Ressourcenverschwendung kostet 25,4 Billionen Euro jährlich
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 11:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Analysen zur globalen Ressourcennutzung verdeutlichen die Notwendigkeit einer systemischen Abkehr von linearen Wirtschaftsmodellen. Seit dem Jahr 1970 hat sich die weltweite Rohstoffgewinnung verdreifacht, wobei die Gewinnung und Verarbeitung von Materialien heute für rund 50 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Eine Neubewertung der Kreislaufwirtschaft als zentrales Wachstumsmodell des 21. Jahrhunderts deutet darauf hin, dass ein Übergang zu zirkulären Prozessen die Emissionen um bis zu 20 % reduzieren könnte.
Ökonomische Verluste und ökologische Notwendigkeit
Der aktuelle Circular Economy Gap Report 2026 beziffert den Grad der Zirkularität der Weltwirtschaft auf lediglich 6,9 %. Angestrebt wird eine Steigerung auf 17 % bis zum Jahr 2032. Die wirtschaftlichen Folgen der bisher vorherrschenden linearen Strukturen sind erheblich: Der jährliche Verlust durch Ineffizienzen wird auf 25,4 Billionen Euro geschätzt, was etwa 31 % des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.
Innerhalb der Europäischen Union wird das Ziel verfolgt, die Kreislaufquote von 12,2 % im Jahr 2024 auf 24 % bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln. Dieser Transformationsprozess könnte bis Ende des Jahrzehnts rund 700.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Ein für September 2026 erwarteter Entwurf der EU-Kommission für einen EU Circular Economy Act (CEA) soll hierfür die rechtliche Grundlage schaffen. Fachleute von Umweltorganisationen wie dem WWF und dem DNR befürworten ein solches Dachgesetz mit verbindlichen Ressourcenzielen für die Jahre 2030, 2040 und 2050. Ziel ist eine absolute Senkung des Primärrohstoffverbrauchs, der im Jahr 2024 bei 14,1 Tonnen pro Kopf lag und perspektivisch auf einen Korridor von 5 bis 7 Tonnen gesenkt werden soll.
Industrielle Investitionen und technologische Innovationen
In der Industrie finden bereits konkrete Investitionsprojekte statt, um die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern. Das Unternehmen H.C. Starck Tungsten investiert rund 50 Millionen Euro in eine neue Recyclinganlage für wolframhaltige Sekundärrohstoffe am Standort Goslar. Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2028 soll die Kapazität um fast 50 % auf rund 7.000 Jahrestonnen steigen. Der CEO Dr. Hady Seyeda betonte in diesem Zusammenhang das Ziel, nahezu den gesamten Rohstoffbedarf aus recyceltem Wolfram zu decken.
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Auch im Bereich der Kunststoffe und Textilien werden neue Verfahren erprobt. BASF-Forscher verwiesen in einem aktuellen Fachbeitrag auf einen Mix aus mechanischem und lösemittelbasiertem Recycling sowie Depolymerisation. Ein Beispiel hierfür ist die seit Anfang 2025 in Caojing, China, betriebene Anlage für das Textil-zu-Textil-Recycling von Polyamid 6. Die Grabher Group aus Österreich setzt zudem auf den digitalen Produktpass für technische Vliese, um Transparenz in der Wertschöpfungskette zu schaffen.
Strukturelle Hürden und Kritik am aktuellen Rechtsrahmen
Trotz der technologischen Fortschritte mahnen Akteure der Zivilgesellschaft und Verbände Nachbesserungen an. Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte das Anfang August 2026 in Deutschland in Kraft getretene Recht auf Reparatur als unzureichend. Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft, forderte in diesem Zusammenhang wirksame Kontrollen, Sanktionen gegen Billigplattformen sowie finanzielle Anreize wie Bonusmodelle oder eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Reparaturleistungen.
Weltweit sind nur 6,9 % der Wirtschaft zirkulär – das kostet jährlich 25,4 Billionen Euro. Nachhaltigkeitsmanager, die früh auf Kreislaufwirtschaft setzen, reduzieren Risiken und erschließen neue Wachstumsfelder. Dieser Report zeigt, wie Sie Ihre Kreislaufquote konkret steigern. Kreislaufquote-Report jetzt sichern
Zudem warnte der bvse-Fachverband Textilrecycling vor einem Rückbau kommunaler Sammelsysteme. Hintergrund ist die Entscheidung der Stadt Oberhausen, die Sammlung von Alttextilien über Depotcontainer ab August schrittweise einzustellen. Marwin Gedenk, Vorsitzender des Fachverbandes, sieht durch solche Maßnahmen die Erreichung der EU-Kreislaufwirtschaftsziele gefährdet, da Depotcontainer eine deutlich höhere Erfassungsquote aufweisen als haushaltsnahe Abholungen.
Global werden die Ziele für die kommenden Jahre auf Foren wie dem II Fórum de Economia Circular in São Paulo weiter konkretisiert. Für die Weltklimakonferenz COP31 im November 2026 werden Ziele diskutiert, die unter anderem eine Steigerung der globalen Materialkreislaufquote auf mindestens 15 % bis zum Jahr 2035 vorsehen.
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