Rheumatoide Arthritis: 24 Wochen bis zur rheumatologischen Begutachtung
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine engere Abstimmung zwischen der Primärversorgung und der fachärztlichen Rheumatologie kann dazu beitragen, den langfristigen und schädlichen Übergebrauch von Glukokortikoiden bei rheumatischen Erkrankungen zu verringern.
Wie aus Fachbeiträgen auf der medizinischen Plattform Medscape hervorgeht, werden diese Präparate häufig als überbrückende Therapie verordnet. Dabei findet die Überverschreibung vor allem im Bereich der primärärztlichen Versorgung statt.
Internationale Fachgesellschaften weisen seit Längerem auf die Risiken hin. Das American College of Rheumatology (ACR) empfiehlt, bei Glukokortikoiden stets die niedrigste wirksame Dosis über die kürzestmögliche Dauer zu verabreichen. Auch die European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) hält fest, dass ein kurzzeitiger Einsatz dieser Wirkstoffe zwar möglich sei, im Anschluss jedoch ein rasches Ausschleichen erfolgen müsse.
Wartezeiten verzögern zielgerichtete Behandlungen
Ein wesentlicher Treiber für den längeren Einsatz von Brückentherapien sind Verzögerungen beim Zugang zu Fachärzten. Eine kanadische Untersuchung ermittelte bei systemischen entzündlichen Rheumaerkrankungen eine Spanne von median 66 Tagen von der Überweisung bis zur rheumatologischen Beurteilung.
In Europa zeigen Daten noch größere Abstände: Eine europäische Studie beziffert die Zeitspanne vom Auftreten erster Symptome einer rheumatoiden Arthritis bis zur Begutachtung durch Rheumatologen auf median 24 Wochen.
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Um diese Lücken zu schließen, werden vermehrt koordinierte Versorgungsansätze und elektronische Konsultationen erprobt. Erfahrungen mit Programmen für sogenannte e-Consults in den USA und in Kanada deuten darauf hin, dass sich rund 40 Prozent der Anfragen ohne einen persönlichen Vor-Ort-Termin in einer Praxis lösen lassen.
Schnittstellenprobleme und Versorgungskoordination
Die reibungslose Kooperation zwischen Hausärzten und Spezialisten betrifft neben der Medikation auch begleitende Maßnahmen wie Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen. Im Bereich der pädiatrischen Rheumatologie weist eine Erhebung auf deutliche Unterschiede in der Kommunikation zwischen Fachärzten, Primärversorgern und betroffenen Familien hin, wodurch Impfchancen verpasst werden könnten.
Kinder mit rheumatologischen Erkrankungen, die immunsuppressive Therapien erhalten, tragen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen durch infektionsbedingte, impfpräventable Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund wird ein Bedarf an standardisierten Verfahren und einem besseren Austausch betont.
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Auch in Deutschland steht das Verhältnis zwischen den Versorgungsebenen im Fokus. Daten aus einem Faktencheck des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigen, dass mehr als zwei Drittel der hausärztlich betreuten Patienten im Verlauf eines Jahres auch fachärztlich behandelt werden.
Eine fachärztliche Mitbehandlung sei für einen großen Teil der kontinuierlich hausärztlich versorgten Bevölkerung ein regulärer Bestandteil des Geschehens, betonte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.
Das Zentralinstitut warnte in diesem Zusammenhang vor einer festen Quote von 80 Prozent für die reine Hausarztbehandlung. Entscheidend bleibe ein bedarfsgerechter Einsatz der vorhandenen Kapazitäten anstelle des Ziels, Patienten ausschließlich in der primärärztlichen Versorgung zu halten.
Auf politischer Ebene wird die künftige Ausgestaltung des Primärarztsystems geprüft, konkrete Beschlüsse zu möglichen Quotenregelungen liegen bislang jedoch nicht vor.
