Rheuma und Kortison: Leitlinie empfiehlt Begrenzung auf drei Monate
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Rheumatoide Arthritis gilt als chronische Erkrankung, die den Alltag vieler Betroffener über Jahre prägt. Laut Deutschem Rheuma-Forschungszentrum leben in Deutschland etwa 700.000 Menschen mit dieser Diagnose.
Ein Ratgeber der Stiftung Warentest mit dem Titel „Aktiv leben mit Rheuma ist möglich“ nimmt sich der Frage an, wie Betroffene trotz der Erkrankung einen aktiven Lebensstil führen können – und rückt dabei sowohl medikamentöse Behandlung als auch Bewegung und Ernährung in den Fokus.
Medikamentöse Therapie als Basis
Der Ratgeber der Stiftung Warentest verweist darauf, dass Medikamente die Erkrankung meist kontrollieren können. Häufig kommt demnach Methotrexat zum Einsatz, das bei Bedarf mit Biologika kombiniert oder durch diese ersetzt wird.
Bei der Anwendung von Kortison empfiehlt die zugrundeliegende Leitlinie laut dem Ratgeber, die Substanz je nach Krankheitsverlauf zügig zu reduzieren und die Behandlung auf drei Monate zu begrenzen – ein Hinweis darauf, dass Kortison als kurzfristige Überbrückung, nicht als Dauerlösung gedacht ist.
Bewegung und Ernährung als ergänzende Bausteine
Neben der medikamentösen Therapie thematisiert der Ratgeber auch nicht-pharmakologische Ansätze. Laut Studien kann entzündungshemmende Ernährung helfen, während regelmäßige, gelenkschonende Bewegung die Therapie unterstützt.
Diese Einordnung fügt sich in ein breiteres Bild aktueller Forschung zur Rolle von Bewegung bei chronischen Schmerzen: Eine Auswertung der Universität Adelaide, die 157 systematische Übersichtsarbeiten mit 2.736 randomisierten Studien und über 220.000 Teilnehmenden zusammenfasste, kam zu dem Schluss, dass Bewegung Migräne, Regelschmerzen und chronische Schmerzen ähnlich gut lindern kann wie gängige Schmerzmittel.
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Der Schmerz sank im Mittel um 1,1 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10, was einer laut der Auswertung rund 60 Prozent größeren Linderung entsprach als im Durchschnitt separater Medikamentenstudien zu chronischen Schmerzen.
Bemerkenswert: Niedrigintensive Programme von rund zwölf Wochen Dauer und unter 120 Minuten Bewegung pro Woche erwiesen sich als wirksamer als intensivere, länger angelegte Programme. Die Forschenden fordern konkrete Leitlinien, betonen zugleich aber, dass Bewegung kein Allheilmittel sei.
Diese Befunde stammen zwar nicht spezifisch aus einer Studie zu rheumatoider Arthritis, decken sich aber inhaltlich mit der Empfehlung des Warentest-Ratgebers, Bewegung als festen Bestandteil der Behandlung zu verstehen – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur medizinischen Therapie.
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Der Ratgeber im Detail
Der Ratgeber der Stiftung Warentest umfasst 176 Seiten und kostet 20 Euro. Er richtet sich an Betroffene, die neben der medizinischen Aufklärung über Medikamente auch praktische Hinweise zur Alltagsgestaltung suchen.
Die Kombination aus Wissensvermittlung zu Wirkstoffen wie Methotrexat und Biologika sowie konkreten Empfehlungen zu Ernährung und Bewegung soll Patienten dabei unterstützen, die Erkrankung aktiv mitzugestalten, statt sich allein auf die medikamentöse Behandlung zu verlassen.
Einordnung
Die Verbindung aus medikamentöser Kontrolle der Krankheitsaktivität und begleitenden Lebensstilmaßnahmen spiegelt einen Ansatz wider, der in der rheumatologischen Versorgung zunehmend Beachtung findet: Medikamente wie Methotrexat oder Biologika bleiben demnach die Grundlage der Behandlung, während Bewegung und Ernährung als unterstützende Faktoren gelten, die Krankheitssymptome lindern und die Lebensqualität verbessern können.
Für Betroffene bedeutet dies, dass ein aktiver Lebensstil nicht im Widerspruch zur medizinischen Therapie steht, sondern diese sinnvoll ergänzen kann – vorausgesetzt, Bewegung und Ernährung werden auf die individuelle Krankheitssituation abgestimmt und in Absprache mit behandelnden Ärzten umgesetzt.
