Rheumatologie: CAR-T-Zellen erreichen 34% Verbesserung bei Arthritis
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 16:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf dem Deutschen Rheumatologiekongress 2026, der im September im Congress Center Leipzig stattfindet, stehen innovative Behandlungsansätze für schwere entzündlich-rheumatische Erkrankungen im Mittelpunkt. Fachleute diskutieren insbesondere das Potenzial von CAR-T-Zellen, neue Erkenntnisse zum Einfluss von Adipositas auf Entzündungsprozesse sowie aktuelle Leitlinien und medikamentöse Entwicklungen.
Zelluläre Therapien als Hoffnungsträger bei Autoimmunerkrankungen
Ein zentrales Thema der wissenschaftlichen Debatte ist der Einsatz von CAR-T-Zellen und T-Zell-Engagern (CD19). Erste Ergebnisse zeigen, dass diese ursprünglich aus der Onkologie stammenden Verfahren bei refraktärem systemischem Lupus erythematodes, systemischer Sklerose und idiopathischen Myopathien anhaltende Remissionen erzielen können. In einigen Fällen war im Anschluss keine Dauermedikation mehr erforderlich.
Ergänzend dazu untersuchte eine in Nature Medicine veröffentlichte Studie der Charité vom 27. August 2026 die Wirkung von CD19 CAR-T-Zellen (miv-cel/KYV-101) bei sechs Patienten mit schwer behandelbarer rheumatoider Arthritis (RA). Laut den Ergebnissen sank der DAS28-CRP-Median um rund 34 %. Drei der behandelten Personen erreichten eine Remission sowie ein ACR70-Ansprechen.
Zudem wurde ein Abfall der Antikörper um mehr als 90 % beobachtet. Trotz dieser Erfolge weisen Experten der DGRh darauf hin, dass bisher nur frühe Studien der Phasen 1 und 2 sowie Fallserien vorliegen. Risiken wie das Zytokin-Freisetzungssyndrom und neurologische Komplikationen erfordern zudem einen Einsatz ausschließlich in erfahrenen Zentren.
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Für seine Forschung in diesem Bereich wird Prof. Georg Schett vom Universitätsklinikum Erlangen im November 2026 in Berlin als „Falling Walls Science Breakthrough of the Year“ in den Life Sciences ausgezeichnet. Sein Ansatz zielt darauf ab, krankheitsverursachende Zellen zu eliminieren und das Immunsystem neu zu programmieren.
Der Zusammenhang zwischen Adipositas und Entzündung
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt befasst sich mit den Auswirkungen von starkem Übergewicht auf rheumatische Erkrankungen. Prof. Ulf Wagner vom Universitätsklinikum Leipzig präsentierte Ergebnisse zu den immunologischen Veränderungen nach bariatrischen Operationen.
In einer Untersuchung mit 111 adipösen Probanden (mittlerer BMI 48,4 kg/m²) wurde ein durchschnittlicher Gewichtsverlust von 44,5 kg innerhalb von 12 Monaten dokumentiert. Parallel dazu sanken Entzündungswerte, Blutfette und der HbA1c-Wert.
Leipziger Studien deuten darauf hin, dass bei Adipositas bestimmte intermediäre Monozyten vermehrt auftreten, die – ähnlich wie bei rheumatoider Arthritis – Th17-Zellen fördern und somit Gelenkentzündungen sowie Knochenabbau begünstigen können.
Angesichts einer Adipositas-Prävalenz von 19,7 % unter Erwachsenen in Deutschland planen Forschende nun eine randomisierte placebokontrollierte Studie mit 200 Teilnehmenden. Dabei soll der Einsatz von Colchicin und Interleukin-1-Blockaden bei Menschen mit Adipositas und Insulinresistenz untersucht werden.
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Fortschritte in Klinik und Pharmakologie
Neben zellulären Ansätzen gibt es Entwicklungen bei etablierten Wirkstoffen. Forschende der Universitätsmedizin Greifswald konnten im Tiermodell zeigen, dass der gegen RA zugelassene IL-1-Rezeptorblocker Anakinra entzündungsbedingte Gewebeschäden bei Pankreatitis reduzieren kann. Klinische Studien am Menschen stehen hierzu noch aus.
Im Bereich der Pharmakotherapie erhielt das Unternehmen UCB von der FDA die „Breakthrough Therapy Designation“ für den Wirkstoff Certolizumab Pegol (CIMZIA). Dieser soll zur Prävention unerwünschter Schwangerschaftsausgänge bei Frauen mit Antiphospholipid-Syndrom (APS) eingesetzt werden.
Für die klinische Praxis relevant ist zudem die Veröffentlichung der S2e-Leitlinie zur Polymyalgia rheumatica im Jahr 2025. Diese beziffert die Inzidenz bei über 50-Jährigen auf bis zu 113 pro 100.000 Einwohner jährlich, wobei Frauen zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind.
Der Kongress wird durch praxisnahe Angebote ergänzt, darunter ein Patiententag der Rheuma-Liga Sachsen am 12. September sowie ein Charitylauf der Deutschen Rheumastiftung am Kongress-Samstag.
Forschungsergebnisse aus Heidelberg unterstreichen unterdessen die ökonomische Dimension moderner Therapien: CAR-T-Behandlungen kosten derzeit mehrere Hunderttausend Euro pro Person, weshalb die Identifikation von Biomarkern zur Erfolgsprognose an Bedeutung gewinnt.
