Roboter-Boom: Foxconn setzt bereits 10.000 Humanoide ein
29.05.2026 - 01:48:21 | boerse-global.deChinesische und internationale Konzerne treiben die Automatisierung massiv voran – mit Zehntausenden humanoiden Robotern in Fabriken und Lagern.
Der Wettlauf um die industrielle Nutzung humanoider Roboter hat diese Woche neue Dimensionen erreicht. Gleich mehrere Großkonzerne und Forschungseinrichtungen meldeten bedeutende Fortschritte – von der Massenproduktion bis zu standardisierten Leistungstests. Besonders der Elektronikriese Foxconn und das US-Unternehmen Figure AI setzen neue Maßstäbe.
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Foxconn setzt auf Zehntausende Roboterarbeiter
Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn hat nach eigenen Angaben bereits 10.000 humanoide Roboter in seinen iPhone-Montagewerken im Einsatz. Die Flotte besteht aus 6.000 Figure Helix-V2-Einheiten, 2.500 UBTech Walker S2-Modellen und 1.500 firmeneigenen FoxBots. Die Systeme arbeiten in den Fabriken in Zhengzhou, Taiyuan und Chennai und übernehmen Aufgaben wie die Materialzuführung, Qualitätskontrolle und Verpackung.
Bis Ende 2027 will Foxconn die Zahl auf 30.000 Einheiten verdreifachen. Der Schritt ist Teil eines tiefgreifenden Wandels: Die Belegschaft des Konzerns schrumpfte von 1,2 Millionen Mitarbeitern im Jahr 2018 auf heute 720.000.
Hyundai setzt auf Boston-Dynamics-Technik
Auch im Automobilsektor zeichnet sich ein massiver Umbruch ab. Hyundai Motor Group kündigte an, ab 2028 insgesamt 25.000 Atlas-Roboter des US-Unternehmens Boston Dynamics einsetzen zu wollen. Den Anfang macht das Metaplant America in Georgia, später sollen auch Kia-Werke folgen. Hyundai plant zudem eine eigene Aktuator-Produktion in den USA, um eine jährliche Fertigung von 30.000 Atlas-Einheiten zu ermöglichen.
Ford und Stellantis ziehen nach. Ford testet den Digit-Roboter von Agility Robotics im Rouge EV Center für Logistikaufgaben. Die Transportverzögerungen seien dadurch um 31 Prozent gesunken. Stellantis evaluiert gleich mehrere Plattformen in 44 Werken und 16 Marken – mit dem Ziel einer Serienproduktion bis 2027.
Figure AI steigert Produktion dramatisch
Der US-Roboterhersteller Figure AI vermeldete eine beeindruckende Produktionssteigerung. In der BotQ-Fabrik erhöhte sich die Fertigungsrate des Figure-03-Modells von einem Roboter pro Tag auf einen pro Stunde – eine 24-fache Steigerung in weniger als 120 Tagen. Insgesamt hat das Unternehmen bisher über 350 Roboter und 9.000 Aktuatoren produziert.
Bei einem Dauertest über 200 Stunden sortierten Figure-Roboter rund 250.000 Pakete – mit einer Geschwindigkeit von etwa drei Sekunden pro Paket, fast auf menschlichem Niveau. Der Erfolg führte zu einem kommerziellen Vertrag mit Catalyst Brands, zu dem unter anderem JCPenney und Aéropostale gehören. Ein erstes Logistikzentrum in Nevada wird nun mit den Robotern ausgestattet.
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Fraunhofer-Institut führt Benchmark ein
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) hat einen standardisierten Benchmark für humanoide Roboter vorgestellt. Das modulare System bewertet die Maschinen in sechs Kategorien: Grundfertigkeiten, komplexe Fähigkeiten, Sicherheit, Energieeffizienz, Reinraumtauglichkeit und Cybersicherheit.
Erster Testkandidat war der Unitree G1. Die Ergebnisse zeigten eine starke Selbststabilisierung und Eignung für ISO-Klasse-5-Reinräume. Allerdings entdeckten die Forscher eine Bluetooth-Sicherheitslücke, die inzwischen geschlossen wurde. Die Akkulaufzeit betrug im Stand 2 Stunden und 49 Minuten, beim Gehen und Laufen sank sie auf 1 Stunde und 49 Minuten.
Neue Player aus Europa und Indien
Am 28. Mai präsentierten gleich zwei neue Marktteilnehmer ihre Prototypen. In Linz stellte IONO Robotics den „WORKMATE“ vor – einen Roboter mit einem Mehrkopf-Konzept, das eine integrierte Drohne umfasst. Pilotprojekte laufen in Österreich, Deutschland und Italien.
In Bengaluru enthüllte Agni Robotics den „Agni Zero“. Das Unternehmen zielt auf kleine und mittlere Unternehmen in der Auto- und Textilbranche – mit einem prognostizierten Preis unter 100.000 Euro.
China dominiert die Produktion
China festigt seine Spitzenposition: Nach aktuellen Industriedaten entfallen bereits mehr als 50 Prozent der weltweiten Produktion humanoider Roboter auf das Reich der Mitte. Trainingszentren in Peking und Hangzhou nutzen Beobachtungs- und Nachahmungslernen, um die Roboter für Industrie und Haushalt vorzubereiten. Allein in Hangzhou sind über 130 Roboter in 30 verschiedenen Szenarien im Einsatz.
Der 15. Fünfjahresplan Chinas (2026 bis 2030) setzt das Ziel, sämtliche Komponenten humanoider Roboter vollständig im Inland zu fertigen.
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