Herzinsuffizienz, Akute

rhBNP bei Herzinsuffizienz: Akute Messwerte besser, Langzeitnutzen unklar

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Review beschreibt rasche Verbesserungen physiologischer Messwerte, findet aber keine belegten Vorteile bei Mortalität oder Langzeitprognose.
Ein steriler, moderner Laborarbeitsplatz mit medizinischen Analysegeräten und Glasbehältern in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Ein am 21. Oktober 2026 im Fachjournal Frontiers in Pharmacology veröffentlichter narrativer Review hat die physiologischen Effekte von rekombinantem humanem B-Typ natriuretischem Peptid (rhBNP) analysiert.

Die Untersuchung, deren Literatursuche in Datenbanken wie PubMed, Embase, Cochrane und Web of Science bis Juli 2026 reichte, zeigt eine Diskrepanz: Während der Wirkstoff hämodynamische und renale Messgrößen bei akuter Herzinsuffizienz rasch verbessert, bleiben die langfristigen klinischen Behandlungsergebnisse weiterhin von Unsicherheit geprägt. Wie das Portal scienmag.com am 25. Oktober 2026 über die Publikation berichtete, wirft dies Fragen hinsichtlich des dauerhaften Nutzens auf.

Rasche kardiovaskuläre Entlastung in Akutphasen

In klinischen Studien belegt der Review eine zügige Verbesserung kardiovaskulärer Parameter. Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 42 Patienten, die an einem akuten Myokardinfarkt mit Herzinsuffizienz litten, verglich eine 24-stündige intravenöse Gabe von rhBNP mit Nitroglycerin.

Unter rhBNP sank der pulmonale Kapillardruck während eines 30-stündigen Monitorings signifikant um 48,9 Prozent, während der Herzindex um 27,1 Prozent anstieg. Die messbaren Effekte traten ab 30 Minuten auf und hielten bis zu 6 Stunden nach dem Ende der Infusion an.

In einer Katheteruntersuchung mit 10 Patienten – von denen 5 eine koronare Herzkrankheit aufwiesen und 5 nicht – vergrößerte sich der Koronardurchmesser nach 30 Minuten um 15 Prozent. Der Koronarfluss nahm um 35 Prozent zu, während der myokardiale Sauerstoffverbrauch um 8 Prozent sank.

Auch beim akuten Myokardinfarkt führt der Wirkstoff zu einer schnellen Verbesserung kardiovaskulärer Messgrößen. Bei 106 Patienten mit akutem anteriorem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vor primärer perkutaner Koronarintervention (PCI) wurde rhBNP als Bolus von 1,5 µg/kg vor dem Eingriff verabreicht, gefolgt von 0,0075 µg/kg/min über 72 Stunden.

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Im Vergleich zu alleinigem Postconditioning reduzierte sich die Fläche unter der Kurve für CK-MB um 27 Prozent und für Troponin I um 18 Prozent, bei korrigierten TIMI-Frame-Counts von 21,0 gegenüber 28,2.

Renale Parameter und Prävention von Kontrastmittelschäden

Die Effekte auf die Nierenfunktion zeigen ein gemischtes Bild. Nach rund 15 Minuten erweiterte sich der Durchmesser der Nierenarterie um 8 Prozent, während sich der Gesamtnierenfluss nicht signifikant veränderte.

Über 72 Stunden stieg die Urinausscheidung, und der Cystatin-C-Spiegel lag nach 24 sowie 72 Stunden niedriger. Signifikante Unterschiede bei Serum-Kreatinin oder der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) traten hingegen nicht auf.

Hinsichtlich der Kontrastmittel-induzierten Nephropathie wies der Review jedoch auf Schutzeffekte hin: In Vergleichsgruppen lagen die Inzidenzen bei 13,5 Prozent gegenüber 24,0 Prozent beziehungsweise 12,28 Prozent gegenüber 28,81 Prozent zugunsten von rhBNP. Die Behandlung erwies sich mit einer Odds Ratio von 0,202 als unabhängiger Schutzfaktor.

Fehlende Vorteile bei Mortalität und Langzeitprognose

Trotz der kurzfristigen physiologischen Effekte belegen große randomisierte Studien keine langfristigen Vorteile. Die Studien ASCEND-HF und ROSE-AHF verliefen neutral in Bezug auf die 30-Tage-Gesamtmortalität, erneute Krankenhauseinweisungen und den Schutz der Nierenfunktion.

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Auch nach herzchirurgischen Eingriffen mit Bypass zeigt sich ein ähnliches Bild: In einer retrospektiven Auswertung von 357 Patienten führte die Gabe von rhBNP zwar zu einem schnelleren Troponin-Abbau und einem geringeren Kreatinanstieg. Ein Vorteil bei der Prognose, der Verweildauer auf der Intensivstation oder der Krankenhausmortalität ließ sich jedoch nicht nachweisen.

Dosierung und Datenlücken bei speziellen Patientengruppen

Hinsichtlich der Dosierung hielten die Autoren fest, dass höhere Dosisregime nicht konsistent bessere Resultate erzielen und eine dosisabhängige Hypotonie auftreten kann. Bei bestehender Nierenfunktionsstörung wird daher eine reduzierte Startdosis von beispielsweise 0,005 µg/kg/min erwogen.

Zudem bleiben wesentliche Datenlücken bestehen: Für den pädiatrischen Einsatz liegt lediglich eine prospektive Pilotstudie mit 32 Kindern vor, und die Datenlage zur Anwendung in der Schwangerschaft ist unzureichend.

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