Rheuma: Mehr als 400 Krankheitsbilder verlangen gezielte Therapien für den Alltag
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deRheumatische Erkrankungen zählen zu den weit verbreiteten Volkskrankheiten in Deutschland. Unter dem Oberbegriff Rheuma werden heute mehr als 400 verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst.
Um betroffene Patienten trotz chronischer Beschwerden fit für den Alltag zu machen, setzen spezialisierte Fachkliniken auf ganzheitliche Behandlungskonzepte. Diese verbinden moderne Diagnostik und medikamentöse Therapien mit alltagsorientierten Ansätzen wie der Ergotherapie.
Komplexe Diagnostik und therapeutische Begleitung im Alltag
Viele rheumatische Leiden verlaufen schleichend und stellen Mediziner vor Herausforderungen. So betrifft etwa das Sjögren-Syndrom Frauen im Verhältnis von 19:1 im Vergleich zu Männern, tritt mitunter bereits im Alter zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf und bleibt oft lange Zeit unerkannt.
Um solchen Erkrankungen zu begegnen, bieten spezialisierte Rheumafachkliniken eine sogenannte Rheumakomplexbehandlung an. Diese umfasst bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT, die genaue medikamentöse Einstellung sowie die engmaschige Kontrolle der Arzneimitteltherapie. Im Schnitt suchen Betroffene etwa einmal im Jahr eine Fachklinik auf.
Ein zentraler Pfeiler der Versorgung ist die Ergotherapie, wie Angaben des Deutschen Verbands Ergotherapie (DVE) verdeutlichen. Die Karlsbader Ergotherapeutin Luisa Bollermann betont dabei den Fokus auf den Alltag: Neben gelenkschonendem Verhalten steht das sogenannte Pacing im Mittelpunkt – ein gezieltes Energiemanagement zur Bewältigung chronischer Erschöpfung (Fatigue).
Zudem kommen funktionelle Hilfsmittel zum Einsatz. So ermöglichen beispielsweise Griffverdickungen Patienten mit rheumatoider Arthritis, alltägliche Gegenstände besser zu greifen und dadurch ihre Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld langfristig zu bewahren.
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Strukturelle Hürden belasten ambulante und stationäre Versorgung
Trotz medizinischer Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt steht die Versorgung von Rheumapatienten vor erheblichen Herausforderungen. Auf dem Wildunger Rheumatologie-Symposium 2026 in Bad Wildungen, das nach einer achtjährigen Pause wieder ausgerichtet wurde, zeichnete Chefrheumatologe Dr. Alexander Puls ein ernüchterndes Bild der aktuellen Lage. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich bestehe eine schwierige Versorgungssituation.
Als wesentliche Ursachen nannte Puls den allgemeinen Fachkräftemangel, den bevorstehenden Renteneintritt der Generation der Babyboomer sowie zu geringe Weiterbildungskapazitäten an großen Universitätskliniken. Zudem führe der Trend zu Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oft zu sinkenden Facharztstunden.
Ergänzt werde die Problematik durch Schließungen spezialisierter Rheumakliniken und eine unzureichende Vergütung ganzheitlicher Behandlungsansätze. Auch die ökonomische Dimension ist beträchtlich: Neue Rheumamedikamente schlagen laut Puls mit jährlichen Kosten von 5000 bis 20.000 Euro zu Buche, in seltenen Einzelfällen sogar mit bis zu 100.000 Euro pro Jahr.
Puls empfiehlt vor diesem Hintergrund, Hausärzte frühzeitiger einzubinden und auch stationäre Rehabilitationsmaßnahmen konsequent über den Hausarzt zu beantragen.
Differenzierte Profile im Reha-Sektor und regionale Angebote
Im Bereich der Rehabilitation haben sich zahlreiche traditionsreiche Häuser weiterentwickelt. Im niedersächsischen Moorheilbad Bad Zwischenahn am Zwischenahner Meer entstand aus einem ehemaligen Rheumasanatorium das Reha-Zentrum am Meer, das heute als Spezialklinik für orthopädische, rheumatologische und onkologische Rehabilitation agiert. Ergänzend betreibt der Ort das Angebot Wellness am Meer mit einem Wellenbad und einem Soleaußenbecken.
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Auch Bewertungsportale spiegeln das Bild spezialisierter Häuser wider: Für die MEDIAN Klinik Brandis in Sachsen, die unter anderem rheumatoide Arthritis behandelt, liegen Empfehlungen von 69 von 109 Nutzern vor. Ein dort im Jahr 2026 behandelter Patient stufte die medizinischen Angebote als empfehlenswert ein, merkte jedoch Verbesserungsbedarf bei der Versorgung an.
Die Federseeklinik im baden-württembergischen Bad Buchau wird derweil von 159 von 200 Nutzern empfohlen. Neben Behandlungen bei Hüft-TEP, rheumatoider Arthritis, Arthrose und Fibromyalgie loben Patienten dort Therapeuten und den Thermenzugang, während Aspekte wie längere Wege oder ältere Zimmer Kritik hervorrufen.
Neben dem stationären Sektor bieten regionale Selbsthilfeorganisationen und Fachabteilungen wohnortnahe Unterstützung. Für Dienstag, den 3. November, um 17 Uhr laden das St. Elisabeth-Hospital Meerbusch-Lank und die Deutsche Rheuma-Liga NRW zum kostenfreien Fachvortrag „Rheuma aktiv begegnen – selbstbestimmt den Alltag meistern“ mit Chefärztin Dr. Stefanie Freudenberg und Landespräsidentin Elisabeth Stegemann-Nicola ein.
Auf praktischer Ebene bietet die Rheuma-Liga Baden-Württemberg in Esslingen Plätze für funktionelles Training an, das als verordnungsfähige Bewegungstherapie direkt zur Erhaltung der Alltagsmobilität beitragen soll.
