Resilienz im Management: Deutschland liegt mit 3,98 Punkten unter dem Schnitt
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Anforderungen an Führungskräfte in einem volatilen internationalen Umfeld unterliegen einem tiefgreifenden Wandel. Aktuelle Analysen sowie neu initiierte europäische Akademie-Programme untersuchen verstärkt die Bedeutung und Definition von Resilienz als Kernkompetenz im Management. Dabei zeigt sich eine deutliche Differenzierung zwischen verschiedenen Wirtschaftsräumen sowie ein steigender Bedarf an struktureller Ausbildung.
Europäische Initiative zur Professionalisierung der Hochschulführung
Ein zentraler Baustein in der akademischen Auseinandersetzung mit Führungskompetenzen ist die neu gegründete European University Leadership Academy. Die Universität für Weiterbildung Krems fungiert hierbei als Partnerin der European University Association (EUA).
Das Vorhaben wird im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ gefördert und ist am Department für Hochschulforschung angesiedelt. Der Beginn der Umsetzung ist für Ende 2026 geplant, wobei zunächst eine 24-monatige Pilotphase vorgesehen ist.
Das Programm umfasst vier zentrale Formate, darunter Leadership-Module und sogenannte Foresight Labs, die sich explizit den Themen Resilienz und Nachhaltigkeit widmen. Ergänzt wird das Angebot durch ein europäisches Mentoringprogramm für Frauen in akademischen Leitungspositionen sowie den Aufbau von Communities of Practice.
Neben der Universität Krems beteiligen sich das deutsche CHE Centrum für Hochschulentwicklung und die Organisation EURASHE an der Akademie, die zudem eine frei zugängliche Wissensplattform bereitstellen wird.
Unterschiedliche Resilienz-Konzepte in Deutschland und den USA
Analysen der Personalberatung Heidrick & Struggles verdeutlichen, dass der Begriff der Resilienz international unterschiedlich interpretiert wird. In einer Interviewserie mit Führungskräften, die sowohl in Deutschland als auch in den USA tätig waren, traten divergierende Management-Traditionen zutage.
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Während die deutsche Tradition Resilienz primär als die Fähigkeit definiere, langfristig bestehende Organisationen zu schaffen, werde sie in US-amerikanischen Technologie-Ökosystemen eher als die Kompetenz verstanden, Geschäftsmodelle frühzeitig an neue Gegebenheiten anzupassen.
Kristin van der Sande, Partnerin bei Heidrick & Struggles, wies darauf hin, dass CEOs situativ zwischen Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit wählen müssten. Zu den identifizierten Imperativen für modernes Management gehören demnach der Ausgleich zwischen Stabilität und Flexibilität sowie die Honorierung von Neugierde gleichermaßen wie von Erfahrung.
Statistische Befunde zur Widerstandsfähigkeit im Berufsalltag
Der Global Resilience Report, erstellt von der Zurich Versicherung und Oxford Research & Development Partners, liefert quantitative Daten zur aktuellen Lage. In einer Befragung von 11.175 Erwerbstätigen in 16 Ländern erzielte Deutschland einen Resilienz-Index von 3,98 Punkten und lag damit unter dem globalen Durchschnitt von 4,11 Punkten.
Ein signifikanter Zusammenhang zeige sich zwischen Einkommen und Resilienz-Wert: Während Personen mit höherem Verdienst auf 4,1 Punkte kamen, lag der Wert bei Geringverdienenden bei 3,78.
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Besonders im Bereich der digitalen Resilienz weist Deutschland mit 3,61 Punkten einen Rückstand zum globalen Wert von 3,98 auf. Dies ist bemerkenswert, da laut der Untersuchung bereits rund ein Drittel der Befragten täglich generative KI nutzt. Zudem gaben lediglich 52 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland an, über ausreichende Ersparnisse für drei Monate ohne Einkommen zu verfügen.
Anforderungen an moderne Führungsstile und Marktentwicklung
Experten wie Roman Briker von der WHU – Otto Beisheim School of Management ziehen zudem Lehren aus dem Sportbereich für das Management. Am Beispiel von Jürgen Klopp werden Faktoren wie Charisma, Talentförderung und die Fähigkeit zur Selbstbestimmung als resilienzfördernd analysiert.
Ergänzend dazu betonte die Transformationsberaterin Christine Trimpel die Bedeutung einer konstruktiven Fehlerkultur und der Aktivierung von Potenzialen innerhalb der Teams.
Diese qualitativen Anforderungen treffen auf einen sich verändernden Arbeitsmarkt. Während die Zahl der arbeitslos gemeldeten Manager branchenübergreifend laut Bundesagentur für Arbeit innerhalb eines Jahres um 14 Prozent gestiegen ist, verzeichnen spezialisierte Sektoren wie die Rüstungsindustrie einen hohen Bedarf.
Unternehmen wie Rheinmetall planen für das Jahr 2026 weltweit die Einstellung von mehr als 5.000 neuen Mitarbeitern, während Hensoldt rund 60 neue Leitungsfunktionen besetzen will.
Flankiert wird die Debatte um individuelle Führungskompetenzen durch neue regulatorische Rahmenbedingungen. Die EU-Kommission konkretisierte im September 2026 durch Leitlinien zur CER-Richtlinie technische und organisatorische Maßnahmen für kritische Einrichtungen, wobei Resilienz hier als ganzheitliches System aus physischer Sicherheit, Ausfallvorsorge und menschlicher Verantwortung definiert wird.
