Reparaturrecht, Hersteller

Reparaturrecht: Hersteller müssen Ersatzteile 10 Jahre vorhalten

27.06.2026 - 15:13:37 | boerse-global.de

Bundestag beschließt längere Ersatzteilvorhaltepflicht und verlängerte Gewährleistung nach Reparaturen für 16 Gerätearten.

Neues Reparaturrecht: Längere Ersatzteilpflicht ab Juli 2026
Reparaturrecht - Nahaufnahme von Händen, die elektronische Geräte auf einer Werkbank reparieren, mit Werkzeugen und Ersatzteilen. Fokus auf Nachhaltigkeit. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Bundestag hat am 25. Juni die nationale Umsetzung einer EU-Richtlinie beschlossen.

Das neue Gesetz umfasst 16 Gerätearten – von Waschmaschinen über Smartphones bis zu E-Bikes. Ziel: Die Nutzungsdauer verlängern, Elektroschrott reduzieren.

Längere Gewährleistung nach Reparatur

Wer sein Gerät reparieren lässt, profitiert gleich doppelt. Die gesetzliche Gewährleistung verlängert sich von zwei auf drei Jahre – allerdings nur, wenn die Reparatur tatsächlich durchgeführt wurde.

Die Hersteller müssen Reparaturen während der üblichen Lebensdauer zu einem „angemessenen Preis“ anbieten. Besonders streng sind die Vorgaben bei Ersatzteilen:

  • Smartphones: Sieben Jahre Verfügbarkeit
  • Waschmaschinen: Zehn Jahre Verfügbarkeit

Eine softwareseitige Blockade von Reparaturen ist künftig verboten.

Wirtschaftsverbände fordern Nachbesserungen

Grundsätzlich begrüßen der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Digitalverband Bitkom die Reform. Doch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisiert unklare Formulierungen im Gesetzestext.

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Der vzbv geht noch weiter. Die Verbraucherschützer fordern einen verbindlichen Kriterienkatalog und eine Höchstlieferfrist für Ersatzteile von fünf Tagen. Auch finanzielle Anreize sind im Gespräch: Ein bundesweiter Reparaturbonus oder eine Mehrwertsteuersenkung auf Ersatzteile und Reparaturen könnten die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Neukäufen stärken.

Die Preise der Profis

Die Reparaturbranche zeigt sich bereits heute differenziert. Fachbetriebe in Bonn, München oder Karlsruhe reparieren vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine.

Die Preise variieren stark. Ein Bonner Dienstleister verlangt etwa 35 Euro Anfahrtspauschale und berechnet die Arbeitszeit im Zehn-Minuten-Takt zu rund 23 Euro. Manche Betriebe locken mit Rabatten auf Ersatzteile oder bieten Garantieverlängerungen und Versicherungsschutz für monatliche Beiträge im unteren zweistelligen Bereich.

Repair Cafés und digitale Helfer

Neben den Profis wächst die zivilgesellschaftliche Bewegung. In Düsseldorf fand im Juni 2026 das 100. Repair-Café statt – ein Format, das seit 2012 existiert und jährlich tausende Reparaturanfragen bearbeitet. Auch international gibt es solche Angebote, etwa in den Niederlanden mit kostenlosen Reparaturterminen für Kleidung bis Computer.

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Digitale Unterstützung kommt aus Berlin-Neukölln. Dort startete im Juni 2026 ein spezieller Bot, der über Messenger-Dienste bei Reparaturfragen hilft. Innerhalb der ersten Wochen verzeichnete das System über 300 Interaktionen – ein Zeichen für den wachsenden Bedarf an niederschwelligen Informationen.

Die regelmäßige Wartung ist übrigens nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch für die Sicherheit. Experten warnen: Veraltete Kondensatoren in Jahrzehnte alten Geräten können Brandrisiko darstellen. Gleichzeitig lassen sich viele Probleme einfach lösen – etwa Beläge auf Geschirr durch Kontrolle des Salzbehälters oder Anpassung der Reinigungsmittelmenge.

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