Resilienz, Wichtigkeit

Resilienz in Unternehmen: 97% sehen Wichtigkeit, nur 47% sind vorbereitet

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen eine Lücke zwischen hoher Bedeutung und tatsächlicher Widerstandskraft: Cybervorfälle, Vorbereitung und Sicherheitskultur bleiben zentrale Themen.

Resilienz im Fokus: Unternehmen unterschätzen ihre Cyberrisiken
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum mit klaren architektonischen Linien und einem polierten Betonboden. Illustration mit AI erstellt.

Resilienz und die gezielte persönliche Weiterentwicklung rücken zunehmend in das Zentrum strategischer Überlegungen. Verschiedene Institutionen und Sportvereine betonen die Bedeutung dieser Faktoren als zentrale Säulen für langfristige Stabilität und mentale Stärke. Sowohl im sportlichen Umfeld als auch in der betrieblichen Praxis zeigt sich, dass Widerstandskraft weit über reine Krisenreaktion hinausgeht und strukturell aufgebaut werden muss.

Mentale Stärke und Führungskompetenz im Sport

Wie eng persönliche Entwicklung und Belastbarkeit verknüpft sind, verdeutlichte das zweite Wochenende der GOAL, GIRL!-Akademie, das vom 18. bis 20. September 2026 mit 20 Teilnehmerinnen in Berlin stattfand. Die Schwerpunkte lagen auf mentaler Gesundheit, Führung sowie Netzwerkarbeit.

Im Rahmen des Programms standen unter anderem ein Besuch beim Axel Springer Verlag sowie Fachgespräche auf der Agenda: Lena Lotzen, Co-Trainerin der U17-Nationalmannschaft, und Paula Isringhausen, Sportpsychologin bei Hertha BSC, vermittelten im Workshop „Stark im Kopf“ konkrete Ansätze wie die STOPP-Methode.

Ergänzt wurden diese Einblicke durch persönliche Erfahrungsberichte. Anna Aehling vom 1. FC Union Berlin thematisierte eine fast einjährige Verletzungspause und den damit verbundenen Umgang mit Rückschlägen.

Larissa Kneisel vom Deutschen Fußball-Bund ging auf die Strategie FF27 sowie die Europameisterschaft der Frauen WEURO 2029 ein, während Diana Riessland von der Deutschen Bahn über Führungsverantwortung für mehr als 2.500 Mitarbeitende berichtete.

Ganzheitliche Konzepte und gesellschaftliche Widerstandskraft

Auch in der Arbeitswissenschaft wird der systematische Aufbau von Widerstandskraft forciert. Das Forschungsprojekt WAI-Lab des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft entwickelte ein ganzheitliches Konzept zur organisationalen Resilienz in Unternehmen.

Dieses System ist mit bestehenden Managementsystemen kompatibel und unterscheidet sechs Einflusstypen sowie Resilienzarten. Es dient als Fundament für praxisnahe Modelle, Methoden und Umsetzungshilfen, um die Widerstandsfähigkeit von Betrieben und Beschäftigten zu steigern.

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Auf übergeordneter Ebene befasste sich am 18. September 2026 die Konferenz RESILIENT SOCIETY der steg PS im Kieler Yacht-Club mit dem Thema. Unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Daniel Günther lautete eine Kernthese, dass Resilienz vor allem auf Quartiersebene entsteht und Versicherbarkeit eine wesentliche wirtschaftliche Resilienzfrage darstellt.

Zudem wurde auf staatliche Rahmenbedingungen verwiesen: Die Bundesregierung verabschiedete das KRITIS-Dachgesetz 2026, das im März in Kraft trat und sektorübergreifende Vorgaben für die physische Widerstandsfähigkeit kritischer Anlagen formuliert.

Der finnische Botschafter Kai Sauer verwies in diesem Kontext auf rund 50.500 zivile Schutzräume für etwa 4,8 Millionen Menschen bei einer finnischen Gesamtbevölkerung von 5,6 Millionen.

Diskrepanz zwischen Problembewusstsein und Vorbereitung in Unternehmen

In der Wirtschaft klafft zwischen Anspruch und Realität oft eine deutliche Lücke. Die Studie „Resiliency Rules Report“ des Softwareunternehmens SAS unter 2.400 Managern mittlerer und großer Unternehmen zeigt: 97 Prozent halten Resilienz für wichtig, doch nur 47 Prozent beurteilen ihr eigenes Unternehmen als widerstandsfähig.

