Roboter-Boom: Kepler bringt tonnenschweren Laufroboter Mechanical Qilin
19.06.2026 - 21:30:52 | boerse-global.de
Hersteller bringen zunehmend autonome mobile Roboter (AMR) auf den Markt, die Lasten von 130 Kilogramm bis zu einer vollen Tonne bewegen können. Das Ziel: die schwersten und anstrengendsten Aufgaben in Logistik und Fertigung zu automatisieren.
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Rekordflotte bei Chery: 484 Roboter im Dauerbetrieb
ForwardX Robotics hat am 18. Juni 2026 bekannt gegeben, dass seine AMR-Flotte im chinesischen Chery-Automobilwerk in Dalian auf 484 Einheiten angewachsen ist. Der Ausbau erfolgte über mehr als ein Jahr – und das ohne Unterbrechung der täglichen Produktion von rund 1.000 Fahrzeugen.
Die Flotte teilt sich auf zwei große Werkbereiche auf. In der Karosseriefertigung übernehmen 204 AMRs die Versorgung mit 32 verschiedenen Materialkategorien und decken mehr als 80 Prozent des Materialbedarfs ab. In der Endmontage sind 280 Einheiten für 95 Materialkategorien zuständig – sie erfüllen knapp 90 Prozent des dortigen Bedarfs. Der Fall zeigt: Großflächige, hochdichte Roboterflotten werden in der Schwerindustrie zunehmend zum Standard.
Kepler bringt tonnenschweren Laufroboter auf die Beine
Einen Sprung in der Laufrobotik gelang Kepler Robotics. Das Unternehmen stellte am 17. Juni 2026 auf der Shanghai Zhangjiang Embodied AI Conference seine Mechanical Qilin-Plattform vor. Der schwere Vierbeiner ist für Industrietransporte, Notfallversorgung und Logistik in unwegsamem Gelände konzipiert – dort, wo Radroboter an ihre Grenzen stoßen.
Der Mechanical Qilin wiegt rund 300 Kilogramm und kann eine Nutzlast von einer Tonne tragen. Angetrieben wird er von Planetenrollengewindetrieben, einer Technologie, die Kepler aus seinem K2-Humanoiden übernommen hat. Die Akkulaufzeit beträgt acht Stunden. Für spezielle Industrieanwendungen gibt es sogar eine reitbare Variante des Roboters.
Amazon und Pudu: Mittelklasse für schwere Lasten
Auch Handels- und Spezialroboterfirmen rüsten auf. Amazon Robotics hat den Ausbau seiner Proteus-AMR-Flotte auf mehrere neue Logistikzentren in den USA bestätigt. Proteus ist für Lasten bis zu 136 Kilogramm ausgelegt. Amazons Ziel: die schwersten 20 Prozent des Lagerbestands automatisieren. Branchenbeobachter rechnen nach dem US-Rollout mit einer internationalen Expansion – etwa nach Indien – innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate.
Parallel dazu hat Pudu Robotics seinen Industrieroboter PUDU T300 auf den Markt gebracht. Das Modell trägt bis zu 300 Kilogramm und erreicht eine Geschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekunde. Der T300 ist für enge Umgebungen optimiert: Er navigiert durch 60 Zentimeter breite Gänge und überwindet Hindernisse von 20 Millimetern. Zur Navigation nutzt er sowohl VSLAM als auch LiDAR SLAM und erfüllt die Sicherheitsnorm ISO 3691-4.
Neue Hardware und Teststrecken für die Zukunft
Weitere Neuheiten sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. OMRON Robotics kündigte an, seine Modelle LD-150 und LD-300 auf der Automate 2026 in Chicago (22. bis 25. Juni) vorzuführen. Der LD-300 trägt 300 Kilogramm und verfügt über induktives Laden – der Akku ist in unter 30 Minuten voll. Der Verkauf soll im vierten Quartal 2026 starten.
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Auch die Infrastruktur für automatisierten Schwerlasttransport wird weiterentwickelt. Bereits im April 2026 führten ecoro und die Shimizu Corporation gemeinsame Tests für eine automatisierte Logistikstraße durch. Die Versuche auf einem Forschungsgelände in Tokio konzentrierten sich auf Navigationsgenauigkeit und Kommunikationsstabilität von autonomen Elektrofahrzeugen im Außenbereich.
Im Lagerbereich hat Jungheinrich das automatisierte Distributionszentrum für Landguth Heimtiernahrung in Deutschland erweitert. Acht arculee M AMRs und vier Schmalgangstapler kamen zu einem bestehenden Lager mit über 58.000 Stellplätzen hinzu – und das bei laufendem Betrieb, um Lieferunterbrechungen zu vermeiden.
Lieferroboter auf der Zielgeraden
Während schwere Industrieroboter die Schlagzeilen dominieren, machen auch städtische Lieferroboter Fortschritte. Am 17. Juni 2026 startete Avride einen autonomen Lieferservice für Uber Eats in Arlington, Virginia. Die Roboter sind zwischen 10 und 22 Uhr unterwegs und transportieren bis zu sechs große Pizzen sowie fünf 1,5-Liter-Flaschen.
In China meldete Chengdu Yuefan Innovation, dass seine Xiangdi Ultra-Lieferroboter seit Januar 2026 knapp 30.000 Bestellungen ausgeführt haben. Die Roboter sind rund um die Uhr im Einsatz: Menschliche Kuriere übergeben die Pakete am Eingang einer internationalen Wohnanlage in Chengdu, die Roboter übernehmen die letzte Meile.
