Rheumatoide Arthritis: CAR-T-Zelltherapie bringt 50% in Remission
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 09:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Behandlung der rheumatoiden Arthritis deuten aktuelle Forschungsergebnisse auf einen signifikanten Fortschritt für Patienten hin, die auf herkömmliche Therapien nicht mehr ansprechen.
Eine klinische Untersuchung der Charité Berlin, deren Resultate in der Fachzeitschrift Nature Medicine publiziert wurden, untersuchte den Einsatz der CD19-CAR-T-Zelltherapie bei einer kleinen Gruppe schwer erkrankter Personen. Dieser ursprünglich für die Krebsbehandlung entwickelte Ansatz zeigt demnach das Potenzial, die Krankheitsaktivität bei entzündlichem Rheuma dauerhaft zu senken.
Studienergebnisse der Charité Berlin zur Behandlung therapierefraktärer Patienten
Im Fokus der sogenannten COMPARE-Phase-1-Studie standen sechs Erwachsene – drei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 31 und 69 Jahren. Das Patientenkollektiv war durch eine besonders schwere Form der rheumatoiden Arthritis gekennzeichnet, die als therapierefraktär galt. In den vorangegangenen zehn Jahren waren bei diesen Patienten bis zu acht verschiedene biologische oder gezielte Therapien (Targeted-Therapien) erfolglos geblieben.
Nach einer einmaligen Infusion der CD19-CAR-T-Zellen beobachteten die Mediziner bei allen sechs Teilnehmern eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität. Ein Jahr nach der Behandlung befanden sich drei der sechs Patienten in einer anhaltenden Remission, ohne dass weitere Medikamente eingenommen werden mussten. Zudem stellten die Forscher fest, dass die Konzentration der Autoantikörper über den Zeitraum von 12 Monaten stark gesunken war.
Immunologische Rekonstruktion und Sicherheitsprofil
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung betraf die Erholung des Immunsystems nach dem Eingriff. Die CD19-CAR-T-Zelltherapie zielt darauf ab, B-Zellen, die bei Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle spielen, gezielt zu eliminieren. Die Daten der Charité zeigen, dass sogenannte naive B-Zellen nach der Therapie in den Organismus zurückkehrten. Gleichzeitig blieb der Immunschutz durch Impf-Antikörper, etwa gegen Tetanus oder Windpocken, erhalten.
Wenn Biologika und Targeted-Therapien nacheinander versagen, wächst die Sorge vor fortschreitender Gelenkzerstörung. Die Charité-Studie zur CD19-CAR-T-Zelltherapie zeigt bei sechs schwer erkrankten Patienten eine deutliche Senkung der Krankheitsaktivität — drei erreichten eine anhaltende Remission ohne Medikamente. Unser kostenloser Report ordnet die Ergebnisse verständlich ein und hilft Ihnen, das nächste Arztgespräch vorzubereiten. Kostenlosen Rheuma-Report jetzt anfordern
Hinsichtlich der Verträglichkeit berichteten die Forscher über ein mildes bis moderates Zytokin-Freisetzungssyndrom, das bei allen sechs Patienten als Nebenwirkung auftrat. Diese Reaktion ist bei CAR-T-Zell-Behandlungen bekannt und tritt häufig während der Aktivierungsphase der modifizierten Zellen im Körper auf.
Einordnung und Ausblick auf künftige Forschungsphasen
Die Relevanz solcher Forschungsansätze wird durch die Verbreitung rheumatischer Erkrankungen unterstrichen. In Deutschland sind nach Schätzungen rund 17 Mio. Menschen von einer Form der rheumatischen Erkrankung betroffen.
Davon leiden etwa 1,8 Mio. Menschen an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis. Für Patienten, bei denen herkömmliche Behandlungsstrategien versagen, stellt die CAR-T-Zelltherapie somit ein wichtiges Untersuchungsfeld dar.
Ständige Medikamenteneinnahme, Nebenwirkungen, das Gefühl, dass die nächste Spritze auch nicht mehr hilft — viele Rheuma-Patienten kennen diesen Kreislauf. Die COMPARE-Phase-1-Studie der Charité untersucht einen anderen Weg: eine einmalige Zellinfusion, die bei therapierefraktärer rheumatoider Arthritis die Krankheitsaktivität deutlich senkte. Unser Leitfaden erklärt in Alltagssprache, was das für Sie bedeuten könnte — und welche Fragen Sie Ihrem Rheumatologen jetzt stellen sollten. Leitfaden zur CAR-T-Zelltherapie bei Rheuma sichern
Auf Basis der bisherigen Ergebnisse ist eine Phase-2-Studie geplant. In diesem nächsten Schritt sollen zehn weitere Patienten in die Untersuchung einbezogen werden. Dabei ist auch ein direkter Vergleich der Wirksamkeit mit etablierten B-Zell-Medikamenten vorgesehen, um die Positionierung der CAR-T-Zelltherapie innerhalb der rheumatologischen Behandlungsoptionen präziser bestimmen zu können.
Die bisherigen Beobachtungen der COMPARE-Studie stützen die Hypothese, dass eine einmalige Zellinfusion eine langfristige medikamentenfreie Kontrolle der Erkrankung ermöglichen könnte.
