Robotaxis in London: Fahrer protestieren gegen Wayve- und Waymo-Tests
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deFahrer und Gewerkschaftsvertreter haben am 17. Oktober 2026 in London vor dem Büro des Technologieunternehmens Wayve in King’s Cross gegen laufende Tests autonomer Taxis protestiert.
Rund 15 Demonstranten, nach anderen Medienberichten von BBC etwa 15 und von ITV rund 20 Personen, forderten die sofortige Einstellung der Fahrten. Wayve testet die Fahrzeuge gemeinsam mit Waymo unter Einsatz menschlicher Sicherheitsoperatoren auf den Straßen der britischen Hauptstadt.
Sorgen um Arbeitsplätze und mangelnde Transparenz
Im Zentrum der Proteste stehen existenzielle Sorgen von Beschäftigten der Beförderungsbranche. Abdurzak Hadi von der Gewerkschaft ADCU, der seit über zwölf Jahren für Uber fährt, warnte bei der Kundgebung vor der Konkurrenz durch Maschinen, die rund um die Uhr im Einsatz sein könnten. Er forderte die Verkehrsbehörde Transport for London (TfL) auf, Lizenzen für fahrerlose Fahrzeuge auszusetzen, bis die Planungen verlässlicher vorliegen.
Zudem appellierte er an Londons Bürgermeister Sadiq Khan, klar Position zu beziehen, da den Fahrern die Testläufe im Vorfeld nicht erklärt worden seien.
Unterstützung kam aus weiteren Organisationen. James Rossi, Vertreter der Gewerkschaft GMB und Busfahrer, verlangte verbindliche Sicherheits- und Jobgarantien sowie die Finanzierung von Umschulungen für Beschäftigte, die von Verdrängung bedroht sind.
Priyanka Khurana von Fare Free London warnte vor zusätzlichen Verkehrsstaus und weniger Arbeit für menschliche Fahrer durch den Einsatz von Robotaxis. Die Grüne Stadträtin von Brent, Amandine Alexandre, erklärte, Khan habe sich bisher nicht eindeutig gegen autonome Taxis gestellt.
Die ADCU und beteiligte Gewerkschaften forderten einen sofortigen Teststopp, bis ein Konzept für einen gerechten Übergang vorliege und Entschädigungen für die Betroffenen vereinbart seien, damit die Beschäftigten nicht als reiner Kollateralschaden enden.
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Kritik an Regulierungsstrukturen und Sicherheitszielen
Rückenwind erhalten die Bedenken durch einen Bericht des London Assembly Transport Committee aus dem Oktober 2026 unter dem Titel „Who's driving the future of autonomous transport in London?“.
Das Gremium warnt vor erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich der behaupteten Vorteile fahrerloser Passagierfahrzeuge und verweist auf Risiken für Stau, den öffentlichen Nahverkehr, Barrierefreiheit sowie Arbeitsplätze. Der Ausschuss plädiert für strengere Regulierungen und die Übertragung von Kontrollbefugnissen an TfL.
Die Vorsitzende des Ausschusses, Caroline Russell, forderte eine problemorientierte Betrachtung der Technologie. Bislang erteilt das britische Verkehrsministerium die Genehmigungen, während die Londoner Behörde Vorhaben lediglich befürworten oder ablehnen kann.
Zudem bewertete der Bericht des Ausschusses, verfasst von Francis McKinney von Zenzic, den nationalen Maßstab eines sorgfältigen menschlichen Fahrers als unzureichend für Londons Sicherheitsziel Vision Zero, das bis 2041 jegliche Toten und Schwerverletzten im Verkehr vermeiden will. Der Ausschuss empfiehlt stattdessen, Unfälle sowie Beinaheunfälle mitsamt den Entscheidungsdaten der Fahrzeugsysteme verpflichtend innerhalb von 24 Stunden zu melden.
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Reaktionen der Industrie und internationaler Kontext
Die beteiligten Unternehmen verteidigen die Erprobung. Wayve verwies im Oktober 2026 auf einen schrittweisen Ansatz bei der Einführung gemeinsam mit Uber, betonte den positiven Beitrag der Technologie und erklärte, eng mit TfL zu kooperieren. Der Partner Uber erwartet erhebliche Vorzüge durch den Einsatz der Systeme.
TfL teilte mit, dass die Sicherheit oberste Priorität habe und ein Betrieb ausschließlich mit Genehmigung der Behörde erfolgen dürfe. Waymo, das ebenfalls in London testet und dort im September 2026 ein eigenes Konzept für Barrierefreiheit und Sicherheit präsentierte, plant für das kommende Jahr weltweit den Einsatz von 100.000 autonomen Fahrzeugen.
Der Widerstand gegen autonome Fahrdienste formiert sich unterdessen auch international. In Australien lobbyiert Waymo für Ride-Hailing-Genehmigungen, während der Premierminister von New South Wales, Chris Minns, Tests in Sydney unterstützt, obgleich im Land noch kein Starttermin feststeht.
Die australische Transport Workers’ Union (TWU) fordert dort eine Pause des Rollouts und eine Quote, nach der Aufträge zunächst zu mindestens 95 Prozent und später zu mindestens 85 Prozent an menschliche Fahrer vergeben werden müssen. TWU-Generalsekretär Michael Kaine warnte vor Fehlern wie bei der früheren Uber-Einführung.
Nach Angaben der Organisation unter Berufung auf das John Curtin Research Institute könnten bis zu 85.600 australische Arbeitsplätze bedroht und 220 Mio. AUD an Fahrereinkommen gefährdet sein. Eine YouGov-Umfrage zeige zudem, dass 70 Prozent der Australier vollautomatische Fahrzeuge ablehnen und 75 Prozent ein Eingreifen des Staates befürworten.
