stockt, verdeutlichen konkrete Tätigkeitsfelder. Im Verpackungsbereich erweist sich die Automatisierung bereits als rentabel: Von den 560.000 Verpackungskräften in den USA mit einem Medianjahreseinkommen von 49.000 US-Dollar sind 97 Prozent der Aufgaben automatisierbar. Die jährlichen Roboterkosten liegen hier bei 45.400 US-Dollar pro Jahr und damit unter den Kosten für menschliche Arbeit.
Beim Geschirrspülen hingegen sind die Aufgaben zwar zu 100 Prozent durch Maschinen ersetzbar, die Roboterkosten übersteigen jene des Personals jedoch um mehr als das Dreifache. Auch das Taxifahren lässt sich laut der Erhebung gegenwärtig nicht kostendeckend per Roboter bewältigen.
Zu den zentralen Hemmnissen zählen laut Anthropic Fähigkeitslücken bei rund 70 Prozent der Tätigkeiten, regulatorische Hürden bei 14 Prozent der physischen Aufgaben und die Kundenpräferenz für menschliche Bedienung bei 25 Prozent. Nahezu die Hälfte aller physischen Aufgaben setzt zudem erhebliche Fortschritte bei der feinmotorischen Manipulation voraus.
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Langsame Preisdegression dämpft die Dynamik
Kostensenkungen verlaufen bisher nur schrittweise: Seit den 1990er-Jahren sinken die Preise für Roboter im Schnitt um etwa 3 Prozent pro Jahr und halbieren sich rechnerisch alle 23 Jahre. Bei gleichbleibendem Tempo würde es rund 40 Jahre dauern, bis 10 Prozent der Arbeitsaufgaben wirtschaftlich günstiger durch Roboter erledigt werden können. Das Preisniveau läge nach vier Jahrzehnten bei etwa 30 Prozent des heutigen Stands.
Die höchste Exposition gegenüber künftiger Automatisierung verzeichnet die Studie für Taxifahrer mit einem Expositionsindex von 2,2, gefolgt von Shuttle- und Chauffeurfahrern mit 2,0 sowie Beschäftigten im Lager-, Liefer- und Verpackungswesen.
In den am stärksten betroffenen Berufsgruppen liegt der Frauenanteil um 20 Prozentpunkte niedriger, während der Anteil von Beschäftigten mit Latino-Hintergrund um 16 Punkte höher ausfällt.
Zudem ist der Anteil von Arbeitnehmern mit Bachelor-Abschluss dort um 55 Prozentpunkte geringer, der durchschnittliche Stundenlohn um rund 30 US-Dollar niedriger und die Arbeitslosenquote mehr als doppelt so hoch.
