RL1-Netzwerk, Banken

RL1-Netzwerk: Zehn europäische Banken starten regulierte Blockchain

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 03:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Europäische Finanzinstitute gründen Genossenschaft für regulierte Blockchain-Infrastruktur zur Abwicklung digitaler Vermögenswerte.

Zehn europäische Banken starten reguliertes Blockchain-Netzwerk RL1
Moderner, professioneller Finanzvorstandssaal mit digitalem Netzwerkknoten auf einem Tisch, der Blockchain-Technologie repräsentiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Konsortium aus zehn europäischen Finanzinstituten hat am 28. Juli das regulierte Blockchain-Netzwerk RL1 (Regulated Layer One) gestartet. Die als europäische Genossenschaft mit Sitz in Luxemburg organisierte Initiative soll eine gemeinsame Infrastruktur für die Ausgabe und Abwicklung digitaler Vermögenswerte schaffen – und das im vollständig regulierten Rahmen.

Wer steckt dahinter?

Die Gründungsmitglieder der Genossenschaft lesen sich wie ein Who's who der europäischen Finanzbranche: ABN AMRO, Cecabank, Chartered Investment, Crédit Mutuel Alliance Fédérale, DekaBank, DZ BANK, LBBW, Natixis CIB, SC Ventures und Seturion. Jedes Institut verfügt über gleiche Stimmrechte – ein Modell, das eine neutrale Steuerung des Netzwerks sicherstellen soll.

Doch das ist erst der Anfang. Branchenkreisen zufolge führt NatWest derzeit Gespräche über einen Beitritt. Auch die staatlichen Förderbanken KfW und L-Bank unterstützen das Vorhaben.

Die operative Führung übernimmt Henning Vollbehr, zuvor bei SWIAT tätig. Er soll das Netzwerk von der technischen Entwicklungsphase in den Live-Betrieb überführen.

Technische Basis: Bewährt und reguliert

RL1 basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT), die ursprünglich von SWIAT entwickelt wurde. Mit dem Start ging das Eigentum am Produktionsnetzwerk auf die Genossenschaft über – SWIAT bleibt jedoch als Technologiepartner und Betreiber an Bord.

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Die Infrastruktur läuft bereits seit rund drei Jahren im Produktionsbetrieb. In dieser Zeit wurden über 50 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 700 Millionen Euro abgewickelt. Anders als viele öffentliche Blockchain-Protokolle ist RL1 ein berechtigungsbasiertes Netzwerk – eine eigene Kryptowährung oder einen Token gibt es nicht.

Die Plattform konzentriert sich auf klassische Finanzanwendungen:

  • Ausgabe und Handel digitaler Anleihen
  • Verwaltung tokenisierter Vermögenswerte und Sicherheiten
  • Regulierte Zahlungen und Stablecoins
  • Allgemeine Abwicklungsdienste für digitales Geld

Passgenau zur EU-Regulierung

Der Start von RL1 kommt zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt. Das Netzwerk ist auf die EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Werte (MiCA) und das DLT-Pilotregime zugeschnitten. Zudem stimmt die Genossenschaft ihre technischen Standards mit den Initiativen der Europäischen Zentralbank ab – konkret mit den Projekten Pontes und Appia, die auf die Abwicklung mit Zentralbankgeld abzielen.

Für die zweite Jahreshälfte sind bereits konkrete Meilensteine geplant. Die Pontes-Initiative der EZB soll im dritten Quartal 2026 eine wichtige Phase erreichen. Die KfW hat zudem angekündigt, bestehende digitale Anleihen im Herbst auf die RL1-Infrastruktur zu migrieren.

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Was bedeutet das für den Finanzplatz Europa?

Mit der Genossenschaftsstruktur in Luxemburg schaffen die Gründungsbanken eine stabile, europaweite Plattform, die den strengen Compliance-Anforderungen der regulierten Finanzindustrie gerecht wird. Gleichzeitig versprechen sie sich die Effizienzgewinne, die die Blockchain-Technologie verspricht – nur eben ohne die Risiken unregulierter Krypto-Netzwerke.

Die Botschaft ist klar: Europas Banken setzen nicht länger auf Experimente, sondern auf eine regulierte Blockchain-Infrastruktur für das digitale Finanzwesen von morgen.

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