Zudem sehen sich 46 Prozent nicht ausreichend auf unvorhergesehene Disruptionen vorbereitet. Als zentrale Herausforderungen nennen 48 Prozent die Datensicherheit, 47 Prozent die Produktivität und 46 Prozent technologische Innovationen.

Gleichzeitig blicken 70 Prozent optimistisch auf die regionale Wirtschaft, und 80 Prozent investieren in Resilienz. Im weltweiten Resilienz-Index der Untersuchung weisen 26 Prozent eine hohe, 54 Prozent eine mittlere und 20 Prozent eine geringe Resilienz auf.

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Spezifisch auf den digitalen Bereich bezogen definiert das IT-Sicherheitsunternehmen Palo Alto Networks Cyber-Resilienz als taktischen Zustand der Bereitschaft, um bei Sicherheitsvorfällen Betriebsunterbrechungen zu minimieren und Kernsysteme verfügbar zu halten.

Zu den empfohlenen Schritten zählen Bewertungen anhand etablierter Rahmenwerke, das Verwalten der Angriffsfläche und wichtiger Kernwerte, kontinuierliche Stresstests, das Einüben alternativer Servicebereitstellungen sowie eine feste Verankerung der Sicherheitsaspekte im Vorstand.

Operative Herausforderungen und menschliche Sicherheitskultur

Dass akuter Handlungsbedarf besteht, unterstreicht die Erhebung „Owning Operational Resilience in 2026“ von ManageEngine unter 302 Führungskräften in Deutschland: 75 Prozent der befragten deutschen Betriebe verzeichneten in den vergangenen zwölf Monaten einen Cybersicherheitsvorfall, wobei Phishing und Social Engineering 56 Prozent aller Vorfälle ausmachten.

Für die kommenden zwölf Monate betrachten 45 Prozent KI-gestützte Angriffe als größtes Cyberrisiko; 35 Prozent sehen die Vorbereitung darauf als wichtigste Investitionspriorität der nächsten zwei Jahre.

Zwar führen 95 Prozent nach einem Vorfall eine formelle Auswertung durch, doch erholen sich 44 Prozent binnen zehn Tagen, während rund 30 Prozent mehr als 20 Tage dafür benötigen. Bei 39 Prozent befasst sich der Vorstand erst in Krisen intensiv mit der Thematik.

In der industriellen Fertigung zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Ein Bericht von Rockwell Automation vom 21. September 2026 unter 1.560 Befragten aus 17 Fertigungsnationen zeigt, dass mehr als ein Drittel der Industrieunternehmen Cyberrisiken als wesentliches externes Wachstumshemmnis einstuft. 46 Prozent waren im vergangenen Jahr betroffen, wenngleich 90 Prozent davon überzeugt sind, Angriffe verhindern, eindämmen oder bewältigen zu können. 62 Prozent investierten in entsprechende Plattformen, 45 Prozent planen den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen binnen zwölf Monaten, und 37 Prozent erwarten durch abgesicherte IT- und OT-Architekturen positive Geschäftsergebnisse innerhalb von fünf Jahren.

Dass Technologie allein nicht genügt, belegt der Langzeitreport von TreeSolution über 20 Jahre und mehr als 100.000 Teilnehmende. Zwischen 2019 und 2025 wiesen 13 Prozent eine ungenügende, 40 Prozent eine ausbaufähige, 33 Prozent eine gute und 13 Prozent eine sehr gute Sicherheitskultur auf – eine Verbesserung gegenüber dem Zeitraum von 2004 bis 2012, als rund 40 Prozent als ungenügend eingestuft wurden.

Der Sicherheitsbewusstseins-Index stieg von 43,8 Punkten im Jahr 2005 auf 65,2 Punkte im Jahr 2025. Obwohl 94 Prozent Passwörter schützen und 89 Prozent Sicherheit als gemeinsame Verantwortung anerkennen, gaben lediglich 39 Prozent an, dass Vorgesetzte Schutzmaßnahmen verständlich erläutern.

Fachleute aus der Praxis betonen daher, dass Wissensvermittlung allein nicht ausreicht: Gezielte Micro-Learnings, abteilungsspezifische Trainings und eine offene Fehlerkultur seien notwendig, um Resilienz als gelebte Praxis zu etablieren.

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