Robotaxi-Lücke: Tesla hat nur 59 Fahrzeuge, Waymo über 600
11.06.2026 - 19:15:31 | boerse-global.de
Am 9. Juni reichte Tesla bei der Nevada Transportation Authority einen Antrag auf eine Genehmigung für ein autonomes Fahrzeugnetzwerk ein. Das Ziel: Innerhalb von zwölf Monaten nach der Zulassung bis zu 5.000 Robotaxis auf Nevadas Straßen zu bringen.
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Fokus auf Las Vegas und die Flughäfen
Der Antrag konzentriert sich auf Clark County – das Herzstück ist Las Vegas mit seinen Verkehrsknotenpunkten. Zum geplanten Einsatzgebiet gehören der Harry Reid International Airport und der Henderson Executive Airport. Das Nevada Department of Motor Vehicles hatte bereits 2025 Testgenehmigungen erteilt. Für den kommerziellen Betrieb ist nun jedoch die neue Genehmigung der Transportation Authority nötig.
Die Behörde prüft den Antrag derzeit. Einspruchsmöglichkeiten haben interessierte Parteien bis zum 5. Juli. Lokale Experten wie Shashi Nambisan von der University of Nevada in Las Vegas begrüßen das Vorhaben. „Das bietet Einwohnern und Touristen mehr Mobilitätsoptionen“, so der Verkehrswissenschaftler.
Kameras statt Laser: Teslas umstrittener Weg
Anders als viele Konkurrenten setzt Tesla bei seinen Robotaxis ausschließlich auf Kamerasysteme – auf die teure LIDAR-Technologie verzichtet das Unternehmen komplett. Zur Untermauerung der Sicherheit veröffentlichte Tesla Daten aus den Niederlanden: Demnach sei das überwachte „Full Self-Driving“-System (FSD) dort 3,5-mal sicherer als menschliche Fahrer.
Die große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die ehrgeizigen Expansionspläne für Nevada stehen in einem bemerkenswerten Kontrast zur aktuellen Realität. Stand Juni 2026 besteht Teslas aktive Robotaxi-Flotte in Texas aus gerade einmal 59 Fahrzeugen, verteilt auf drei Städte. Das ist weit entfernt von den Prognosen aus dem Juli 2025, als das Management noch versprach, bis Ende jenes Jahres die Hälfte der US-Bevölkerung erreichen zu können.
Im Großraum Austin sind es sogar nur rund 20 Fahrzeuge auf einer Fläche von 635 Quadratkilometern. Die Folge: Bei der Hälfte aller Anfragen liegen die Wartezeiten bei über 15 Minuten, in 27 Prozent der Fälle ist gar kein Fahrzeug verfügbar. Zum Vergleich: Der Konkurrent Waymo betreibt in Texas mehr als 600 Fahrzeuge.
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Sicherheitsbilanz mit Schwächen
Die Betriebsdaten aus Texas zeigen, wie schwierig die Skalierung autonomer Systeme ist. Bis Februar 2026 verzeichnete Austin einen Unfall pro 91.700 Kilometern – das ist etwa viermal häufiger als der Durchschnitt menschlicher Fahrer. Seit Betriebsbeginn wurden zudem 17 Vorfälle der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gemeldet.
FSD 15 als Hoffnungsträger
Tesla setzt nun auf die nächste Software-Generation: FSD Version 15 soll zehn Milliarden Parameter umfassen und die entscheidenden Verbesserungen bringen. Nach dem Update peilt das Unternehmen eine aggressive Expansion für Ende 2026 oder Anfang 2027 an. Ein vollständig unbeaufsichtigtes FSD für Privatkunden wird allerdings nicht vor dem vierten Quartal 2026 erwartet.
International wächst die Testflotte ebenfalls: Dänemark ist nach den Niederlanden, Litauen und Estland das vierte europäische Land, das FSD-Tests genehmigt hat.
Profitabilität erst 2027 erwartet
Finanziell bleibt das Robotaxi-Geschäft vorerst ein Zuschussgeschäft. Teslas Finanzchef stellte klar: Gewinne sind frühestens 2027 zu erwarten. Die Produktion des speziellen „Cybercab“-Modells hat im texanischen Gigafactory bereits begonnen – als Vorbereitung auf den erhofften Rollout.
