Resistente, Tuberkulose

Resistente Tuberkulose: Corramycin stört die DNA-Reparatur der Erreger

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 16:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien untersuchen gezielten Proteinabbau, resistente Erreger und regenerative Verfahren; klinische Impfstoffstudien gegen das Ewing-Sarkom werden vorbereitet.

Neue Forschungsansätze bei Krebs, Infektionen und Wundheilung
Mikroskopische Aufnahme zellulärer Strukturen mit fluoreszierenden Markierungen in einem Labor. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Forschung gewinnen neue Methoden zur gezielten Manipulation zellulärer Prozesse an Bedeutung. Aktuelle Untersuchungen konzentrieren sich dabei auf die Reparatur von DNA-Schäden sowie die Beeinflussung der Mikroumgebung von Tumoren und Entzündungsherden.

Durch den Einsatz innovativer Moleküle und präziser Visualisierungstechniken eröffnen sich neue Perspektiven für die Krebstherapie und die Behandlung antibiotikaresistenter Infektionen.

Gezielter Proteinabbau und präzise Bildgebung

Ein zentraler Forschungsansatz liegt in der Entwicklung von Molekülen, die krankheitsrelevante Proteine nicht nur blockieren, sondern deren vollständigen Abbau einleiten. Im Rahmen des Projekts TaNGo an der Universität Duisburg-Essen entwickeln Fachleute sogenannte Nanobody-PROTACs.

Diese Moleküle zielen auf das Enzym Taspase1 ab, welches die Zellteilung und das Krebswachstum beeinflusst. Da bestimmte Tumorzellen auf dieses Protein angewiesen sind, soll ein Nanobody das Enzym binden und über einen Linker an einen E3-Ligase-Liganden koppeln. Dies führt das Zielprotein dem Proteasom zum Abbau zu. Die Deutsche Krebshilfe fördert dieses Vorhaben mit rund 290.000 Euro.

Parallel dazu ermöglichen Fortschritte in der Mikroskopie detailliertere Einblicke in zelluläre Vorgänge. Die Universitätsmedizin Göttingen stellte mit NanoFLex ein Verfahren vor, das die Fluoreszenzlebensdauer im Nanosekundenbereich nutzt, um bis zu acht Zielproteine gleichzeitig zu visualisieren.

Durch die Verwendung kleiner Nanobodies und einer Referenzdatenbank von 26 Farbstoffen lassen sich Signale selbst bei konventionellen Mikroskopen trennen. In einer Publikation in ACS Nano aus dem Jahr 2026 wurde dargelegt, wie die mathematische Trennung von Autofluoreszenz die Präzision dieser Diagnostik erhöht.

Mechanismen der Metastasierung und Resistenzüberwindung

Die Forschung zur Tumorausbreitung identifizierte zudem biochemische Treiber der Metastasierung. Ein internationales Team unter Beteiligung des MIT, der Harvard Medical School und der Universität Duisburg-Essen wies nach, dass die Synthese von Ceramiden die Metastasierung bei Darmkrebs fördert.

In einer in Science veröffentlichten Studie wurde beobachtet, dass eine fettreiche Ernährung die Anreicherung dieser Lipide verstärkt, was über die Aktivierung des Proteins YAP die Zellplastizität steigert. Eine Hemmung der Ceramidsynthese konnte diesen Prozess unterbrechen. Angesichts von weltweit jährlich mehr als 900.000 Todesfällen durch Darmkrebs stellt dies einen relevanten Ansatzpunkt dar.

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Im Bereich der Infektionsbiologie lieferten Untersuchungen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) Erkenntnisse über den Naturstoff Corramycin. Dieser Stoff stabilisiert den DNA-Gyrase-Komplex in Bakterien nach einem Doppelstrangbruch und verhindert so die lebensnotwendige Reparatur des Erbguts.

In Labortests erwies sich die Substanz als wirksam gegen Tuberkulose-Erreger, die bereits Resistenzen gegen Fluorchinolon-Antibiotika entwickelt hatten. Laut WHO-Daten starben im Jahr 2024 rund 1,23 Millionen Menschen an Tuberkulose.

Innovative Strategien zur Wundheilung und Zellregeneration

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Neue Ansätze zur Behandlung komplizierter Wunden nutzen biologische und mechanische Mechanismen. Ein Team der Nanjing University of Science and Technology untersuchte ein mikrobielles Polysaccharid namens Hemoadhican (HD). Als Selbstgel-Pulver eingesetzt, bindet es an Makrophagen und reprogrammiert die Wundmikroumgebung. In verschiedenen Tiermodellen führte dies zu einer beschleunigten Heilung und der Regeneration von Haarfollikeln sowie Nerven.

Ergänzend dazu entwickelt das Instituto Politécnico Nacional in Mexiko personalisierte dermale Pflaster aus Nanokompositen. Diese enthalten räuberische Bakterien und Metalloxide, um antibiotikaresistente Keime wie Staphylococcus aureus zu bekämpfen. Tests zeigten eine Verkürzung der Heilungsdauer auf 12 Tage gegenüber 16 Tagen bei herkömmlichen Kontrollen.

Erkenntnisse zu verborgenen Genomregionen und Langzeitfolgen

Das TransCODE-Konsortium konnte durch die Analyse von über 7.000 nicht-kodierenden Genomregionen eine bisher verborgene Schicht von Peptidinen identifizieren. Rund ein Drittel dieser Regionen produziert kurze Peptide, von denen Krebszellen für ihr Wachstum abhängig sind.

Auf Basis dieser Erkenntnisse werden bereits klinische Studien für Impfstoffe gegen das Ewing-Sarkom vorbereitet, von dem in Europa jährlich etwa 600 junge Patienten betroffen sind.

Abschließend deuten Untersuchungen des University of Kansas Medical Center und der NASA auf langfristige systemische Auswirkungen mechanischer Belastungen hin. In Studien zur Mikrogravitation wurde bei Nachkommen eine drastisch gesunkene Fruchtbarkeit und eine verringerte Muskelkraft beobachtet.

Ein Abfall des Anti-Müller-Hormons blieb dabei bis in die dritte Generation bestehen, was auf epigenetische Veränderungen durch beschleunigte Zellalterung und mitochondriale Dysfunktion hindeutet.

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