Retatrutid, Entzündungsmarker

Retatrutid: Entzündungsmarker hsCRP sinkt in Studie um 58,3 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

TRIUMPH-2 zeigt nach 80 Wochen Gewichtsabnahme und niedrigere Entzündungswerte; Eli Lilly will 2027 einen FDA-Zulassungsantrag einreichen.

Eli Lilly: Retatrutid senkt Gewicht und Entzündungsmarker in Phase-3-Studie
Ein steriler Labortisch mit einem Glasbecher in einer hellen, modernen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Auf der 62. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand wurden detaillierte Ergebnisse mehrerer Phase-3-Studien zu Retatrutid vorgestellt, dem Wirkstoff des US-Herstellers Eli Lilly.

Die Daten, teils zusätzlich in The Lancet veröffentlicht, deuten darauf hin, dass der Wirkstoff bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas nicht nur den Blutzucker senkt, sondern auch systemische Entzündungsmarker deutlich reduziert.

Studiendesign und Wirkmechanismus

Grundlage der aktuellen Auswertung ist die Studie TRIUMPH-2 (NCT05929079), an der 1.152 Teilnehmer über 80 Wochen randomisiert in vier Gruppen untersucht wurden. Retatrutid gilt als erster Triple-Agonist, der in einer Phase-3-Studie getestet wurde: Er wirkt gleichzeitig auf die Rezeptoren GLP-1, GIP und Glucagon.

Der zusätzliche Angriffspunkt am Glucagon-Rezeptor soll laut Berichterstattung den Energieverbrauch erhöhen und dadurch über die reine Appetitzügelung hinaus wirken.

Gewichtsverlust und Blutzuckerkontrolle

Nach 80 Wochen zeigte sich in TRIUMPH-2 ein dosisabhängiger Effekt: Unter 4 mg verloren die Teilnehmer im Schnitt 29,8 lbs (12,7 Prozent), unter 9 mg 45,4 lbs (19,1 Prozent) und unter 12 mg 49,6 lbs (20,8 Prozent).

Bei Teilnehmern mit einem Ausgangs-BMI von mindestens 35 führte die 12-mg-Dosis sogar zu einem Verlust von 60,8 lbs (23,4 Prozent). In der Höchstdosisgruppe erfüllten 59,5 Prozent am Ende nicht mehr die BMI-Kriterien für Adipositas.

Auch der HbA1c-Wert sank deutlich: um 1,6 Prozentpunkte unter 9 mg, um 1,5 unter 12 mg und um 1,4 unter 4 mg. Ergänzend berichtete Fierce Biotech, dass in der Studie kein dosisabhängiger A1C-Effekt zu beobachten war und dass 40 Prozent (9 mg) beziehungsweise 39,3 Prozent (12 mg) der Teilnehmer am Ende einen A1C-Wert unter 5,7 Prozent erreichten.

Entzündungsmarker und kardiovaskuläre Risikofaktoren

Für die Höchstdosis wurden in TRIUMPH-2 auch deutliche Verbesserungen bei kardiovaskulären Risikofaktoren dokumentiert: Die Triglyzeride sanken um 39,5 Prozent, das Non-HDL-Cholesterin um 19,6 Prozent, der systolische Blutdruck um 10,8 mmHg und der Taillenumfang um 6,7 Zoll (16,9 cm).

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Besonders auffällig war der Rückgang des Entzündungsmarkers hsCRP um 58,3 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Gewichtsverlust unter Retatrutid mit einer spürbaren Reduktion systemischer Entzündungsprozesse einhergeht.

Eine weitere, ebenfalls auf der EASD präsentierte und in The Lancet erschienene Studie namens TRANSCEND-T2D-1 mit 537 Teilnehmern über 40 Wochen bestätigte diesen Trend mit ähnlichen HbA1c- und Gewichtsveränderungen, allerdings ohne bislang vorliegende kardiovaskuläre Outcome-Daten.

Sicherheitsprofil

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse betrafen den Magen-Darm-Trakt: Durchfall trat bei 27,4 bis 33,6 Prozent der Behandelten auf (gegenüber 13,2 Prozent unter Placebo), Übelkeit bei bis zu 28,0 Prozent, Verstopfung bei bis zu 16,8 Prozent, Appetitlosigkeit bei bis zu 17,1 Prozent und Erbrechen bei bis zu 15,7 Prozent.

Die Abbruchraten wegen Nebenwirkungen lagen zwischen 3,8 und 11,6 Prozent, gegenüber 4,9 Prozent unter Placebo. Laut Lancet waren sieben in der Studie aufgetretene Todesfälle nicht auf die Behandlung zurückzuführen.

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Einordnung und weitere Studien

Eine separate, ebenfalls von Eli Lilly finanzierte Studie namens TRIUMPH-1, veröffentlicht im New England Journal of Medicine, untersuchte Retatrutid bei nicht-diabetischen Teilnehmern mit Adipositas und verzeichnete einen Gewichtsverlust von bis zu 25 Prozent nach 80 Wochen; in einer Subgruppe mit schwerer Adipositas waren es nach Verlängerung auf 104 Wochen bis zu 85 lbs beziehungsweise rund 30 Prozent.

In dieser größer angelegten Untersuchung mit 2.339 Teilnehmern an 131 Standorten in elf Ländern zeigten sich zudem Verbesserungen bei Knie-Arthrose-Schmerzen von bis zu 62 Prozent und bei obstruktiver Schlafapnoe eine Reduktion der Apnoe-Ereignisse pro Stunde um bis zu 57 Prozent.

Bei mehr als einem Drittel der Teilnehmer mit Prädiabetes zu Studienbeginn hatte sich die Erkrankung am Ende bei über 90 Prozent dieser Gruppe zurückgebildet. Allerdings wurden in dieser Studie auch zehn kardiovaskuläre Ereignisse sowie zehn Pankreatitis-Fälle registriert, wobei die Studiengröße für eine belastbare Risikobewertung dieser seltenen Ereignisse als zu klein gilt.

Eli Lilly kündigte an, auf Basis der TRIUMPH-2-Daten im ersten Quartal 2027 einen Zulassungsantrag (BLA) bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einzureichen.

Zugleich wächst der Wettbewerb im Markt der Triple-Hormon-Agonisten: Auf derselben EASD-Tagung stellten Hengrui Pharma und Kailera Therapeutics Phase-1-Daten zu einem eigenen Triple-G-Agonisten vor, der nach Einschätzung von Analysten der Investmentbank TD Cowen im direkten Vergleich sogar bessere Ergebnisse als Retatrutid zeigen könnte.

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