Restless-Legs-Syndrom: Kleinhirn-Gen MEIS1 als Schlüssel identifiziert
21.06.2026 - 13:03:40 | boerse-global.de
Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die gute Nachricht: Sowohl die komplementärmedizinische Behandlung als auch die genetische Ursachenforschung machen Fortschritte.
Akupressur statt Pillen?
Die Deutsche Restless Legs Vereinigung (RLS e. V.) hat heute eine neue Informationsbroschüre veröffentlicht. Sie befasst sich mit Akupressur und Hydrotherapie als Ergänzung zur klassischen Behandlung. Die Methoden sollen Symptome ohne Medikamente lindern oder bestehende Therapien unterstützen.
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Mitglieder erhalten die Broschüre kostenfrei, Nichtmitglieder gegen eine Gebühr. Parallel startet am 25. Juni im Dortmunder Hüttenhospital ein Aquafitness-Kurs. Gelenkschonende Bewegungsangebote werden bei neurologischen Beschwerden zunehmend empfohlen.
Gen-Durchbruch im Kleinhirn
Forscher der Universität Basel haben einen wesentlichen Erkenntnisfortschritt erzielt. Ihre am 19. Juni in „Current Biology“ veröffentlichte Studie unter der Leitung von Alex Schier untersuchte Mutationen des MEIS1-Gens. Es gilt seit Langem als Risikofaktor für RLS.
Die Wissenschaftler nutzten Zebrafische als Modell. Eine Veränderung des MEIS1-Gens führte zu einer deutlichen Reduktion der Purkinje-Zellen im Kleinhirn. Die Fische zeigten ein auffälliges Schwimmverhalten – eine Analogie zum menschlichen Bewegungsdrang bei RLS.
Entscheidend: Gängige RLS-Medikamente normalisierten das Verhalten der Tiere. Das stützt die These, dass das Kleinhirn eine zentralere Rolle spielt als bislang angenommen.
Parallel veröffentlichte eine Kooperation der Universität Pompeu Fabra (UPF) und des Center for Genomic Regulation (CRG) am selben Tag in „Science Advances“ Erkenntnisse über neuronale Mikroexons. Diese kleinen genetischen Fragmente steuern die neuronale Aktivität. Abweichungen können zu einem Hyperarousal führen – einem Zustand erhöhter Erregbarkeit, der Schlafstörungen begünstigt.
Frauenleiden RLS
Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) thematisierte heute den Zusammenhang zwischen Schlafqualität und dem weiblichen Hormonhaushalt. In Schwangerschaft oder Wechseljahren treten Schlafstörungen gehäuft auf. RLS wird dabei als eine mögliche Ursache identifiziert.
Ein wichtiger Faktor bleibt die Versorgung mit Mikronährstoffen. Eisenmangel wird regelmäßig mit verstärkten RLS-Symptomen in Verbindung gebracht. Fachleute verweisen auf eine Studie aus dem Jahr 2020: Die Aufnahme von Eisenpräparaten lässt sich optimieren, wenn sie nur jeden zweiten Tag eingenommen werden. Grund ist das Hormon Hepcidin, das bei täglicher Gabe die Aufnahme blockieren kann.
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RLS als Nebenwirkung
RLS kann auch als Nebenwirkung anderer Behandlungen auftreten. Aktuelle FDA-Daten zur Zulassung von Burosumab – einer Therapie für die seltene Erbkrankheit X-chromosomale Hypophosphatämie (XLH) – führen RLS als eine der häufigsten beobachteten Nebenwirkungen auf. Die Therapie selbst zeigte hohe Wirksamkeit bei der Regulierung der Phosphatwerte.
Ende Juni befasst sich der Deutsche Bundestag zudem mit einem Gesetzentwurf zur Streichung der Kostenübernahme für Homöopathie und anthroposophische Medizin durch die gesetzlichen Krankenkassen. Befürworter verweisen auf wissenschaftliche Evidenz und Kosteneffizienz, Gegner betonen die Bedeutung der Therapiefreiheit.
