Rentenreform, Renteneintrittsalter

Rentenreform: Renteneintrittsalter soll bis 2041 auf 67,5 Jahre steigen

22.06.2026 - 11:46:46 | boerse-global.de

Neue Umfrage: 44 Prozent der Beschäftigten wollen vorzeitig in Rente. Expertenkommission schlägt Reformen vor, um das System zu stabilisieren.

Frührente im Trend: Umfrage zeigt sinkende Lust auf Arbeit bis 67
Rentenreform - Nahaufnahme eines Kalenderblatts mit dem Datum 'JULI 2026', überlagert von Händen, die auf einem Schreibtisch ruhen, symbolisiert Rentenplanung. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit.

44 Prozent der befragten Beschäftigten wollen vorzeitig in Rente gehen. Besonders stark ist der Trend bei den Über-50-Jährigen: 52 Prozent von ihnen denken über einen vorzeitigen Ausstieg nach. Nur 35 Prozent planen, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. Gerade einmal 9 Prozent können sich vorstellen, länger zu bleiben.

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DAK-Chef Andreas Storm sieht „erheblichen Handlungsdruck“. Er fordert die Unternehmen auf, mehr in betriebliches Gesundheitsmanagement zu investieren. Nur so lasse sich die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter langfristig erhalten.

Gesundheit entscheidet über den Rentenzeitpunkt

Die Zahlen des IGES-Instituts zeigen: Ältere Arbeitnehmer sind zwar seltener krank, fallen dann aber länger aus. Der Krankenstand bei 66-Jährigen liegt bei 11 Prozent – fast doppelt so hoch wie bei 50-Jährigen (5,8 Prozent). Die Ausfallzeiten betragen durchschnittlich 16,3 Tage, bei Jüngeren sind es nur 8,2 Tage.

Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, ist statistisch gesünder. Der Krankenstand sinkt bei 67-Jährigen auf 4,5 Prozent, bei 69-Jährigen auf 3,9 Prozent. Das zeigt den sogenannten „Healthy-Worker-Effect“: Vor allem gesundheitlich stabile Personen bleiben länger im Job.

Der Wunsch nach Frührente ist bei Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen mit 60 Prozent deutlich höher als bei fitten Beschäftigten (48,7 Prozent).

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Rentenkommission legt Reformvorschläge vor

Eine Expertenkommission unter Vorsitz von Constanze Janda und Frank-Jürgen Weise hat am 22. Juni umfassende Reformempfehlungen vorgelegt. Kernpunkt: Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nach einem 2:1-Modell.

Konkret heißt das: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, müssen acht Monate länger gearbeitet werden. Die Rentenphase verlängert sich um vier Monate. Das Eintrittsalter könnte bis 2041 auf 67,5 Jahre steigen, bis 2051 auf 68 Jahre. Für die 2090er Jahre prognostizieren die Experten 70 Jahre.

Die Kommission empfiehlt außerdem die Abschaffung der „Rente mit 63“. Die Grenze für eine Frührente mit Abschlägen soll schrittweise auf 64 Jahre steigen. Als Ausgleich ist eine Härtefallregelung geplant: Zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze soll ein abschlagsfreier Ruhestand möglich sein – allerdings nur nach bestandener Gesundheitsprüfung.

Neue Finanzierungsstruktur geplant

Ein weiterer Vorschlag: die Einführung einer verpflichtenden Aktienrente nach schwedischem Vorbild. Perspektivisch sollen 2 Prozent des Bruttolohns – hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern – in eine staatlich organisierte Kapitaldeckung fließen. Der Einstieg ist für 2028 mit einem Beitragssatz von 1 Prozent geplant.

Der Versichertenkreis soll deutlich ausgeweitet werden. Künftig sollen auch Selbstständige, Vorstände, Abgeordnete und Minijobber in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Nachhaltigkeitsfaktor, der die Rentenentwicklung an das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern koppelt, soll ab 2032 wieder verschärft greifen. Die Haltelinie von mindestens 48 Prozent Rentenniveau läuft nach 2031 aus.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer begrüßte die Vorschläge. Kritik kommt von Gewerkschaften und Sozialverbänden. DIW-Präsident Marcel Fratzscher mahnt, die Reformen lösten das Problem der Altersarmut nicht grundlegend. Er vermisst eine konsequente Integration der Beamten in das System.

Die Bundesregierung will die Empfehlungen bis zum Sommer in konkrete Gesetzesentwürfe gießen.

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