Rheuma-Versorgung: 2,8 Millionen Betroffene in der Schweiz, doch Lücken bleiben
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Millionen von Menschen in Europa leben mit rheumatischen Erkrankungen, doch die gesundheitspolitische Wahrnehmung und die Versorgungsstrukturen weisen erhebliche Defizite auf.
Fachorganisationen wie die Rheumaliga Schweiz, die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR), der schwedische Reumatikerförbundet sowie die tschechische Revma Liga ?R weisen übereinstimmend auf gravierende Lücken in der Diagnostik, Therapie und Nachsorge hin.
Fragmentierte Versorgung und unerkannte Risiken in der Schweiz
Allein in der Schweiz sind 2,8 Millionen Menschen von rheumatischen Beschwerden betroffen, die rund 200 verschiedene Diagnosen umfassen. Die Rheumaliga Schweiz sieht die Versorgung vor strukturellen Problemen.
Deren Geschäftsleiterin Annette Stolz benennt drei zentrale Versorgungslücken: eine fehlende gesundheitspolitische Priorisierung muskuloskelettaler Erkrankungen, eine stark fragmentierte Versorgung zwischen Hausarztpraxen und Spezialisten sowie unzureichendes Wissen der Betroffenen über das eigene Krankheitsmanagement. Dies zeigt sich auch bei der Osteoporose, bei der nach Knochenbrüchen ohne erkennbaren Anlass die Grunderkrankung häufig nicht abgeklärt wird.
Die 1958 gegründete Organisation, die 2028 ihr 70-jähriges Bestehen feiert, konzentriert sich daher auf Beratung, Bildung und Bewegung und stellt Hilfsangebote wie einen Online-Risikocheck bereit.
Zuspitzung des Fachärztemangels in Österreich und Tschechien
Besonders im ambulanten Facharztbereich verschärft sich die Situation in mehreren Ländern. In Österreich stehen laut dem 2. Österreichischen Rheumatologie-Report für bis zu einem Viertel der Bevölkerung mit chronisch-rheumatologischen Erkrankungen derzeit lediglich 32 Rheumatologinnen und Rheumatologen mit Kassenvertrag zur Verfügung.
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Rund 45 Prozent der Fachärzte sind zudem über 55 Jahre alt, was in einzelnen Regionen zu einer vollständigen Unterversorgung führt. ÖGR-Präsidentin Duftner fordert daher eine einheitliche und leistungsgerechte Kassenhonorierung sowie die Etablierung einer spezifischen Rheuma-Fachassistenz in den Gesundheitsberufen.
Ähnliche Engpässe verzeichnet Tschechien. Laut einer Analyse der Tschechischen Rheumatologischen Gesellschaft aus dem Jahr 2024 lag die durchschnittliche Wartezeit auf eine Untersuchung bei rund 2,5 Monaten.
Nach Daten des Instituts ÚZIS existieren im öffentlichen System etwa 316 Vollzeitstellen für Rheumatologen, davon rund 204 im ambulanten Sektor, wobei über 33 Prozent der Mediziner bereits das Rentenalter erreicht haben.
Laut Facharzt Professor Šenolt liegt der empfohlene Bedarf bei über vier Fachärzten pro 100.000 Einwohner, während Tschechien aktuell lediglich auf einen Schnitt von etwa zwei kommt. Geplant ist daher ein Nationaler Aktionsplan für Rheumatologie und muskuloskelettale Gesundheit mit spezialisierten Frühdiagnose-Ambulanzen.
Kardiovaskuläre Folgeerkrankungen und gesellschaftliche Kosten
Verzögerte Diagnosen erhöhen die Gefahr irreversibler Gewebe- und Organschäden drastisch. Anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober verweist die DGRh auf die erhöhte Gefährdung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und empfiehlt frühzeitige kardiovaskuläre Kontrollen nach den S3-Leitlinien.
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Das C-reaktive Protein (CRP) steigt als Akutphase-Protein bereits vier bis sechs Stunden nach Gewebeschädigungen an und spiegelt die Krankheitsaktivität bei Leiden wie rheumatoider Arthritis wider.
In Schweden sind rund eine Million Menschen betroffen. Laut dem Reumatikerförbundet leidet fast die Hälfte der Bevölkerung an chronischen Leiden, die 80 bis 85 Prozent der nationalen Gesundheitskosten verursachen. Der Verband fordert verbindliche Reformen, darunter schnellere Diagnostik, geregelte Ausbildungsplätze für Fachpersonal sowie einen gesicherten Zugang zu individuellen Behandlungsplänen und spezialisierter Rehabilitation.

