Rheuma-Vorsorge, Patienten

Rheuma-Vorsorge: Nur 12,1 Prozent der Patienten berichten von Krebsberatung

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Befragung dokumentiert geringe Vorsorgequoten, fehlende Screening-Routinen und unterschiedliche Einschätzungen von Patienten und Rheumatologen.
Ein heller, leerer Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einem Untersuchungstisch und einem Metallwagen. Illustration mit AI erstellt.

Bei der Betreuung von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bestehen in Deutschland erhebliche Differenzen hinsichtlich der Zuständigkeit für Begleiterkrankungen.

Wie eine im Fachjournal Arthritis Research & Therapy veröffentlichte Querschnittsbefragung zeigt, herrscht zwischen betroffenen Patienten und behandelnden Rheumatologen Uneinigkeit darüber, wer das Management relevanter Komorbiditäten steuern soll.

An der Untersuchung, deren Rekrutierungsphase vom 18.08.2025 bis zum 02.01.2026 lief, nahmen 2.213 Patienten sowie 140 ambulant tätige Fachärzte für Rheumatologie teil.

Signifikante Kluft in der Wahrnehmung von Vorsorgeleistungen

Das befragte Patientenkollektiv setzte sich zu 92,1% aus Frauen zusammen. Hinsichtlich der Diagnosen litten 45,5% an rheumatoider Arthritis, 29,3% an Kollagenosen und 28,0% an Psoriasis-Arthritis. Unter den beteiligten Rheumatologen lag der Frauenanteil bei 55,7%.

Aus der Erhebung geht hervor, dass das Komorbiditätsmanagement aus Sicht der Patienten lückenhaft verläuft. Über fünf zentrale Domänen hinweg – kardiovaskuläres Risiko, Infektionen, Malignome, Depression und Osteoporose – berichteten die Erkrankten im Mittel über eine Umsetzung von lediglich 28,8%.

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Gleichzeitig traten deutliche Diskrepanzen zwischen der Selbstwahrnehmung der Ärzteschaft und den Schilderungen der Patienten zutage:
- Blutdruckmessung: Während 83,6% der Rheumatologen angaben, diese durchzuführen, bestätigten nur 33,8% der Patienten eine entsprechende Kontrolle.
- Impfstatus-Check: 77,9% der Fachärzte gaben an, den Impfstatus zu prüfen, wohingegen dies nur 33,2% der Patienten wahrnahmen.
- Osteoporose-Screening: Einer Quote von 92,1% auf ärztlicher Seite standen 32,3% bei den Patientenangaben gegenüber.
- Krebsvorsorge-Beratung: 70,7% der Rheumatologen berichteten von solchen Beratungsgesprächen, aber lediglich 12,1% der Betroffenen gaben an, eine solche Beratung erhalten zu haben.

Strukturelle Defizite und organisatorische Hürden

Die Erhebung verdeutlicht zudem ein weitverbreitetes Fehlen standardisierter Abläufe in den Praxen. Insgesamt 69,3% der Rheumatologen gaben an, über keine strukturierte Routine für das Komorbiditäts-Screening zu verfügen. Zudem waren 59,1% der Patienten der Ansicht, dass ihr Rheumatologe keinen guten Überblick über ihre weiteren Erkrankungen habe.

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Auf Seiten der Fachärzte wurden konkrete strukturelle Barrieren benannt, die einer systematischen Erfassung im Weg stehen. An erster Stelle stand Zeitmangel, den 91,4% der Rheumatologen anführten. Unklare Zuständigkeiten wurden von 48,6% genannt.

Darüber hinaus identifizierten 40,0% der Ärzte bestehenden Personalmangel und 35,0% eine fehlende Vergütung als maßgebliche Hindernisse bei der Betreuung von Begleiterkrankungen. Die Ergebnisse unterstreichen bestehende organisatorische Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen spezialisierter rheumatologischer Versorgung und allgemeinem Krankheitsmanagement.

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