Retatrutide, Kniearthrose

Retatrutide bei Kniearthrose: Zwei Drittel erreichen 50 Prozent weniger Schmerz

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei Phase-3-Studien zeigen weniger Knieschmerzen und deutliche Gewichtsabnahmen; gastrointestinale Beschwerden traten häufig auf.
Heller, moderner Physiotherapieraum in einer medizinischen Klinik mit minimalistischer Einrichtung und Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Unter der Leitung von Forschenden der Northwestern University untersuchten zwei klinische Phase-3-Studien das Potenzial des Wirkstoffs Retatrutide bei Erwachsenen mit Adipositas und schmerzhafter Kniearthrose.

Die unter den Namen TRIUMPH-4 und TRIUMPH-1-OA durchgeführten Untersuchungen belegen eine signifikante Linderung der Gelenkschmerzen. Zudem verzeichneten die Probanden unter der höchsten Dosierung des von Eli Lilly entwickelten Präparats einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von rund 25 Prozent.

Ergebnisse der Phase-3-Studien TRIUMPH-4 und TRIUMPH-1-OA

Die im New England Journal of Medicine unter der Autorenschaft von Schnitzer et al. veröffentlichte Publikation mit dem Titel „Retatrutide Once Weekly in Adults with Knee Osteoarthritis Pain and Obesity“ fasst die Daten von über 1.000 Teilnehmenden zusammen. Eingeschlossen wurden Erwachsene ohne Diabetes mit einem Body-Mass-Index von mindestens 27 sowie diagnostizierter schmerzhafter Kniearthrose.

An der 68-wöchigen Studie TRIUMPH-4 nahm 445 Personen teil, die wöchentlich 9 mg oder 12 mg Retatrutide oder ein Placebo erhielten. Auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 verringerten sich die Knieschmerzen unter 9 mg um 3,96 Punkte gegenüber 2,12 Punkten unter Placebo. Das Körpergewicht sank um 20,0 Prozent bei 9 mg und um 23,7 Prozent bei 12 mg, verglichen mit 4,6 Prozent in der Placebogruppe.

Bei der Vorstellung durch Philip Conaghan von der University of Leeds auf dem Kongress des American College of Rheumatology in Orlando zeigten die WOMAC-Schmerzwerte einen Rückgang um 4,4 bis 4,5 Punkte gegenüber 2,4 unter Placebo (p<0,001), bei einer Gewichtsreduktion von 26 bis 29 Prozent gegenüber 2,1 Prozent.

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Die über 80 Wochen angelegte Studie TRIUMPH-1-OA mit 574 Probanden untersuchte Dosen von 4 mg, 9 mg und 12 mg Retatrutide. Sie wurde auf dem Fachkongress als Poster präsentiert. Hier sanken die Schmerzwerte um 3,22, 3,48 beziehungsweise 3,64 Punkte gegenüber 1,87 Punkten unter Placebo.

Eine gepoolte Analyse beider Studien ergab, dass rund zwei Drittel der Behandelten eine Schmerzreduktion von mindestens 50 Prozent erreichten, verglichen mit 38 Prozent unter Placebo. Zur Schmerzerfassung nutzten die Studien den WOMAC-Schmerz-Index sowie eine tägliche App.

Wirkprofil des Triple-Hormonrezeptor-Agonisten

Bei Retatrutide handelt es sich um einen Dreifach-Agonisten an den Rezeptoren für GLP-1, GIP und Glucagon. Während etablierte Vergleichssubstanzen wie Semaglutid oder Tirzepatid typischerweise zu Gewichtsverlusten von 10 bis 20 Prozent führen, werden für Retatrutide Werte von 20 bis 25 Prozent verzeichnet. Bislang erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA lediglich für einen Einzelfall eine Ausnahmegenehmigung im Rahmen eines Härtefallprogramms.

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Neben der Schmerzlinderung und der Gewichtsabnahme beobachteten die Forschenden unter Retatrutide einen niedrigeren Blutdruck, reduzierte Lipidwerte sowie einen Rückgang systemischer Entzündungsmarker.

Nebenwirkungen und offene Forschungsfragen

Das Sicherheitsprofil zeigte vermehrt schwerwiegende unerwünschte Ereignisse unter Retatrutide; am häufigsten traten gastrointestinale Beschwerden auf. Die im Studienregister unter NCT05931367 geführten Hauptanalysen stützten sich auf hypothetische Verläufe nach Ereignissen eines Therapieversagens, wobei auch die Intention-to-Treat-Analyse zugunsten des Wirkstoffs ausfiel.

Die Studienautoren, zu denen auch Wissenschaftler von Eli Lilly gehören, weisen auf Einschränkungen hin: Patienten mit Knieprothesen waren von der Teilnahme ausgeschlossen.

Zudem bleibt vorerst ungeklärt, ob die Behandlung das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt, welche Wirkungen sich bei normalgewichtigen Betroffenen zeigen und über welche genauen Mechanismen die Entzündungshemmung vermittelt wird. In den USA sind schätzungsweise 15 Millionen Menschen und damit rund fünf Prozent der Bevölkerung von schmerzhafter Kniearthrose betroffen.

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