Retatrutid, Semaglutid

Retatrutid gegen Semaglutid: 20,9 statt 9,4 Prozent Gewichtsverlust

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer Phase-3-Studie erzielte Retatrutid nach 80 Wochen größere Gewichtsverluste und eine stärkere HbA1c-Senkung als Semaglutid.
Laborumgebung mit Glasgefäßen und chemischen Proben in einem sterilen, hellen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Mit der Veröffentlichung von Topline-Ergebnissen der Phase-3-Studie TRANSCEND-T2D-2 am 28. Oktober 2026 durch Eli Lilly rückt die Entwicklung des Wirkstoffs Retatrutid weiter in den Fokus der Diabetesforschung.

Die randomisierte, offene und aktiv kontrollierte Untersuchung verglich die einmal wöchentliche Injektion des Triple-Agonisten über einen Zeitraum von 80 Wochen mit Semaglutid bei 1.298 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Die Studienteilnehmer waren zuvor unzureichend auf einer Metformin-Monotherapie oder einer Kombination mit SGLT2-Hemmern eingestellt.

Stärkere Senkung von Blutzucker und Körpergewicht im Vergleich zu Semaglutid

Im Rahmen der 2:2:1-Randomisierung erhielten die Probanden entweder Retatrutid in Dosierungen von 9 mg beziehungsweise 12 mg oder Semaglutid in einer Dosierung von 2 mg. Bei der Auswertung des primären Wirksamkeitsansatzes verzeichnete die Gruppe unter 12 mg Retatrutid eine Gewichtsabnahme von 20,9 Prozent (minus 21,5 kg).

Unter der 9-mg-Dosis betrug der Verlust 19,5 Prozent (minus 20,1 kg). Dagegen erreichten Teilnehmer unter Semaglutid 2 mg (Ozempic) eine Reduktion um 9,4 Prozent (minus 9,5 kg).

Auch bei der Blutzuckereinstellung fiel die Reduktion unter dem neuen Wirkstoff höher aus. Beide Retatrutid-Dosierungen erzielten nach 80 Wochen eine Senkung des HbA1c-Werts um 2,2 Prozentpunkte. Unter Semaglutid 2 mg lag der Rückgang bei 1,8 Prozentpunkten.

Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse traten bei 7,9 Prozent der Patienten unter 12 mg und bei 4,8 Prozent unter 9 mg Retatrutid auf, verglichen mit 2,7 Prozent unter Semaglutid 2 mg. Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen betrafen den Gastrointestinaltrakt und wurden überwiegend als mild bis moderat eingestuft.

Wirkmechanismus und breiteres Phase-3-Programm

Retatrutid (LY3437943) ist ein 39-Aminosäure-Peptid mit einer Halbwertszeit von etwa sechs Tagen, das simultan drei Rezeptoren aktiviert: GIP, GLP-1 und Glucagon. Eli Lilly teilte mit, dass der Wirkstoff mittlerweile in sechs Phase-3-Studien positive Resultate erzielt habe.

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Kenneth Custer von Eli Lilly sprach von einem potenziellen Standardwechsel bei Typ-2-Diabetes, Adipositas und kardiometabolischen Erkrankungen im Fall einer behördlichen Zulassung. Neben der Blutzuckersenkung seien Verbesserungen bei kardiometabolischen Risikofaktoren festgestellt worden, deren Details jedoch noch ausstehen.

Ergänzende Ergebnisse stammen aus weiteren Studien des Herstellers:
- In der Phase-3-Studie TRIUMPH-1 (veröffentlicht im NEJM 2026 an 2.339 Erwachsenen mit Adipositas ohne Diabetes) sank das Gewicht nach 80 Wochen um 25,0 Prozent (12 mg) und 23,7 Prozent (9 mg) gegenüber 3,9 Prozent unter Placebo.
- Die Phase-3-Studie TRIUMPH-2 bei adipösen Typ-2-Diabetikern zeigte über 80 Wochen einen durchschnittlichen Verlust von 49,6 lbs (20,8 Prozent); im Fachjournal The Lancet wurde für die Höchstdosis ein Wert von minus 18,8 Prozent gegenüber minus 5,1 Prozent bei Placebo angeführt.

Als häufigste Begleiterscheinungen traten Diarrhö, Übelkeit, Obstipation, verminderter Appetit und Erbrechen auf.
- In TRIUMPH-3 (schwere Adipositas mit kardiovaskulärer Vorerkrankung) verloren Patienten im Schnitt 55,8 lbs (22,6 Prozent) in 80 Wochen; hier trat vor allem Hyperglykämie milden bis moderaten Grades auf.

Frühere Phase-2-Untersuchungen hatten bereits Gewichtsverluste von mindestens 15 Prozent bei 83 Prozent der Teilnehmer auf der Höchstdosis gezeigt. Bei einer Präsentation vor der American Diabetes Association verwies Lee M. Kaplan auf eine vollständige Auflösung der hepatischen Steatose bei rund 80 Prozent der Patienten nach 24 Wochen und rund 90 Prozent nach 48 Wochen in einer Subgruppe.

Zeitplan und offene klinische Fragen

Fachmedien wie The Lancet ordnen Gewichtsreduktionen im Bereich von rund 20 Prozent bei Typ-2-Diabetes in Größenordnungen ein, wie sie zuvor vor allem durch bariatrische Eingriffe erreicht wurden. Als zentrale Herausforderungen gelten jedoch das Management gastrointestinaler Nebenwirkungen sowie ein mögliches Wiederanstiegen des Gewichts nach Absetzen der Therapie.

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Eli Lilly plant die Einreichung des Zulassungsantrags bei der US-Arzneimittelbehörde FDA für das erste Quartal 2027. Ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Einordnung der Wirksamkeit ist die Studie TRIUMPH-5, in der Retatrutid direkt gegen Tirzepatid antritt; Ergebnisse hierzu werden für das vierte Quartal 2026 erwartet. Aktuell verfügt Retatrutid über keine behördliche Zulassung und ist nicht in Apotheken erhältlich.

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