Rheuma-Forschung, Muskelmasse

Rheuma-Forschung: Muskelmasse stieg bei 10 Patienten nach sechs Monaten

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Pilotstudie verzeichnete mehr Unterschenkel-Magermasse bei stabiler Krankheitsaktivität; Bewegung und Ernährung bleiben wichtige Bausteine.
Ein helles, ruhiges Bewegungsbad mit klarem Wasser und sanftem Tageslicht, das eine entspannte therapeutische Atmosphäre schafft. Illustration mit AI erstellt.

Rund 17 Millionen Menschen in Deutschland sind von rheumatischen Erkrankungen betroffen. Wie der Welt-Rheumatag am 12. Oktober verdeutlichte, treten die mehr als 100 verschiedenen Krankheitsbilder in jedem Lebensalter auf, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer.

In der modernen Versorgung rückt neben der medikamentösen Therapie zunehmend ein ganzheitliches Management in den Fokus, das auf gezielte Bewegung, angepasste Ernährung und neue Hilfsangebote setzt.

Bewegung als feste therapeutische Säule

Dass körperliche Aktivität eine zentrale Rolle spielt, betonte auch ein Online-Expertentalk der Rheuma-Liga unter dem Titel „Rheuma, Bewegung und Sport – Beweg dich, aber wie?“, an dem Christian Dejaco, Primar des Rheumatologischen Dienstes, und Daniel Neunhäuserer, Primar für Sport- und Bewegungsmedizin, mitwirkten.

Regionale Versorgungsstrukturen greifen diesen Bedarf auf: In Südtirol stehen neben einem landesweiten Rheumatologischen Dienst mit mehreren Standorten, einer Kinder- und Jugendrheumatologie sowie Osteoporose-Ambulanzen auch Angebote des Sanitätsbetriebs wie „Aktivität für Alle“ (AFA) bereit.

Konkrete Bewegungsempfehlungen formuliert unter anderem die Nationale Gesundheitskommission in ihrer Leitlinie zur rheumatoiden Arthritis aus dem Jahr 2022. Demnach kombiniert eine wirksame Rehabilitation Medikamente, Bewegung, Ernährung und psychologische Unterstützung.

Als Ausdauertraining wird sanfte Bewegung wie Schwimmen bei einer Wassertemperatur von 28 bis 30 Grad Celsius für 20 bis 30 Minuten an drei bis fünf Tagen pro Woche empfohlen. Für das Krafttraining sieht die Leitlinie zwei Sätze mit 15 bis 20 Wiederholungen pro Seite täglich vor.

Unterstützung erhalten Betroffene zudem durch Krankenkassen: Die LKK fördert Rheumapatienten beispielsweise über Rehasport, Disease-Management-Programme (DMP), Selbsthilfeförderung und medizinische Rehabilitation.

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Ernährung und medikamentöse Begleitung

Neben der medikamentösen Basistherapie – etwa durch Methotrexat oder Biologika nach ärztlicher Anweisung – gewinnt die Ernährung an Bedeutung. Die Leitlinie der Nationalen Gesundheitskommission empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 1,0 bis 1,2 Gramm hochwertigem Protein pro Kilogramm Körpergewicht sowie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Die LKK bezuschusst Ernährungstherapien unter bestimmten Voraussetzungen.

Laut einem Bericht vom 15. Oktober 2026 hebt auch das Therapiezentrum Westlausitz das Potenzial einer Ernährungstherapie hervor. Sie könne Symptome lindern, den Verlauf stabilisieren und Muskelabbau (Sarkopenie) verhindern. Wichtig sei eine ausreichende Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen wie den Vitaminen A, C, D sowie Zink und Selen; bei Bedarf könne nach ärztlicher Rücksprache Aufbaunahrung erwogen werden.

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Neue Ansätze aus Forschung und Praxis

Neue Wege bei der Kombination aus Muskelstimulation und Ernährung untersuchte eine Pilotstudie der Kyoto Prefectural University of Medicine, über die am 16. Oktober 2026 berichtet wurde. Ein Team um den Forscher Hishikawa untersuchte 14 ambulante Patienten mit rheumatoider Arthritis im medianen Alter von 73,5 Jahren, die sich in Remission oder niedriger Krankheitsaktivität befanden.

Zehn Teilnehmende (71,4 Prozent) schlossen das sechsmonatige Programm ab, das eine therapeutische Elektrostimulation via Gürtel-Elektroden (20 Hertz, 250 Mikrosekunden Pulsbreite) ein- bis zweimal wöchentlich mit einem täglichen leucinreichen Protein-Supplement (125 Milliliter, 160 Kilokalorien, 11 Gramm Protein, 2.300 Milligramm L-Leucin) verband.

Die Unterschenkel-Magermasse stieg signifikant von median 5,4 auf 5,6 Kilogramm, während die Krankheitsaktivität stabil blieb. Die Autoren verwiesen jedoch auf das Fehlen einer Kontrollgruppe, weshalb keine Kausalität abgeleitet werden kann.

Parallel dazu entstehen digitale und regionale Angebote zur Alltagsbewältigung. Die Schweizerische Vereinigung Morbus Bechterew (SVMB) bündelt in ihrer App „rheumaFIT“ Bewegungseinheiten, Wissen, Dokumentation und Beratung für App-Store- und Google-Play-Nutzer.

In Bad Kreuznach veranstaltet das Rheumazentrum Rheinland-Pfalz am 17. Oktober 2026 einen kostenfreien Rheuma-Dialogtag mit Vorträgen und einem neuen Kochbuch. Chefarzt Wolfgang Merkt verglich Rheuma dabei mit einem Puzzle, dessen Teile passend zusammengesetzt werden müssten.

Die Rheuma-Liga Schleswig-Holstein wiederum bietet am 20. und 21. Oktober 2026 auf Föhr kostenlose Gelenkuntersuchungen mithilfe des KI-gestützten Roboterarms „Arthur“ an.

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