RiHeart, Weltweit

RiHeart: Weltweit erste iPS-Zell-Transplantation bei schwerer Herzschwäche

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die erste RiHeart-Transplantation erfolgte in Japan; die vorläufige Zulassung verlangt Anwendungen bei insgesamt 75 Patienten.
Ein heller, steriler Krankenhausflur mit glänzenden Bodenflächen und weichem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die regenerative Medizin verzeichnet bedeutende Fortschritte bei der Behandlung schwerer Herzerkrankungen. Am Osaka Keisatsu Hospital erfolgte am 29. September 2026 die weltweit erste Transplantation des stammzellbasierten Zellprodukts RiHeart des Unternehmens Cuorips.

Behandelt wurde eine Patientin in den Fünfzigern aus der Präfektur Kanagawa, die infolge eines Herzinfarkts im Jahr 2022 unter schwerer Herzinsuffizienz litt. Der Eingriff markiert einen zentralen Meilenstein auf dem Weg von der Laborforschung hin zu klinisch anwendbaren Herzmuskelgeweben.

Erste klinische Anwendung von RiHeart in Japan

Während der rund 50-minütigen Operation unter der Leitung des Chirurgen Yoshiki Sawa wurden der Patientin drei Blätter aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) mit jeweils vier Zentimetern Durchmesser direkt auf das Herzgewebe aufgebracht. Diese Zellschichten sollen die Pumpfunktion des geschädigten Herzmuskels unterstützen.

Nach Angaben der behandelnden Ärzte verlief der Heilungsprozess ohne größere Komplikationen. Die Patientin wurde bereits am 2. Oktober 2026 von der Intensivstation auf eine Normalstation verlegt, wo die Gehrehabilitation begann.

Auf einer Pressekonferenz berichteten die Mediziner, dass die Patientin nach rund einer Woche wieder deutlich tiefer habe durchatmen können und rasch wieder gehfähig geworden sei. Die Entlassung aus der Klinik war für den 22. Oktober 2026 geplant, rund drei Wochen nach dem operativen Eingriff.

RiHeart hatte im März 2026 als weltweit erstes iPS-Zell-Regenerativprodukt eine Herstellungs- und Vertriebszulassung erhalten, seit September 2026 erfolgt eine Erstattung durch die Krankenkassen.

Die Genehmigung gilt vorläufig: Für eine reguläre Vollzulassung muss das Produkt an insgesamt 75 Patienten angewendet werden, verbunden mit einem erneuten Zulassungsantrag innerhalb einer Frist von sieben Jahren.

Cuorips plant den Einsatz an rund 20 medizinischen Einrichtungen mit dem Ziel, die geforderten 75 Behandlungen bis 2033 abzuschließen. Laut Yoshiki Sawa prüfen derzeit mehrere Kliniken den Einsatz, wobei landesweit rund zehn weitere Patienten für eine entsprechende Transplantation infrage kommen.

Anzeige

Zum ersten Mal wurde ein stammzellbasiertes Herzprodukt einem Menschen aufs Herz gelegt — und die Patientin konnte nach rund einer Woche wieder deutlich tiefer durchatmen. Was dieser Schritt für Betroffene mit schwerer Herzschwäche bedeutet, ordnet unser kostenloser Leitfaden ruhig und verständlich ein. Kostenlosen Patienten-Leitfaden jetzt anfordern

Translationale Forschung an Primatenmodellen

Parallel zum Einsatz in Japan werden in Europa verwandte Konzepte erprobt. Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Ulrich Martin und Robert Zweigerdt untersuchte gemeinsam mit dem Deutschen Primatenzentrum Göttingen die Transplantation sogenannter hiCMA – Aggregate aus Herzmuskelzellen, die aus humanen induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnen werden.

In einer in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Studie an Javaneraffen unter der Erstautorin Ina Gruh zeigte sich drei Monate nach einem experimentell herbeigeführten Infarkt eine eindeutig verbesserte Herzfunktion sowie die Ausbildung neuer menschlicher Herzmuskelfasern.

Als relevante Sicherheitsherausforderung traten jedoch vorübergehende Herzrhythmusstörungen auf. Zudem stellte sich heraus, dass von zwei getesteten Zelllinien nur eine die Organfunktion messbar verbesserte, was die Kontraktionsfähigkeit in Zellkultur zu einem wesentlichen Qualitätskriterium macht.

Langfristig zielen die durch die Europäische Union geförderten Projekte HEAL und iNDUCARE darauf ab, autologe Zellaggregate aus patienteneigenen Blutzellen zu gewinnen, um eine dauerhafte Unterdrückung des Immunsystems zu vermeiden. Eine klinische Überprüfung der Verträglichkeit am Menschen steht für diesen Ansatz noch aus.

Therapeutischer Bedarf bei chronischer Herzschwäche

Der Bedarf an regenerativen Verfahren ist angesichts der Verbreitung der Erkrankung beträchtlich. Nach Angaben des Biotech-Unternehmens Repairon sind weltweit rund fünf Prozent der Bevölkerung von chronischer Herzinsuffizienz betroffen, darunter über sechs Millionen Menschen in den USA.

Anzeige

Herzrhythmusstörungen traten in der Forschung an Primaten vorübergehend auf, und die Zulassung des ersten iPS-Herzprodukts gilt vorläufig — wer die Risiken und offenen Fragen kennen will, bevor er mit seiner Klinik spricht, findet hier eine klare Einordnung. Leitfaden zu Risiken und Zulassungsstatus sichern

Repairon entwickelt mit dem Produkt BioVAT ein Verfahren, für das nach positiven Ergebnissen einer Phase-I/II-Studie die Erprobung im Rahmen der Phase-II-Studie BioVAT-HF fortgeführt wird. Nach Unternehmensangaben konnte damit erstmals gezeigt werden, dass sich bei Patienten mit fortgeschrittener ischämischer Herzinsuffizienz zerstörtes Herzmuskelgewebe wiederherstellen lässt.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70383929 |