Rheuma und Herzinfarkt: Risiko bei Arthritis um 40 Prozent erhöht
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen belasten nicht nur Gelenke und Bewegungsapparat, sondern stellen auch eine erhebliche Gefahr für das kardiovaskuläre System dar. Anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober rät die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) Betroffenen daher dazu, ihr persönliches Herz-Kreislauf-Risiko frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.
Wissenschaftliche Grundlage für diese Empfehlung bildet die S3-Leitlinie „Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen“ (AWMF-Register Nr. 060-010), die den Zusammenhang zwischen chronischen Entzündungsprozessen und Gefäßschäden detailliert aufarbeitet.
Erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfallgefahr bei Betroffenen
In Deutschland leben Schätzungen zufolge rund 1,8 Mio. Erwachsene mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Innerhalb dieser Gruppe stellen rheumatoide Arthritis sowie Spondyloarthritiden zwei der häufigsten Diagnosen dar; beide Krankheitsbilder betreffen hierzulande je etwa 700.000 Menschen.
Die ständige systemische Entzündungsaktivität greift auf das Gefäßsystem über und beschleunigt Gefäßveränderungen, was schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann.
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Wie die zugrundeliegende Leitlinie aufzeigt, schlägt sich diese Belastung deutlich in den statistischen Erkrankungswahrscheinlichkeiten nieder. So ist das Herzinfarktrisiko bei Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis um rund 40 % erhöht.
Bei Personen mit Spondyloarthritiden fällt der Anstieg ebenfalls signifikant aus: Das Risiko für einen Herzinfarkt liegt bei ihnen je nach Auswertung 21 bis 51 % höher als in der Allgemeinbevölkerung. Zudem besteht bei den Betroffenen ein moderat erhöhtes Schlaganfallrisiko, was eine engmaschige Überwachung der Gefäßgesundheit erforderlich macht.
Grenzen gängiger Risikorechner und therapeutische Konsequenzen
Ein Problem in der medizinischen Routineversorgung besteht darin, dass übliche Risikorechner das Herz-Kreislauf-Risiko dieser speziellen Patientengruppe unterschätzen.
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Standardisierte Berechnungsmodelle, die primär auf klassische Parameter wie Alter, Blutdruck oder Cholesterinspiegel abstellen, erfassen die gefäßschädigende Wirkung der chronischen Entzündung oft nur unzureichend. Dadurch wird die tatsächliche Gefährdung im klinischen Alltag häufig zu spät erkannt, weshalb eine gezielte fachärztliche Beurteilung empfohlen wird.
Neben der frühzeitigen Diagnostik befasst sich die Leitlinie auch mit dem Einfluss der medikamentösen Behandlung auf das Gefäßsystem. Bei der Therapie gilt der Grundsatz, dass Kortison und entzündungshemmende Schmerzmittel möglichst niedrig dosiert und so kurz wie nötig eingesetzt werden sollten.
Auf diese Weise soll vermieden werden, dass Nebenwirkungen der Arzneimittel die kardiovaskuläre Gefährdung zusätzlich verstärken. Durch eine frühzeitige Risikoerfassung und eine abgestimmte Arzneimitteltherapie soll das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Rheumapatienten nachhaltig gesenkt werden.
