Rheumatoide, Arthritis

Rheumatoide Arthritis: CAR-T-Zellen bringen 83% der Patienten in Remission

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Charité-Studie meldet Besserungen und Remissionen durch CAR-T-Zellen bei schwerer rheumatoider Arthritis, doch die Datenbasis bleibt klein.

CAR-T-Therapie zeigt bei schwerer Rheuma-Erkrankung Wirkung
Ein steriles, modernes Laborumfeld mit einer Petrischale und einer klaren Flüssigkeit, das den wissenschaftlichen Fokus auf Immuntherapieforschung verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Immuntherapien, die ursprünglich für die Krebsbehandlung entwickelt wurden, rücken zunehmend als Option für schwere, therapierefraktäre Autoimmunerkrankungen in den Fokus der Forschung.

Eine an der Charité Berlin durchgeführte Studie namens COMPARE, deren Ergebnisse in Nature Medicine veröffentlicht wurden, liefert dazu neue Daten: Bei sechs Patienten mit schwerer rheumatoider Arthritis, die auf herkömmliche Behandlungen nicht mehr ansprachen, zeigte eine CD19-CAR-T-Zelltherapie eine deutliche Reduktion der Krankheitsaktivität.

Deutliche Remissionsraten in der COMPARE-Studie

Laut den veröffentlichten Daten kam es bei 67 Prozent der Patienten zu einer Reduktion der geschwollenen Gelenke um mindestens die Hälfte, bei 83 Prozent zeigte sich eine klinische Besserung. Besonders bemerkenswert: Drei der sechs behandelten Patienten befanden sich nach zwölf Monaten Nachbeobachtung in anhaltender Remission – ohne weitere Medikamenteneinnahme. Die Nachbeobachtungszeit erstreckte sich in der Studie auf bis zu ein Jahr.

Das therapeutische Prinzip zielt auf B-Zellen ab, die für die Produktion von Autoantikörpern verantwortlich sind, welche bei rheumatoider Arthritis die Gelenkentzündung antreiben. Durch die gezielte Entfernung dieser krankheitsverursachenden Zellen soll das Immunsystem gewissermaßen zurückgesetzt werden.

Als Nebenwirkungen der Behandlung werden ein Zytokinfreisetzungssyndrom sowie eine vorübergehende B-Zell-Depletion beschrieben – Effekte, die auch aus dem Einsatz von CAR-T-Zelltherapien in der Onkologie bekannt sind.

Weltweite Erfahrung noch begrenzt

Die CAR-T-Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen befindet sich insgesamt noch in einem frühen Stadium. Weltweit wurden bislang rund 50 Patienten mit diesem Ansatz behandelt, ein Großteil davon in Deutschland. Als weitere Entwicklungsrichtung gelten CAR-Treg-Zellen, ein Ansatz, der im Zusammenhang mit dem Nobelpreis 2025 an Bedeutung gewonnen hat.

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Auch außerhalb Deutschlands wird das Konzept erprobt: In Italien erfolgte im Rahmen der sogenannten Catarsis-Studie im Dezember 2025 die erste CAR-T-Behandlung bei systemischer Sklerodermie. Die Studie umfasst acht erwachsene Patienten und sieht eine Nachbeobachtung über zwei Jahre vor.

Bei pädiatrischen Patienten mit Lupus wird zudem von fünf Kindern berichtet, die in Remission gebracht werden konnten. Diese Entwicklungen sollen unter anderem auf einem Kongress der Fachgesellschaft SIR Campania Mitte September in Neapel diskutiert werden.

Parallel: Antikörper-Ansatz an der Uniklinik Minden

Neben zellbasierten Therapien wird auch an antikörperbasierten Alternativen gearbeitet. An der Uniklinik Minden wird als erstem Standort weltweit ein neues Antikörper-Präparat eines US-Herstellers gegen Rheuma getestet.

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Ziel ist eine vergleichsweise kurze, vierzehntägige Behandlung, nach der Patienten idealerweise keine weiteren Medikamente mehr benötigen. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die für die Erkrankung verantwortlichen Rheumazellen bereits nach vier Wochen verschwinden.

Die Studie ist als langfristiges Vorhaben über einen Zeitraum von rund fünf Jahren angelegt, an dem weitere Universitätskliniken weltweit beteiligt sein sollen. Auch hier gilt: Schwere Nebenwirkungen sind möglich, und die genaue Dosierung ist bislang noch nicht abschließend geklärt.

Einordnung

Die parallel verlaufenden Entwicklungen – CAR-T-Zelltherapien bei rheumatoider Arthritis, Sklerodermie und Lupus sowie antikörperbasierte Ansätze wie in Minden – deuten auf einen breiteren Trend hin, immunologische Werkzeuge aus der Krebstherapie für schwere, sonst kaum behandelbare Autoimmunerkrankungen nutzbar zu machen.

Die bislang vorliegenden Patientenzahlen sind jedoch klein, die Nachbeobachtungszeiten größtenteils auf ein bis zwei Jahre begrenzt. Ob sich die beobachteten Remissionen dauerhaft halten und die Verfahren sich für eine breitere Patientenpopulation eignen, muss sich in den kommenden, länger angelegten Studien erst noch zeigen.

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