Rheumatische, Erkrankungen

Rheumatische Erkrankungen: Herzrisiko bis 5x höher – neue DGRh-Leitlinie

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DGRh veröffentlicht eine umfassende S3-Leitlinie zur Senkung kardiovaskulärer Risiken bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, inklusive neuer Screening-Empfehlungen.

Neue S3-Leitlinie der DGRh: Herz-Kreislauf-Risiko bei Rheuma-Patienten senken
Stethoskop und medizinische Unterlagen auf einem Schreibtisch als Symbol für die kardiovaskuläre Vorsorge bei Rheuma. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen unterliegen einer deutlich erhöhten Gefahr für Herz-Kreislauf-Komplikationen. Um dieser medizinischen Herausforderung zu begegnen, hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im Sommer 2026 eine neue S3-Leitlinie vorgelegt. Dieses Regelwerk deckt erstmals das gesamte Spektrum entzündlich-rheumatischer Krankheitsbilder ab und legt den Fokus auf eine systematische Senkung des kardiovaskulären Risikos.

Erhöhte Morbidität bei rheumatischen Krankheitsbildern

Die Notwendigkeit einer spezifischen Leitlinie ergibt sich aus den signifikant erhöhten Risikoraten für schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse (MACE). Analysen im Rahmen der Leitlinienerstellung zeigen, dass das MACE-Risiko bereits bei einer rheumatoiden Arthritis (RA) um etwa 55 % gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht ist. Noch deutlicher treten die Risiken bei anderen Krankheitsbildern hervor: Bei systemischem Lupus erythematodes (SLE) sowie Myositis verdoppelt sich das Risiko nahezu, während es bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden mehr als das Dreifache des Standardwerts erreicht.

Besonders kritisch wird die Gefahr von Schlaganfällen und Myokardinfarkten eingestuft. Ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko wurde bei Patienten mit SLE, Polymyalgia rheumatica (PMR) und verschiedenen Vaskulitiden festgestellt. Ein Myokardinfarkt tritt bei SLE-Patienten fast dreimal so häufig auf wie im Bevölkerungsdurchschnitt; bei der Polymyalgia rheumatica liegt das Risiko sogar um das Drei- bis Fünffache höher. Zudem zeigen Daten eine starke Gefährdung für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), insbesondere bei SLE, systemischer Sklerose und PMR.

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Medikamentöse Einflüsse und kardioprotektive Effekte

Die medikamentöse Therapie spielt eine Doppelrolle bei der Risikokontrolle. Die Leitlinie stuft Methotrexat (MTX) sowie TNF-Inhibitoren (TNFi) mit dem Empfehlungsgrad B als kardioprotektiv ein. Den vorliegenden Daten zufolge kann der Einsatz von Methotrexat das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse um 20 % reduzieren.

Im Gegensatz dazu ist bei der Anwendung von JAK-Inhibitoren Vorsicht geboten. Diese sollten bei Risikopatienten nur nach einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung zum Einsatz kommen. Ein zentraler Bestandteil der Behandlung bleibt zudem die „Treat-to-Target“-Strategie, die eine konsequente Überwachung und Anpassung der Therapie vorsieht, um die Entzündungsaktivität und damit indirekt auch das Folgerisiko für das Gefäßsystem zu minimieren.

Screening-Intervalle und optimierte Risikoabschätzung

Für die klinische Praxis empfiehlt die Leitlinie eine regelmäßige Risikoabschätzung. Standardmäßig sollte diese alle fünf Jahre erfolgen. Bei Patienten, die bereits als Hochrisikofälle eingestuft sind, wird ein jährliches Intervall angeraten. Ein wesentlicher Teil dieser Vorsorge umfasst das kontinuierliche Screening von Blutdruck und Lipidwerten.

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Aktuelle Diskussionen aus dem August 2026 thematisieren zudem die Genauigkeit bestehender Scoring-Systeme. Fachberichte weisen darauf hin, dass der sogenannte PREVENT-Score das tatsächliche kardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit rheumatoider Arthritis häufig unterschätzt. Experten beobachten jedoch, dass die zusätzliche Einbeziehung des HbA1c-Werts die Treffsicherheit bei der Vorhersage von Ereignissen in dieser Patientengruppe verbessern kann. Die Kombination aus leitliniengerechter medikamentöser Therapie und einer verfeinerten Diagnostik gilt somit als entscheidender Hebel, um die Langzeitprognose rheumakranker Menschen zu verbessern.

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