Retatrutid, Triple-Agonist

Retatrutid: Neuer Triple-Agonist senkt Gewicht um 30 Prozent

22.06.2026 - 19:13:52 | boerse-global.de

Neue Triple-Agonisten ermöglichen Gewichtsverluste von über 30 Prozent. Forscher arbeiten gezielt an Wirkstoffen gegen den begleitenden Muskelschwund.

Abnehm-Medikamente der Zukunft: Triple-Agonisten und Muskelschutz im Fokus
Retatrutid - Eine stilisierte Darstellung eines wissenschaftlichen Durchbruchs in der Gewichtsabnahme, mit einer leuchtenden molekularen Struktur im Zentrum. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nach den GLP-1-Agonisten rücken nun Triple-Agonisten und Kombinationspräparate in den Fokus. Sie versprechen nicht nur mehr Gewichtsverlust, sondern auch Schutz vor Muskelschwund, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Retatrutid: Fast ein Drittel Gewichtsverlust möglich

Der Wirkstoff Retatrutid ist ein Triple-Agonist. Er spricht die Rezeptoren für GLP-1, GIP und Glukagon an. Die Phase-3-Studie TRIUMPH-1, vorgestellt auf dem ADA-Kongress 2026, zeigt beeindruckende Zahlen: Probanden mit Adipositas verloren über 104 Wochen durchschnittlich 30,3 Prozent ihres Gewichts — das entspricht rund 38,6 Kilogramm. Rund 45 Prozent der Teilnehmer erreichten eine Reduktion von mindestens 30 Prozent.

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Die Studie TRANSCEND-T2D-1, publiziert in The Lancet, untersuchte Retatrutid bei Typ-2-Diabetikern. Nach 40 Wochen sank der HbA1c-Wert unter 12 mg Dosierung um bis zu 1,94 Prozentpunkte. Das Gewicht reduzierte sich um 15,3 Prozent. Positive Nebeneffekte: Die Schlafapnoe verbesserte sich um rund 60 Prozent, auch Kniearthrose ging zurück. Die häufigste Nebenwirkung: Übelkeit bei bis zu 42,4 Prozent der Probanden.

Muskelerhalt wird zum entscheidenden Faktor

Ein Problem der schnellen Gewichtsabnahme: Der Körper verliert nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse. Pharmaunternehmen arbeiten deshalb gezielt an Wirkstoffen, die diesen Verlust minimieren.

Der Antikörper Bimagrumab, den Eli Lilly 2023 übernahm, zeigte in Kombination mit Ozempic einen Fettverlust von über 90 Prozent der Gesamtabnahme. Novo Nordisk setzt auf CagriSema, einen kombinierten Ansatz mit einem Fettabbau von 67 Prozent. Das Unternehmen Cambrian Biotech testet ATX-304, das den Ruheumsatz steigern soll. In einer Phase-1-Studie mit 23 Teilnehmern reduzierte sich das viszerale Fett um 5 Prozent. Weitere Ergebnisse werden für Ende 2027 erwartet.

Weniger Bewegung unter GLP-1-Therapie

Trotz der klinischen Erfolge gibt es Warnsignale. Eine auf der ENDO 2026 präsentierte Studie analysierte das Aktivitätsniveau von 753 Personen unter GLP-1-Therapie. Ergebnis: Die tägliche Schrittzahl sank von durchschnittlich 5.047 auf 4.487. Auch die Zeit für moderate bis intensive Bewegung fiel von 28 auf 22 Minuten pro Tag. Fachleute betonen: Ohne gezielte Bewegungsprogramme leidet die Qualität der Gewichtsabnahme.

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Krebsrisiko sinkt um 41 Prozent

Langfristig zeigen sich positive präventive Effekte. Eine Analyse von rund 229.000 adipösen Nicht-Diabetikern deutet darauf hin: GLP-1-Therapie senkt das Risiko für 13 Krebsarten um insgesamt 41 Prozent. Besonders deutlich war der Rückgang beim Endometriumkarzinom mit minus 58 Prozent und bei Brustkrebs mit minus 30 Prozent.

Epigenetik: Zellen werden jünger

Forscher der Universität Zürich und der Universität Pisa untersuchen die epigenetischen Effekte der Wirkstoffe. Studien an menschlichen Gewebeproben und Tiermodellen zeigen: Inhibitoren von BET-Proteinen können das Fettgewebe um Blutgefäße so umprogrammieren, dass Entzündungen reduziert werden.

Für Semaglutid wurde eine Verlangsamung der epigenetischen Alterung um etwa 9 Prozent gemessen. Die DunedinPACE-Uhr bestätigte den Effekt bei einer Stichprobe von 108 Personen. Eine in JAMA Dermatology veröffentlichte Studie kombinierte Tirzepatid mit dem Biologikum Ixekizumab. Bei Patienten mit Adipositas und Psoriasis verbesserten sich sowohl Hautbild als auch kardiometabolische Parameter signifikant.

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