Rheumatoide Arthritis: Lungenfolgen sind für bis zu 20 Prozent der Todesfälle verantwortlich
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Sportmedizin und Rheumatologie gewinnt das Verständnis von Entzündungsprozessen zunehmend an Bedeutung. Fachbeiträge zeigen, dass eine kontrollierte Entzündungsauflösung eine essenzielle Rolle für die Regeneration nach Sportverletzungen spielt, während fehlgesteuerte, chronische Entzündungen bei Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis schwere systemische Gefahren für innere Organe bergen.
Wie Prof. Götz H. Welsch von der Orthopädischen Sportmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) darlegt, ist eine akute Entzündung die grundlegende Voraussetzung für die Heilung, darf jedoch nicht in ein chronisches Stadium übergehen.
Entzündungsmodulation statt pauschaler Unterdrückung
Klassische Behandlungsansätze setzen häufig auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Cortison. Nach Einschätzung von Prof. Welsch können diese Wirkstoffe die Regeneration jedoch verzögern. Statt die Entzündung vollständig zu unterdrücken, solle sie vielmehr gezielt moduliert werden. Zur Unterstützung dieser Prozesse verweist der Mediziner auf Supplemente wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D.
Die praktische Umsetzung verdeutlicht Prof. Welsch anhand eines Fallbeispiels: Ein 21-jähriger Profifußballer erlitt ein Supinationstrauma des oberen Sprunggelenks (OSG).
Die Magnetresonanztomographie bestätigte eine Ruptur des Ligamentum fibulotalare anterius (LFTA) sowie eine Teilruptur des Ligamentum fibulocalcaneare (LFC), während Syndesmose und Innenband intakt blieben. Das therapeutische Vorgehen umfasste Lymphdrainage, die Gabe von Traumeel S als Salbenverband und in oraler Form, eine Orthese sowie die Anwendung des sogenannten Low-X-Konzepts.
Unter dieser gezielten Modulation konnte der Athlet nach zwei Tagen wiederbelasten, stieg nach zwei Wochen in das fußballspezifische Training ein und absolvierte nach drei Wochen wieder das volle Mannschaftstraining.
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Der aktive Mechanismus der Entzündungsauflösung
Die biochemischen Grundlagen dieses Vorgangs beschreibt Prof. Oliver Werz vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie an der Universität Jena. Demnach handelt es sich bei der Entzündungsauflösung um einen aktiven Prozess.
Während sogenannte M1-Makrophagen proinflammatorische Lipidmediatoren wie Leukotriene und Prostaglandine freisetzen, bilden M2-Makrophagen spezialisierte pro-resolvierende Mediatoren (SPMs), zu denen Lipoxine, Resolvine, Maresine und Protektine zählen. Ein funktionierender Klassenwechsel dieser Lipidmediatoren sei für den Abschluss der Entzündung unverzichtbar.
Klassische NSAR wie Ibuprofen hemmen laut Prof. Werz die Enzyme COX-1 und COX-2 und behindern dadurch die physiologische Entzündungsauflösung. Zudem bergen sie bekannte Risiken für Nebenwirkungen wie Magenblutungen, Niereninsuffizienz und Gerinnungsstörungen. Als Multitarget-Modulatoren hebt Werz alternative Substanzen hervor, darunter Boswellia-Säuren (AKBA), Cannabinoide und Celastrol.
Im wissenschaftlichen Fokus stehen zudem komplexe Wirkstoffkombinationen wie Traumeel S (Tr14), das aus 14 Wirkstoffen besteht. In Laboruntersuchungen von Prof. Werz an humanen M2-Makrophagen verstärkte Tr14 in vitro die Bildung von SPMs.
Im Mausmodell einer Zymosan-Peritonitis zeigte sich unter Tr14 eine erhöhte Resolvin-Produktion nach 24 Stunden sowie nach 15 Tagen. Zudem verringerte sich die Zahl der Neutrophilen nach acht Stunden, das Auflösungsintervall verkürzte sich um 5,9 Stunden und nach vier Stunden war eine höhere Zahl efferozytierender Makrophagen nachweisbar.
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Gefahren systemischer Chronifizierung bei rheumatoider Arthritis
Gelingt die Auflösung der Entzündung nicht, drohen dauerhafte Schäden. Bei der rheumatoiden Arthritis führen fehlgesteuerte Immunzellen zu chronischen Gelenkentzündungen, die Knorpel und Knochen zerstören. Die entzündlichen Prozesse beschränken sich jedoch oft nicht auf den Bewegungsapparat: In der Folge kann auch die Lunge lebensbedrohlich geschädigt werden.
Eine durch die Erkrankung ausgelöste interstitielle Lungenerkrankung (RA-ILD) ist nachweislich für etwa 10 bis 20 Prozent der Mortalität bei rheumatoider Arthritis verantwortlich. Dies unterstreicht die medizinische Notwendigkeit, Entzündungsreaktionen im Körper frühzeitig und zielgerichtet zu steuern.
