Rheumatoide Arthritis: CAR-T-Zellen erzielen 36-52 Wochen Remission
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die klinische Forschung im Bereich der rheumatischen Autoimmunerkrankungen hat Ende August und Anfang September 2026 bedeutende Datenpunkte geliefert.
Während innovative Ansätze mit modifizierten Immunzellen bei der rheumatoiden Arthritis (RA) bemerkenswerte klinische Erfolge erzielen konnten, verdeutlichen aktuelle Studien zum systemischen Lupus erythematodes (SLE) die Komplexität der Patientenselektion und die Notwendigkeit einer präziseren Diagnostik bei der Wirkstoffentwicklung.
Langfristige Remission bei rheumatoider Arthritis durch CAR-T-Zellen
In einer Ende August 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichten Untersuchung wurden vielversprechende Ergebnisse der Phase-1-COMPARE-Studie zur Anwendung von CAR-T-Zelltherapien bei rheumatoider Arthritis vorgestellt.
Wissenschaftler der Charité Berlin untersuchten dabei den Einsatz von Mivocabtagen-Autoleucel (miv-cel) bei insgesamt sechs Patienten, bestehend aus drei Männern und drei Frauen im Alter zwischen 31 und 69 Jahren.
Alle Probanden litten unter einer schweren, therapierefraktären und seropositiven RA und hatten zuvor bereits zwischen vier und acht verschiedene Therapien ohne dauerhaften Erfolg durchlaufen.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die CAR-T-Zellen in der Lage waren, CD19-positive B-Zellen nicht nur im Blut, sondern auch in den Geweben effektiv zu eliminieren. In der Folge erreichten drei der sechs Patienten eine anhaltende Remission über einen Zeitraum von 36 bis 52 Wochen, wobei sie vollständig auf begleitende Medikamente wie DMARDs oder Glucocorticoide verzichten konnten.
Die Autoantikörper bei den behandelten Personen sanken um mehr als 90 %. Der Krankheitsaktivitäts-Score DAS28-CRP verringerte sich bis zur Woche 24 um 49 % und lag bei der letzten Nachbeobachtung noch um 34 % unter dem Ausgangswert. Drei Patienten erreichten zudem das ACR70-Kriterium, was eine deutliche Verbesserung der klinischen Symptomatik belegt.
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Hinsichtlich der Sicherheit wurde ein akzeptables Profil beobachtet. Als wesentliche Nebenwirkung trat ein leichtes bis mittelschweres Zytokin-Freisetzungssyndrom auf. Auf Basis dieser Daten ist für die weitere klinische Entwicklung eine Phase-2-Studie mit zehn Patienten geplant, in der die Wirksamkeit von miv-cel im direkten Vergleich mit einem bereits zugelassenen Medikament geprüft werden soll.
Herausforderungen bei der Behandlung von systemischem Lupus erythematodes
Parallel zu den Fortschritten in der Zelltherapie wurden Anfang September 2026 Ergebnisse aus der Phase-2b-LUMUS-Studie des Unternehmens Alumis bekannt. In dieser Untersuchung wurde der Wirkstoff Envudeucitinib an 408 Patienten mit systemischem Lupus erythematodes getestet.
In der Gesamtpopulation verfehlte die Studie jedoch sowohl die primären als auch die sekundären Endpunkte. Der primäre BICLA-Endpunkt wurde bei einer Dosierung von 40 mg zweimal täglich (BID) von 41,0 % der Patienten erreicht, während die Placebo-Gruppe bei 35,7 % lag.
Detaillierte Analysen der Studiendaten zeigten jedoch signifikante Unterschiede innerhalb vordefinierter Patientengruppen. In der sogenannten IFNGS-high-Subgruppe, die durch eine hohe Interferon-Gensignatur gekennzeichnet ist, konnten robuste Ansprechraten erzielt werden. Hier lag der BICLA-Wert bei 52,6 % gegenüber 28,6 % in der Placebo-Gruppe.
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Auch weitere klinische Parameter wie SRI-4, CLASI-50 und LLDAS zeigten in dieser spezifischen Gruppe positive Tendenzen. Der Anteil der Patienten mit einer niedrigen Interferon-Signatur (IFNGS-low) war in der Gesamtstudie mit 40 % höher ausgefallen als ursprünglich erwartet. Die IFNGS-high-Subgruppe umfasste dabei 62,4 % der Placebo-Gruppe.
Regulatorische Perspektiven und Marktreaktion
Die pharmakodynamischen Auswertungen der Alumis-Studie belegten eine dosisabhängige Zielbindung des Wirkstoffs, die bei der 40-mg-Dosierung ihr Maximum erreichte. Das Sicherheitsprofil wurde als gut bewertet, wobei keine neuen Sicherheitssignale auftraten.
Trotz der verfehlten Primärziele für die Gesamtpopulation plant das Unternehmen, Gespräche mit Regulierungsbehörden wie der FDA und der EMA aufzunehmen. Ziel dieser Treffen soll die Abstimmung über eine Phase-3-Studie sein, die sich spezifisch auf die IFNGS-high-Patienten konzentriert.
An den Finanzmärkten führten die Nachrichten Anfang September 2026 zu einer deutlichen Reaktion. Die Aktie von Alumis verzeichnete an der Nasdaq einen Kursrückgang von etwa 55 %. Ungeachtet der Ergebnisse im Bereich Lupus hält das Unternehmen an seinem Zeitplan für andere Indikationen fest. Die Einreichung eines Zulassungsantrags (NDA) für Envudeucitinib zur Behandlung von Plaque-Psoriasis bleibt weiterhin für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
