Rheuma-Studie, Depressionen

Rheuma-Studie: Depressionen und Schlaf blockieren die Heilung

30.05.2026 - 00:30:20 | boerse-global.de

FDA erweitert Zulassung für J&J-Präparat, während Studien psychische Faktoren und Darmflora als Schlüssel bei Rheuma identifizieren.

Rheuma-Studie: Depressionen und Schlaf blockieren die Heilung - Foto: über boerse-global.de
Rheuma-Studie: Depressionen und Schlaf blockieren die Heilung - Foto: über boerse-global.de

Während die FDA neue Medikamente zulässt, rücken psychologische Faktoren und die Darmflora in den Fokus der Forschung.

FDA erweitert Zulassung für Johnson & Johnsons Tremfya

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Ende Mai 2026 die Zulassung für Guselkumab (Handelsname Tremfya) von Johnson & Johnson erweitert. Das Medikament darf nun offiziell zur Hemmung struktureller Gelenkschäden bei Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis (PsA) eingesetzt werden. Damit ist Tremfya der einzige IL-23-Inhibitor mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen das Fortschreiten von Gelenkzerstörungen.

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Grundlage für die Entscheidung war die Phase-3b-Studie APEX. Sie erreichte ihren primären Endpunkt ACR20 – ein Standardmaß für die Verbesserung von Gelenkschwellungen und -schmerzen. Besonders bemerkenswert: Patienten, die zwischen Woche 24 und 48 von einem Placebo auf die aktive Behandlung wechselten, zeigten eine 57-prozentige Reduktion der radiologischen Progression. Neue Sicherheitsrisiken traten nicht auf. Langzeitdaten über zwei Jahre werden nun erwartet.

Zenas BioPharma reicht Zulassungsantrag für seltene Autoimmunerkrankung ein

Parallel dazu hat Zenas BioPharma am 28. Mai 2026 bei der FDA einen Zulassungsantrag für Obexelimab eingereicht. Das Medikament zielt auf die Behandlung der IgG4-bedingten Erkrankung ab, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die zu Gewebeschwellungen und Fibrose führen kann.

Die Zulassung stützt sich auf die Phase-3-Studie INDIGO. Die Ergebnisse zeigen eine 56-prozentige Reduktion des Risikos von Krankheitsschüben. Detaillierte Daten sollen am 4. Juni 2026 auf dem EULAR-Kongress, dem weltweit wichtigsten Rheuma-Kongress, präsentiert werden.

Wenn die Entzündung weg ist, der Schmerz aber bleibt

Die Forschung rückt zunehmend die psychischen und lebensstilbedingten Faktoren in den Vordergrund, die eine Behandlung erschweren. Wissenschaftler der Semmelweis-Universität veröffentlichten im Jahr 2026 Studien in Nature Reviews Rheumatology und The Lancet Rheumatology. Ihr Befund: Zwischen 6 und 28 Prozent der Rheuma-Patienten gelten als schwer behandelbar.

Die Forscher identifizierten Depressionen, Schlafstörungen, Fettleibigkeit und Rauchen als Faktoren, die Rheuma-Symptome aufrechterhalten können – selbst wenn die Entzündungswerte im Blut normal sind. Ihr Vorschlag: ein überarbeitetes Behandlungsmodell. Wenn sich die Entzündung bessert, der Patient aber weiterhin starke Schmerzen meldet, sollen Ärzte diese nicht-entzündlichen Ursachen untersuchen – anstatt einfach die Immunsuppression zu erhöhen.

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Rheuma-Medikament gegen schwere Depressionen?

Ein weiterer Beleg für die Verbindung zwischen Arthritis und psychischer Gesundheit kommt von der University of Bristol. Eine klinische Studie, veröffentlicht am 20. Mai 2026 im Journal of the American Medical Association (JAMA) Psychiatry, untersuchte den Einsatz des Rheuma-Medikaments Tocilizumab bei schweren Depressionen mit leichten Entzündungen.

Von den 30 Teilnehmern erreichten 54 Prozent in der Medikamentengruppe eine Remission – gegenüber 31 Prozent in der Placebogruppe. Die Forscher bereiten nun eine Phase-3-Studie vor, um die Ergebnisse zu bestätigen. Ein Durchbruch für die Behandlung therapieresistenter Depressionen?

Millionen-Förderung für Mikrobiom-Forschung

Auch die Grundlagenforschung erhält neuen Schub. Am 28. Mai 2026 bewilligte die flämische Innovationsagentur VLAIO dem Biotechnologie-Unternehmen MRM Health einen Forschungszuschuss in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Das Geld fließt in ein dreijähriges Kooperationsprogramm mit Partnern wie der KU Leuven und der Universität Gent.

Ziel des Projekts: Neue therapeutische Ansätze für immunvermittelte Entzündungskrankheiten durch die Erforschung des menschlichen Mikrobioms. Die Darmflora spielt eine Schlüsselrolle bei der Regulation des Immunsystems – ein vielversprechender Ansatzpunkt für neue Therapien.

Neue Mechanismen bei Lungenfibrose und Rückenmarksverletzungen

Im Labor wurden Ende Mai 2026 gleich zwei neue Mechanismen für verwandte entzündliche Erkrankungen identifiziert:

  • Lungenfibrose: Ein Forschungsteam unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung entdeckte, dass der Ionenkanal TRPML1 den Abbau von Kollagen und Elastin reguliert. Eine gezielte Aktivierung dieses Kanals könnte eine neue Therapie gegen Fibrose darstellen – eine Erkrankung, bei der Lungengewebe vernarbt und sich verhärtet.

  • Neurologische Erholung: Forscher der Universitätsklinik Köln berichteten am 29. Mai 2026 in ScienceDirect über eine Gentherapie mit Hyper-Interleukin-6 (hIL-6) . Diese verbesserte bei Rückenmarksverletzungen die Koordination und Gehfähigkeit durch neuronale Umstrukturierung. Ein vielversprechender Ansatz für Patienten mit Querschnittslähmung.

Corona-Virus bleibt bei Rheuma-Patienten länger nachweisbar

Eine im Jahr 2026 in Arthritis & Rheumatology veröffentlichte Studie der Mass General Brigham untersuchte die besonderen Herausforderungen für Patienten mit systemischen Autoimmunerkrankungen (SARDs) in der Post-Pandemie-Ära.

Die Forscher verglichen 210 SARDs-Patienten mit 348 Menschen ohne Autoimmunerkrankungen. Das Ergebnis: Rheuma-Patienten hatten ein deutlich höheres Risiko für anhaltende COVID-Antigen-Positivität. Nach drei Monaten lag die Positivitätsrate bei SARDs-Patienten bei 36,7 Prozent – gegenüber 18,9 Prozent in der Kontrollgruppe.

Die Studienautoren empfehlen einen frühzeitigen Einsatz von antiviralen Medikamenten für diese Hochrisikogruppe. Ziel ist es, eine verlängerte Antigen-Präsenz zu verhindern, die die Behandlung der zugrunde liegenden Autoimmunerkrankung erschweren kann.

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