Roboter-Boom: China dominiert mit 85 Prozent Marktanteil weltweit
07.06.2026 - 22:19:27 | boerse-global.de
Der SeeLight S1 soll ab 2027 für umgerechnet rund 14.000 Euro in chinesischen Haushalten einziehen. Schon jetzt testet das von Huaweis Investmentarm unterstützte Unternehmen die ersten 100 Geräte in Wohnungen in Wuhan. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber auch ernüchternd.
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Frühstück in acht Minuten – Falten dauert länger
Die Bilanz der ersten Tests fällt gemischt aus. Der Roboter bereitet ein Frühstück in unter acht Minuten zu und lernt neue Aufgaben innerhalb eines Monats. Doch an alltäglichen Herausforderungen scheitert er noch: Das Falten eines einzigen Kleidungsstücks dauert über zehn Minuten, und präzises Eingießen von Wasser gelingt nicht ohne Kleckerei.
CEO Zhu Zheng kündigte an, dass ab Ende Juni 2026 zunächst 100 Geräte an Mitarbeiterhaushalte gehen. Ein öffentlicher Testlauf in Wuhan folgt 2027. Der kommerzielle Verkauf soll dann im Juni 2027 zum Preis von etwa 14.000 Euro starten. Bereits im dritten Quartal 2026 plant GigaAI den SeeLight S2 mit kleinerem Gehäuse und verbesserter Software.
Auch andere Hersteller drängen auf den Markt. Der Quanta X1 Pro von X Square Robot absolvierte am 6. Juni 2026 einen Praxistest in Shenzhen – als Reinigungskraft für 149 Yuan (etwa 19 Euro) pro drei Stunden. Der Roboter räumte Schuhe weg, scheiterte aber an Türschwellen, Kabeln und schweren Müllsäcken.
Chinesische Hersteller dominieren die Produktion
Während US-Firmen wie Figure AI und Tesla auf Industrieanwendungen setzen, fahren chinesische Hersteller auf Masse. Laut Barclays entfielen 2025 bereits 85 Prozent des weltweiten Marktes für humanoide Roboter auf China. Ende letzten Jahres produzierten dort über 140 Hersteller mehr als 330 verschiedene Modelle.
Der volumenstärkste Anbieter ist Unitree mit über 5.500 ausgelieferten Einheiten im Jahr 2025 – mehr als die gesamte Konkurrenz zusammen. Am 6. Juni 2026 listete Unitree seinen G1-Menschenroboter auf Amazon USA für 17.990 Dollar. Das Unternehmen peilt für 2026 insgesamt 20.000 Auslieferungen an.
Selbst Autobauer steigen ein. BYD bestätigte ein vier Jahre lang geheim gehaltenes Humanoiden-Programm mit dem Codenamen Yao-Shun-Yu. Rund 150 Prototypen testen bereits in BYD-Fabriken. Bis 2026 sollen 20.000 Einheiten in den eigenen Werken arbeiten. Der neue Industriepark in Xi'an ist für eine Jahresproduktion von 50.000 Robotern ausgelegt – ein Vertrieb über das bestehende BYD-Autohändlernetz ist denkbar.
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Zwischen Hype und Realität
Trotz der Produktionsoffensive wachsen die Sorgen vor einer Blase. 2025 überstiegen die Bestellungen für humanoide Roboter in China zwar zwei Milliarden Yuan (rund 260 Millionen Euro), doch der Großteil stammte von Staatsbetrieben. Analysten von Morgan Stanley sehen China zwar in der Massenproduktion vorn, die USA aber bei der zugrundeliegenden KI-Technologie.
Der Preis bleibt das größte Hindernis. Chinesische Roboter sind zwar rund 20 Prozent günstiger als ausländische Konkurrenz – das MATRIX-3-Modell von Matrix Robotics kostet 99.000 Dollar, Einstiegsmodelle von EngineAI ab 26.600 Dollar. Doch das Mercator-Institut hält selbst diese Preise für den Massenmarkt noch zu hoch. Der Durchschnittspreis lag 2025 bei 46.000 Dollar, soll aber bis 2050 auf 21.000 Dollar fallen.
Um die Branche zu professionalisieren, eröffnete der Pekinger Bezirk Shijingshan kürzlich die dritte Ausbaustufe eines spezialisierten Trainingszentrums. Dort können über 100 Roboter gleichzeitig in simulierten Umgebungen wie Supermärkten und Hotels lernen – mit Millionen von Datenpunkten pro Jahr für bessere Sensorik und Bewegungskoordination.
Morgan Stanley erwartet für 2026 weltweit 28.000 Auslieferungen humanoider Roboter. Langfristige Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl bis Anfang der 2030er Jahre auf über eine Million Einheiten pro Jahr steigen könnte.
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