Roboter-Boom: Unitree sammelt 520 Millionen Euro beim Börsengang ein
04.06.2026 - 07:31:02 | boerse-global.deGroße Auto- und Technologiekonzerne beschleunigen ihre Entwicklungspläne massiv.
BYD bestätigte am 4. Juni 2026 den Einstieg in das Geschäft mit humanoiden Robotern. Der chinesische Autobauer will dabei auf seine vorhandene Technologiebasis in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Sensoren, Aktuatoren und Batterietechnik zurückgreifen. Gleichzeitig erhielt Unitree Robotics die Zulassung für einen Börsengang – ein klares Signal: Aus experimentellen Prototypen wird ernsthafte Massenproduktion.
BYD setzt auf offene Plattform-Strategie
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BYD-Vorstand Li Ke gab am 4. Juni bekannt, dass das Unternehmen humanoide Roboter entwickelt. Die Strategie: eine offene Plattform, die sowohl eigene Produktion als auch Kooperationen mit externen Partnern vorsieht. Konkrete technische Details oder ein Starttermin blieben offen. Allerdings deutete Li Ke an, dass der Vertrieb künftig über das bestehende Händlernetz des Autobauers laufen könnte.
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: BYD verkaufte allein im April 2026 rund 321.000 Fahrzeuge. Der Konzern sucht offenbar nach neuen Wachstumsfeldern jenseits des Automobilgeschäfts.
Keenon Robotics verfolgt einen pragmatischeren Ansatz. CEO Li Tong betonte, dass sein Unternehmen mit dem Xman-L1 zwar am 25. Mai einen humanoiden Roboter vorgestellt habe, der Fokus aber auf funktionalen Lösungen liege – nicht auf der äußeren Form. Die Strategie sieht eine Arbeitsteilung vor: Spezialroboter für Effizienz, humanoide Modelle für flexible Aufgaben.
Börsengang und Milliardenbewertungen
Unitree Robotics erhielt am 1. Juni die Zulassung für seinen Börsengang am STAR Market in Shanghai. Das Unternehmen will umgerechnet rund 520 Millionen Euro einnehmen – durch die Ausgabe von mindestens 40,4 Millionen Aktien. Das Geld fließt in die Entwicklung von Hardware und KI-Modellen.
Die Zahlen des Unternehmens sind beeindruckend: 2025 lieferte Unitree 5.500 humanoide Einheiten aus – weltweit die höchste Stückzahl. Der Umsatz mit humanoiden Robotern erreichte umgerechnet rund 112 Millionen Euro, mehr als 51 Prozent des Gesamtumsatzes.
Doch es gibt auch Schattenseiten. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz zwar um 68,5 Prozent, der Nettogewinn brach jedoch um 52,5 Prozent auf umgerechnet rund 5,2 Millionen Euro ein. Ein Trend, der auch andere chinesische Firmen wie Dobot und Leju Robotics betrifft, die ebenfalls Börsengänge vorbereiten.
UBTECH startete am 2. Juni den Vorverkauf seines humanoiden Roboters UWORLD auf der Plattform JD.com. Der offizielle Verkaufsstart ist für den 30. Juni geplant, die Auslieferungen sollen Mitte September beginnen. Der Roboter ist in zwei Größen erhältlich – die männliche Version misst 1,83 Meter. UBTECHs Umsatz mit humanoiden Robotern erreichte 2025 umgerechnet rund 106 Millionen Euro, ein Anstieg um das 22-fache gegenüber dem Vorjahr.
Standardisierung und internationale Expansion
Ein wichtiger Schritt zur Standardisierung gelang am 1. Juni auf der GTC Taipei. NVIDIA stellte den Isaac GR00T-Referenzroboter vor. Das System basiert auf einem Unitree H2 Plus-Chassis mit Sharpa-Fünf-Finger-Händen. Entwickelt wurde es für Forschungseinrichtungen wie die ETH Zürich und Stanford. Mit 75 Freiheitsgraden und der Jetson Thor-Plattform – die 2.070 FP4 Teraflops KI-Leistung bietet – soll die Plattform bis Ende 2026 verfügbar sein.
Auch außerhalb Chinas tut sich etwas. In Vietnam präsentierten die Vingroup-Töchter VinRobotics und VinDynamics auf der ICRA 2026 und der COMPUTEX Taipei ihre neuesten Modelle. Der VR-H3, ein komplett in Vietnam entwickelter Roboter der dritten Generation, verfügt über mehr als 31 Aktuatoren und kann bis zu acht Kilogramm tragen. Der Dyno-Roboter wird als mehrsprachiger Guide im Vinpearl Safari Phu Quoc getestet.
Aus Indien kommt der CGR-1-Prototyp von Cognition Robotics. Das Unternehmen präsentierte ihn im Juni auf dem India Tech Summit. Das Ziel: eine kosteneffiziente Lösung für die Fertigung zu einem Preis von unter 54.000 US-Dollar. Durch den Einsatz lokaler Zulieferer konnten die Kosten um 40 Prozent gesenkt werden. Ein Pilotprojekt läuft bereits in einem Automobilwerk in Chennai.
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Analysten sehen gigantisches Wachstum
Branchenanalysten von Barclays und Wedbush sehen enormes Potenzial. Barclays erwartet, dass der Markt für humanoide Roboter von aktuell rund zwei bis drei Milliarden US-Dollar auf 200 Milliarden US-Dollar bis 2035 wachsen wird. Das Wachstum soll in zwei Wellen verlaufen: Zuerst in Fertigung und Logistik, nach 2030 dann im Gesundheitswesen und in der Bildung.
Die Frage ist nicht mehr, ob humanoide Roboter kommen – sondern wie schnell sie unseren Alltag verändern werden.
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