Robotaxis: 16 Milliarden Euro Finanzierung für Expansion in 20 Städte
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 03:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Verkehrssicherheit variiert je nach Stadt und Tageszeit enorm. Das zeigt eine neue Untersuchung des Google-Schwesterunternehmens Waymo.
Am Dienstag veröffentlichte der Pionier des autonomen Fahrens zwei begutachtete Studien im Fachjournal Traffic Injury Prevention. Die zentrale Erkenntnis: Die Zahl tödlicher Unfälle unterscheidet sich zwischen verschiedenen Städten um das bis zu 8,4-Fache. Besonders gefährlich sind innerstädtische Straßen – sie weisen ein 2,3-mal höheres Risiko auf als Autobahnen.
In Austin etwa lag die Rate tödlicher Unfälle auf Hauptstraßen bei 1,85 pro 100 Millionen gefahrener Meilen, auf Autobahnen dagegen bei nur 0,88. Zum Vergleich: In Deutschland wäre das umgerechnet auf rund 160 Millionen Kilometer – eine Strecke, die ein durchschnittlicher Autofahrer in mehreren Jahrzehnten zurücklegt.
Wochenendnächte als Hochrisiko-Zeit
Die Forscher identifizierten Wochenendnächte als besonders gefährlich. In Austin erreichte die Unfallrate in diesen Stunden 3,66 pro 100 Millionen Meilen – immerhin niedriger als der Durchschnitt über mehrere Städte hinweg (4,38). Tagsüber am Wochenende lag der Wert dagegen bei nur 1,12.
Waymo nutzt diese Daten, um die eigene Leistung zu untermauern. Über 127 Millionen Meilen autonomen Betriebs hinweg verzeichnete das Unternehmen 359 weniger Unfälle mit Verletzten, als bei menschlichen Fahrern zu erwarten gewesen wären. Schon frühere Zahlen vom März 2026 hatten gezeigt: Waymos Technologie führte zu 94 Prozent weniger schweren oder tödlichen Unfällen und 93 Prozent weniger Unfällen mit Fußgängern im Vergleich zu menschlichen Fahrern.
Versicherer bleiben skeptisch
Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) bezeichnete die Daten zwar als vielversprechend, wies jedoch auf die begrenzte Reichweite der bisherigen Einsätze hin. Noch zurückhaltender äußerte sich die National Association of Mutual Insurance Companies (NAMIC): Die Versicherer bräuchten umfassendere Daten zu Schadenshäufigkeit, -schwere und Reparaturkosten, bevor sie die Tarife für automatisierte Fahrten anpassen könnten.
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Rückschläge und Rückrufe trüben das Bild
Trotz der positiven Sicherheitsbilanz gab es in den vergangenen Monaten mehrere technische Pannen. Waymo rief kürzlich 3.871 Robotaxis mit der fu00fcnften Generation des autonomen Systems zuru00fcck. Grund: Ein Softwarefehler fu00fchrte zwischen Ende April und Mai 2026 zu 13 Vorfu00e4llen, bei denen Fahrzeuge in gesperrte Autobahnbaustellen einfuhren – vor allem in der San Francisco Bay Area.
Bereits Anfang des Jahres waren 3.067 Fahrzeuge zuru00fcckgerufen worden. Ein Logikfehler in der Software hatte die Robotaxis dazu gebracht, Schulbusse an Stoppschildern illegal zu u00fcberholen. Die Folgen: 12 Buu00dfgeldbescheide und 24 Verstu00f6u00dfe im Schulbezirk von Austin sowie sechs weitere in Atlanta. Die National Transportation Safety Board (NTSB) ermittelt zudem zu einem Vorfall vom 12. Januar 2026 in Austin, bei dem ein Operator aus der Ferne ein Fahrzeug fu00e4lschlicherweise an einem Bus vorbeigeschickt hatte.
Im Mai 2026 folgte ein weiterer Ru00fcckruf von u00fcber 3.000 Fahrzeugen aufgrund einer u201eu00dcberschwemmungsreaktions-Schwachstelle". Auslu00f6ser war ein Vorfall am 20. April in San Antonio, bei dem ein Fahrzeug in einen Bach gespu00fclt worden war.
Feuerwerk legt Robotaxis lahm
Die Unberechenbarkeit urbaner Umgebungen zeigte sich am 4. Juli 2026 in San Francisco. Mehrere Waymo-Fahrzeuge gerieten in die Nähe illegaler Feuerwerkskörper. Ein Fahrzeug überfuhr einen explodierenden Böller und fing Feuer. Andere blieben wegen leerer Batterien liegen – verursacht durch schweren Stau und ungeplante Straßensperrungen. In Atlanta wurden drei Fahrzeuge an einer Kreuzung bewegungsunfähig gemeldet. Verletzte gab es nicht.
Während Robotaxis die Straßen erobern, rücken auch neue technologische Standards wie der EU AI Act in den Fokus der Unternehmen. Dieser kostenlose Leitfaden bietet einen kompakten Überblick über Pflichten und Risikoklassen, die für Entwickler und Nutzer von KI-Systemen ab sofort gelten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen und Pflichten kompakt erklärt
Expansion trotz Hindernissen
Waymo treibt seine Expansion dennoch massiv voran. In einer Series-A-Finanzierungsrunde sammelte das Unternehmen 16 Milliarden Euro bei einer Bewertung von rund 126 Milliarden Euro ein. Zu den Investoren zählen Dragoneer, DST Global und Sequoia. Die Mehrheit hält weiterhin die Google-Mutter Alphabet.
Während die Testgenehmigungen für New York City am 31. März 2026 ausliefen – ohne Übergang zu einem bezahlten Fahrerlos-Dienst –, trainiert Waymo bereits am Nashville International Airport für künftige Einsätze zwischen Bundesstaaten. Die Tennessee Highway Patrol bestätigte, dass die Fahrzeuge auf allen Spuren getestet werden, inklusive der HOV-Spuren, und sich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten.
Bis Ende 2026 will Waymo in mehr als 20 Städte expandieren – darunter internationale Märkte wie London und Tokio. Das Ziel: eine Million Fahrten pro Woche bis zum vierten Quartal.
