Roboter-Boom: Barclays prognostiziert 200 Milliarden bis 2035
05.06.2026 - 03:11:15 | boerse-global.de
Gleich mehrere Großkonzerne und Start-ups verkündeten in dieser Woche milliardenschwere Deals und technische Durchbrüche. Die Maschinen sollen bald in Lagern, Fabriken und sogar im Einzelhandel arbeiten.
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Figure AI schließt Großvertrag mit US-Einzelhandelsriesen
Am 4. Juni 2026 gab das US-Unternehmen Figure AI einen kommerziellen Vertrag mit Catalyst Brands bekannt – dem Mutterkonzern bekannter Handelsketten wie JCPenney, Eddie Bauer und Brooks Brothers. Die humanoiden Roboter sollen in einem Distributionszentrum in Reno, Nevada, zum Einsatz kommen. Ihre Aufgabe: das Sortieren und Verpacken von Waren.
Catalyst Brands hatte bereits 2024 rund 34 Millionen Euro in die modernisierung des Standorts investiert. Konzernchef Marc Rosen betonte, die Automatisierung solle Mitarbeiter von monotonen Tätigkeiten entlasten. „So bleibt mehr Zeit für anspruchsvollere Aufgaben“, so Rosen. Details zur Anzahl der Roboter oder zum finanziellen Volumen des Deals wurden nicht genannt.
China und Europa treiben die Entwicklung voran
Auch international tut sich einiges. Die chinesische Post hat bereits am 3. Juni humanoide Roboter in ihr Paketzentrum Jianggao in Guangzhou integriert. Dort arbeiten die Maschinen Seite an Seite mit autonomen Gabelstaplern und Förderbändern. Pro Stunde sortieren sie bis zu 1.200 Pakete – bei einem täglichen Durchsatz von 6,5 Millionen Sendungen, der an Spitzentagen auf zehn Millionen ansteigt.
In Europa läuft ein Pilotprojekt in Duisburg. Beteiligt sind Accenture, Vodafone Procure & Connect und SAP. Die humanoiden Roboter führen dort Sichtprüfungen durch und identifizieren Sicherheitsrisiken oder Ineffizienzen in Lagerhallen. Die Steuerung erfolgt über das SAP Extended Warehouse Management – trainiert mit digitalen Zwillingen auf der NVIDIA Omniverse-Plattform.
Amazon investiert derweil über zehn Milliarden Euro in die Modernisierung seiner europäischen Infrastruktur. Am 4. Juni kündigte der Konzern eine neue Version seines autonomen Roboters Proteus an, der sich per Sprachbefehl steuern lässt. Aktuell läuft die Testphase im Labor. Ab der ersten Jahreshälfte 2027 soll der Roboter europaweit ausgerollt werden.
Apptronik sammelt 450 Millionen Euro ein
Der Finanzierungsrausch im Robotik-Sektor hält an. Am 3. Juni bestätigte Apptronik die Aufstockung seiner Series-A-Finanzierungsrunde um rund 450 Millionen Euro. Insgesamt hat das Unternehmen damit über 800 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld fließt in die Serienproduktion des humanoiden Roboters „Apollo“, der derzeit bei Mercedes-Benz und GXO getestet wird. Zu den Investoren zählen Google DeepMind und B Capital.
Analysten prognostizieren explosionsartiges Wachstum
Die Analysten von Barclays sehen den Markt für humanoide Roboter am Beginn einer beispiellosen Wachstumskurve. In ihrem Report „AI Gets Physical“ vom 3. Juni schätzen sie, dass der Markt von heute rund zwei bis drei Milliarden Euro auf 200 Milliarden Euro bis 2035 anwachsen könnte.
Der Report skizziert einen zweistufigen Einführungszyklus: In der ersten Welle bis 2030 stehen Fertigung, Logistik und Landwirtschaft im Fokus. Danach folgen Gesundheitswesen und Bildung. Ein bemerkenswerter Faktor: China stellt aktuell 85 Prozent aller Installationen humanoider Roboter. Grund sind Produktionskosten, die nur halb so hoch liegen wie bei westlichen Wettbewerbern.
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Neue Modelle für den Mittelstand
Gleich mehrere Hersteller präsentierten Anfang Juni neue, kostengünstige Modelle – gezielt für kleine und mittlere Unternehmen:
- Cognition Robotics aus Bengaluru stellte am 1. Juni den CGR-1 vor. Preis: unter 47.000 Euro. Acht Stunden Akkulaufzeit, 15 Kilogramm Traglast.
- Astra Robotics, ein indisches Start-up von ehemaligen ISRO-Ingenieuren, zeigte am 3. Juni den Astra-1 für rund 18.500 Euro. Ausgestattet mit LiDAR und Sprachsteuerung für regionale Sprachen wie Hindi und Tamil.
- Pudu Robotics präsentierte am 3. Juni den PUDU D7 – einen semi-humanoiden Roboter für den 24/7-Einsatz in Lagern. Zwei Meter Reichweite, automatischer Batteriewechsel.
- Der vietnamesische Mischkonzern Vingroup stellte am 3. Juni auf Tech-Gipfeln in Wien und Taipeh die Modelle VR-H3 und Dyno vor. Das Unternehmen setzt auf eine komplett eigene Technologie – von der Hardware bis zur Software.
Technische Hürden bleiben bestehen
Trotz der Euphorie warnen Experten vor überzogenen Erwartungen. Eine Analyse vom 3. Juni zeigt: Stabilität, Geschwindigkeit und Sicherheit in dynamischen Umgebungen bleiben problematisch. Forscher der University of New South Wales halten einen flächendeckenden Einsatz in naher Zukunft für unwahrscheinlich.
Selbst Figure AI räumte ein, dass menschliche Arbeiter bei bestimmten Sortiertests noch immer eine höhere Stückzahl erreichen als die Roboter-Teams.
Ein möglicher Ausweg: die Laser-Energieübertragung. Das australische Start-up Aquila demonstrierte am 3. Juni ein System, das vier Kilowattstunden Energie per Laser über 24 Stunden an einen fahrenden Lagerroboter übertrug. Damit ließe sich das Problem der begrenzten Akkulaufzeit lösen – ein entscheidender Faktor für den industriellen Dauereinsatz.
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