RoboGym München: 17 Millionen Euro für KI-Trainingszentrum
19.06.2026 - 07:52:14 | boerse-global.de
Der Fachkräftemangel treibt die Technologie voran.
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„Emma“ und „Willi“ im Alltagseinsatz
In Albershausen und Berlin sind die Roboter „Emma“ und „Willi“ im aktiven Dienst. Das Münchner Startup Navel Robotics hat die humanoiden Helfer entwickelt, die Bewohner unterhalten und an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern. Rund 100 Exemplare wurden bereits verkauft. Die Anschaffung kostet etwa 31.000 Euro, hinzu kommt eine monatliche Servicegebühr von 100 Euro.
Die Berliner Hochschule für Technik begleitet den Einsatz wissenschaftlich. Erste Beobachtungen zeigen ein gespaltenes Bild: Rund 20 Prozent der Senioren begeistern sich für die Technologie, während weitere 20 Prozent jede Interaktion ablehnen. Die Fotojournalistin Paula Hornickel dokumentierte „Emma“ in einer Albershausener Einrichtung – ihre Arbeit wurde 2026 mit einem World-Press-Photo-Award in der Kategorie Europa ausgezeichnet. Hornickel beobachtete, dass Bewohner wie Waltraud zwar weiterhin den menschlichen Kontakt bevorzugen, viele aber auch die Unterhaltung mit den Maschinen genießen.
Demografischer Druck und explodierende Kosten
Die Zahlen sind alarmierend: 500.000 Pflegefachkräfte werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in Rente gehen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Pflegebedürftigen auf 5,7 Millionen im Jahr 2023 – ein Plus von 15 Prozent binnen drei Jahren.
Die finanzielle Belastung wächst rasant. Die Pflegeausgaben erreichten 2023 insgesamt 82,4 Milliarden Euro. Für die Pflegeversicherung wird bis 2027 ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro erwartet, das sich bis 2028 auf 15,4 Milliarden Euro ausweiten dürfte. Eine Studie von 2025 bezifferte die durchschnittlichen Kosten im ersten Pflegejahr auf 2.948 Euro pro Monat. Die Politik erwägt daher, die 100.000-Euro-Einkommensgrenze für den Elternbeitrag zur Pflege abzuschaffen.
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„RoboGym“: Trainingszentrum für Pflegeroboter
Um die Entwicklung voranzutreiben, entsteht am Münchner Flughafen das „RoboGym“ – ein 2.300 Quadratmeter großes Trainingszentrum. Neura Robotics und die Technische Universität München investieren 17 Millionen Euro in die Einrichtung, die Mitte 2026 eröffnen soll. Hier sollen realistische Trainingsdaten für KI-gesteuerte Roboter generiert werden.
Internationale Entwicklungen
Weltweit gewinnt die Pflegerobotik an Fahrt:
- China und Japan: In Japan forschen Wissenschaftler an Humanoiden für Alltagshilfe und gegen Einsamkeit. In China, wo Ende 2025 über 323 Millionen Menschen älter als 60 Jahre waren, soll der Markt für Pflegerobotik 2026 die Marke von zehn Milliarden Yuan (rund 1,47 Milliarden Dollar) überschreiten.
- Neue Hardware: Das Unternehmen Mind Children aus Seattle will seinen Roboter „Codey“ Ende 2026 in öffentlichen Einrichtungen einsetzen. iRobot-Mitgründer Colin Angle entwickelt „Familiar“, einen Begleitroboter mit 23 Gelenken, der 2027 auf den Markt kommen soll.
- Wissenschaftliche Bestätigung: Eine südkoreanische Studie vom Oktober 2025 belegt positive Effekte von Pflegerobotern auf das kognitive und psychische Wohlbefinden älterer Menschen.
Die Hersteller betonen, dass die Maschinen menschliches Personal ergänzen, nicht ersetzen sollen. Doch der Siegeszug der Robotik in deutschen Pflegeeinrichtungen markiert einen grundlegenden Wandel hin zu einem technologiegestützten Pflegemodell – angetrieben von einem beispiellosen Personalmangel.
