Rheumatoide, Arthritis

Rheumatoide Arthritis: Kardiovaskuläres Risiko 55% höher als normal

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 19:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien zeigen Fortschritte bei Entzündungsdiagnostik, Arthritistherapie und KI-Systemen für individuellere medizinische Entscheidungen.

Personalisierte Medizin: Labordiagnostik wird präziser und digitaler
Moderne Laborausstattung mit Zentrifugenröhrchen auf einem Labortisch in einer sterilen medizinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Labordiagnostik rückt zunehmend in den Mittelpunkt der personalisierten Medizin, wenn es darum geht, Entzündungsprozesse präziser zu erfassen und gezielter zu behandeln. Fachsymposien und aktuelle Studien aus mehreren Forschungseinrichtungen verdeutlichen, wie sich Diagnostik und Therapie chronisch-entzündlicher Erkrankungen derzeit wandeln.

Symposium der kroatischen Fachgesellschaft

Die Kroatische Gesellschaft für medizinische Biochemie und Labormedizin widmete ihr 36. Symposium der Rolle der Labordiagnostik in der personalisierten Medizin.

Im Rahmen der Veranstaltung, dokumentiert in der Fachzeitschrift Biochemia Medica (Jahrgang 36, Heft 3, 2026), wurden unter anderem CFTR-Modulatoren, Neugeborenenscreening, spinale Muskelatrophie, Krebsgenetik und Pharmakogenomik behandelt.

Der Beitrag war im Dezember 2025 eingereicht und im Juni 2026 angenommen worden. Die Themenauswahl zeigt, wie breit sich molekulare und genetische Diagnostikverfahren mittlerweile in unterschiedlichen Krankheitsbereichen etabliert haben – von seltenen Erbkrankheiten bis zur Onkologie.

Rheumatoide Arthritis: Kardiovaskuläres Risiko im Fokus

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) machte kürzlich auf die besondere Situation älterer Patientinnen und Patienten aufmerksam. Der Anteil der Über-65-Jährigen liegt in Deutschland bei knapp einem Viertel, was nach Einschätzung der Fachgesellschaft eine präzisere statt eine zurückhaltendere Behandlung erfordert.

Besonders relevant ist dabei das kardiovaskuläre Risiko: Bei rheumatoider Arthritis liegt das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse laut DGRh rund 55 Prozent über dem der Allgemeinbevölkerung.

Die Fachgesellschaft empfiehlt daher eine kardiovaskuläre Risikoabschätzung mindestens alle fünf Jahre, bei Hochrisikopatientinnen und -patienten jährlich – ein Beispiel dafür, wie Diagnostik und Risikostratifizierung enger verzahnt werden.

Neue Therapieansätze bei schwer behandelbarer Arthritis

Wie eng Labordiagnostik und Therapieentwicklung inzwischen zusammenhängen, zeigt die COMPARE-Studie der Charité und des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums (DRFZ), veröffentlicht in Nature Medicine.

Sechs Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 31 und 69 Jahren mit schwer behandelbarer rheumatoider Arthritis, die bereits bis zu acht Vortherapien durchlaufen hatten, zeigten unter einem neuen, weiterhin experimentellen Therapieansatz eine deutlich zurückgehende Krankheitsaktivität. Bei drei von ihnen hielt die Remission bis zu einem Jahr ohne Rheumamedikamente an.

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Molekulare Diagnostik über die Rheumatologie hinaus

Auch außerhalb der Rheumatologie liefert aktuelle Forschung Impulse für die personalisierte Labordiagnostik. Eine Studie von BIH/Charité, Queen Mary University of London und Genomics England, veröffentlicht in Science Translational Medicine, nutzte ein Multiplex-Screening von knapp 1.500 Blutproteinen, um bislang ungeklärte Fälle aus dem 100.000-Genomes-Projekt aufzuklären – etwa im Fall des Gens TIE1 bei einer erblichen Herzerkrankung.

Eine Studie von Julia El-Sayed Moustafa vom King's College London, veröffentlicht in Science, untersuchte 335 Frauen der TwinsUK-Kohorte im Alter zwischen 32 und 80 Jahren über bis zu acht Jahre. Über einen medianen Zeitraum von sechs Jahren veränderten sich demnach mehr als 5.000 Gene und 181 Metabolite, darunter TP53 und CXCL9 – Erkenntnisse, die auch für die Einordnung altersbedingter Entzündungsprozesse relevant sein könnten.

Digitale Werkzeuge ergänzen die Labordiagnostik

Neben molekularen Verfahren gewinnen digitale und KI-gestützte Systeme an Bedeutung. Eine Studie von Prof. Jakob N. Kather von der TU Dresden, veröffentlicht in Nature Medicine, beschreibt ein lokal betriebenes KI-System auf Basis von MIRA, das in zwei Tests 84 beziehungsweise 90 Prozent korrekte Diagnosen erzielte und bei 181 untersuchten Fällen eine Übereinstimmung von über 90 Prozent mit dem ärztlichen Konsens erreichte.

Ergänzend dazu startet ein von BIFOLD/TU Berlin koordiniertes Konsortium mit LMU München und UKE Hamburg zum 1. Oktober 2026 ein Projekt zur dynamischen Onkologie-Diagnostik, das histopathologische Bilder mit molekularen und klinischen Daten verknüpfen soll. Es wird über drei Jahre mit 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Förderlinie „Zukunft eHealth" des BMFTR gefördert und steht unter Leitung von Dr. Mina Jamshidi Idaji.

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Fazit

Die verschiedenen Entwicklungen – vom kroatischen Fachsymposium über rheumatologische Risikobewertung bis zu molekularen und KI-gestützten Diagnostikansätzen – zeigen einen gemeinsam Trend: Labordiagnostik wird zunehmend granularer und individueller, um Entzündungsprozesse nicht nur zu erkennen, sondern auch ihren Verlauf und ihre Risiken präziser einzuschätzen. Für Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen könnte dies langfristig zu passgenaueren Therapieentscheidungen führen.

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